
China: Smog-Chaos in Harbin
Asien Abgaswolken fachen Stürme über dem Pazifik an
Hamburg - Seit einigen Jahren macht extremer Smog asiatischen Metropolen zu schaffen. Die Schmutzpartikel aus Abgasen schädigen nicht nur die Gesundheit, sondern lösen offenbar auch eine Wetterkaskade aus.
Abgaspartikel dienen als Saatgut für Wolken, an sie lagern sich Wasserteilchen. Starke Schmutzwolken können auf diese Weise mächtige Wolken entstehen lassen. Dabei werde eine Dynamik angefacht, die Stürme verstärkt, berichten Forscher um Yuan Wang von der Texas A&M University im Wissenschaftsblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" .
Für ihre Analyse fütterten die Wissenschaftler Klimamodelle mit Daten über Luftverschmutzung in Asien. Das simulierte Wettergeschehen verglichen sie mit Berechnungen über die Witterung in vorindustrieller Zeit. "Die Modelle sind ziemlich eindeutig", erklärt Renyi Zhang, Mitautor der Studie: "Die Partikel aus der Industrie verändern das Wettergeschehen über dem Pazifik." Stürme würden kräftiger und brächten mehr Regen.
"Die ganze Welt ist betroffen"
Über den Mechanismus können die Forscher allerdings nur spekulieren, die Modelle errechnen lediglich die Wirkung. Bekannt ist, dass Abgaspartikel das Wetter auf vielerlei Weise beeinflussen. Sie wärmen, streuen das Licht, stören Winde - oder intensivieren sie. Staubstürme aus Afrika etwa scheinen die Bildung von Hurrikanen über dem Atlantik zu bremsen.
Im Falle der asiatischen Schmutzwolken indes scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Winde frischen auf. Offenbar wirkt eine grundlegende meteorologische Kraft. Die Entstehung von Regenwolken treibt Luftströmungen an, denn bei der Kondensation des Wasserdampfs an Partikeln wird Wärme frei. Sie steigt auf und setzt einen Luftsog in Gang.
Letztlich könnten die Abgasfahnen aus Asien das globale Wetter verändern, sagt Zhang. Denn pazifische Luftströmungen fungierten als "wichtige Steuerung für die globale Windzirkulation."