Luftverschmutzung Rekord-Smog über der Arktis

Die Luftverschmutzung über der Arktis hat einen Rekordwert erreicht: Messungen deutscher Forscher haben ergeben, dass insbesondere Ruß und Staub aus Osteuropa die stärkste jemals registrierte Verunreinigung der Arktis-Luft ausgelöst haben.


Bremen - Normalerweise ist die Fernsicht auf Spitzbergen ohnegleichen, die Luft glasklar. Inzwischen aber sind im hohen Norden Phänomene zu beobachten, die bisher nur vom Himmel über Millionenstädten bekannt waren: Der Horizont verschwimmt hinter einem Schleier aus Schmutz.

Forscher des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) haben über der Arktis die bislang höchste Luftverschmutzung seit Beginn der Messungen 1991 registriert. Durch eine besondere Wetterlage erreichten vergangene Woche große Mengen Schwebeteilchen wie Ruß und Staub aus Osteuropa die Atmosphäre über der Arktis, teilten die Wissenschaftler mit. Diese Aerosole können unter anderem Sonnenlicht streuen oder schlucken.

Die Konzentration von Aerosolen und Ozon seien über der deutsch-französischen Forschungsbasis in Ny-Ålesund derart extrem erhöht gewesen, dass der Himmel über Spitzbergen orange-braun verfärbt gewesen sei. Schwedische Forscher hätten die Messwerte der deutschen Gruppe bestätigt: Bis zu 50 Mikrogramm Aerosol pro Kubikmeter haben sich demnach in der Luft befunden - ein Wert, der sonst an belebten Straßen in Stadtgebieten erreicht wird.

Zugleich hat das Norwegische Institut für Luftforschung extrem hohe Konzentrationen von Ozon in Bodennähe gemessen. Über 160 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter seien der höchste Wert seit Einrichtung der Station im Jahre 1989 gewesen.

"Die aktuelle Luftverschmutzung liegt um das Zweieinhalbfache über den Werten vom Frühjahr 2000", sagte AWI-Forscher Andreas Herber. "Als Folge erwarten wir eine deutlich höhere Erwärmung." Ob die Rekord-Messwerte den Beginn eines neuen Trends markierten, sei derzeit aber noch unklar.

mbe/dpa

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