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Spektakuläre Entdeckung: Erze in der Tiefsee

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Madagaskar Natürliche Schatzkammer am Meeresgrund

Wertvoller Fund im Indischen Ozean: Vor Madagaskar haben deutsche Wissenschaftler Metalle in hoher Konzentration entdeckt, darunter Gold, Silber und Kupfer. Bergbau in der Tiefsee könnte manche Minen an Land ersetzen.

Hannover - 2800 Meter unter dem Meeresspiegel schlugen die Messgeräte an. Deutsche Forscher haben im Indischen Ozean bedeutende Metall-Lagerstätten entdeckt. Ein Reservoir habe die Größe von 10.000 Quadratmetern, ein anderes bestehe aus einem 100 Meter breiten Hügel, berichtet der Expeditionsleiter Ulrich Schwarz-Schampera SPIEGEL ONLINE. Das wertvolle Gestein im Meeresboden besäße mit bis zu 24 Prozent Kupferanteil die bisher höchsten Werte für Meeresböden überhaupt.

Die Experten der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) fanden während einer Forschungsfahrt östlich von Madagaskar auch "deutliche Anreicherungen" von Gold, Silber, Wismut, Selen, Tellur und Indium im Meeresboden. Mit Schallwellen, Magnetfeldmessern und Videoschlitten erkundeten die Wissenschaftler den Ozeangrund. Dort hatten deutsche Forscher bereits in den achtziger Jahren Hinweise auf Metallvorkommen entdeckt - jetzt konnten ihre Kollegen der Spur endlich nachgehen.

Es handelte sich zwar nur um eine Stichprobe, erläutert Schwarz-Schampera; über die wahre Ausdehnung des Reservoirs in die Tiefe lasse sich nichts sagen, dazu wären Bohrungen nötig. Dennoch könnte die Nachricht dem Tiefseebergbau Auftrieb geben: Bisher erscheint die Förderung von Metallen aus dem tiefen Ozean aufgrund der teuren Arbeiten als wenig lukrativ. Doch mit steigender Nachfrage und höheren Preisen könnte sich das ändern. Eine Firma plant für 2013 den Abbau von Erzen vor Papua-Neuguinea in 1600 Meter Wassertiefe.

Wie viel Gold liegt in der Tiefsee?

Eine aktuelle Studie im Fachmagazin "Geology"  kommt zu dem Schluss, dass manche Metall-Lagerstätten in den Meeren ein durchaus lohnendes Geschäft versprechen könnten. Für ihre Berechnungen hatten die Wissenschaftler 106 Vorkommen von Metallen am Meeresgrund untersucht, die als repräsentativ gelten.

"Wir schätzen, dass in unmittelbarer Umgebung der weltweit bekannten vulkanischen Rücken etwa 600 Millionen Tonnen Massivsulfide lagern", sagt Sven Petersen vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel (IFM-Geomar), Mitautor der Studie. Darunter seien 30 Millionen Tonnen Zink und Kupfer. Die Gesamtmenge in den Massivsulfid-Vorkommen am Meeresboden betrage damit allerdings nur "wenig mehr als die jährliche Fördermenge dieser Metalle an Land", erklären die Forscher.

Den Zugang zu den metallreichen Meeresgebieten regelt die Uno. China und Russland haben bereits Lizenzen erworben. Auch in der Arktis ist der Kampf um Rohstoffe in vollem Gange. Die Ergebnisse der Dera-Geologen könnten einen mögliche deutsche Lizenzbeantragung begründen, glauben die Forscher.

Die deutsche Industrie hängt vom Import von Metallen ab. Die in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe angesiedelte Dera sucht im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums nach Rohstoffen im Indischen Ozean. Im Frühjahr erst hatten Kieler Meereskundler die Entdeckung von Gold und anderen Metalle im Wert von rund zwölf Milliarden Euro im Roten Meer gemeldet.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes wurde die "Geology"-Studie teilweise falsch widergegeben. Wir bitten, den Irrtum zu verzeihen.

boj
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