In den Wäldern Madagaskars haben deutsche Biologen 29 bislang nicht bekannte Tausendfüßer-Arten erfasst. Darunter sind auch elf Riesenkugler, die die Größe einer Orange erreichen können und deren Vorfahren bereits zur Zeit der Dinosaurier gelebt haben.
Madagaskar ist gesegnet mit einer hohen Artenvielfalt und zugleich wenig erforscht. Immer wieder stoßen Wissenschaftler auf bislang unbekannte Arten, und so erging es auch zwei deutschen Biologen. Thomas Wesener von der Universität Bonn und sein Kollege Kai Schütte von der Universität Hamburg fanden im Südosten Madagaskars 29 Tausendfüßer-Arten und 14 Insekten-Arten, die bislang unbekannt waren.
Einige der entdeckten Tausendfüßer zeichnen sich nicht nur durch ihren farbenprächtigen Körper, sondern auch durch ihre teilweise erstaunliche Größe aus. Zusammengerollte Riesenkugeltausendfüßer, auch Riesenkugler genannt, können die Größe einer Apfelsine erreichen. Von diesen Tieren, deren Vorfahren bereits in der Dinosaurier-Ära lebten, erfassten Wesener und Schütte elf neue Arten.
Für die madagassischen Trockenwälder haben die Riesenkugler eine große ökologische Bedeutung. Die Tiere ernährten sich ausschließlich von altem Laub und vermodertem Holz, erklärten die Biologen. Damit spielten sie in ihren Verbreitungsgebieten eine unverzichtbare Rolle bei der Zersetzung von Laub ähnlich wie die Regenwürmer bei uns.
Droht den Humusproduzenten Gefahr in ihrem Revier, so nehmen sie blitzschnell die Form einer nahezu perfekten Kugel an. Die Außenhülle besteht aus harten Halbringen, so dass die Kugel besonders stabil ist. So eingerollt können sich die Tausendfüßer zwar vor Feinden schützen, nicht aber vor der Abholzung der Wälder der momentan größten Gefahr dieser und vieler anderer Tiere in Madagaskar.
Nahezu alle Wälder der Tropeninsel sind stark gefährdet. Forscher vermuten, dass in spätestens zehn Jahren viele einzigartige Tiere dieser artenreichen Insel ausgestorben sein werden, wenn die Zerstörung der Wälder in gleichem Ausmaß voranschreitet wie bisher. Viele Tiere würden in den kommenden Jahren verschwinden, ohne dass überhaupt je jemand sie zu Gesicht bekommen hätte, befürchten die Forscher. Für umso bedeutender halten sie daher die Erfassung und taxonomische Erforschung der madagassischen Tiere.
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