Malaria-Bekämpfung Impfung soll Erreger sterilisieren

Die Ausbreitung der Malaria könnte mit einer Impfung gestoppt werden, glauben Forscher. In einem Versuch mit Mäusen haben sie die Vermehrung des Erregers erfolgreich verhindert. Kann eine solche Sterilisierung die gefährliche Seuche eindämmen?


Die Bilanz ist verheerend: Jährlich sterben allein in Schwarzafrika mindestens 800.000 Kinder unter fünf Jahren an Malaria. Ihr Erreger Plasmodium falciparum hat sich in den vergangenen Jahren als äußerst anpassungsfähig erwiesen: Medikamente, mit denen man früher den Erkrankten noch gut helfen konnte, sind mittlerweile wirkungslos - die Malaria-Erreger sind resistent.

Vorderes Ende eines Malaria-Erregers: Heidelberger Forscher schufen diese beeindruckende Darstellung mit der sogenannten Kryo-Elektronentomografie
Uniklinik Heidelberg

Vorderes Ende eines Malaria-Erregers: Heidelberger Forscher schufen diese beeindruckende Darstellung mit der sogenannten Kryo-Elektronentomografie

Nun berichten Forscher der University of Texas in Dallas über einen neuen Weg zur Eindämmung der Seuche: Sie wollen die Erreger, von denen es eine männliche und eine weibliche Form gibt, mit einer Impfung sterilisieren. Werde die Verschmelzung der beiden Plasmodium-Varianten blockiert, könnten sich Stechmücken nicht mehr mit dem Erreger infizieren und ihn folglich auch nicht mehr weitergeben, schreiben William Snell und seine Kollegen im Fachblatt "Genes & Development". Bei Mäusen habe sich die Strategie bereits als vielversprechend erwiesen.

Jede Form der geschlechtlichen Vermehrung hängt von zwei Schritten ab: dem Aneinanderheften einer männlichen und einer weiblichen Keimzelle sowie deren Verschmelzung miteinander zu einer neuen Zelle. Während jede Spezies für den ersten Schritt eigene, maßgeschneiderte Proteine verwende, scheine der zweite Schritt in vielen Zellen gleichartig zu verlaufen, berichten die Forscher. So konnten sie ein Schlüsselprotein dieses Vorgangs, ein Eiweiß namens HAP2, nicht nur bei einzelligen Algen, sondern auch bei Mais, Weizen und in leicht veränderter Form auch beim Malaria-Erreger nachweisen.

Fortpflanzung verhindert

Diese Entdeckung sei die Grundlage der Idee für die neuartige Impfung, erklärt Studienleiter Snell. Seine Überlegung: Wenn die Vermehrung des Erregers von der Verschmelzung einer männlichen und einer weiblichen Zelle und damit von einem einzelnen Protein abhängt, müsste sich durch das Eliminieren genau dieses Proteins der gesamte Lebenszyklus des Parasiten unterbrechen lassen.

Tatsächlich konnten Snell und seine Kollegen nachweisen, dass das Blockieren von HAP2 die Verschmelzung bei Plasmodium verhinderte. Zudem gaben Mäuse, die mit einer Plasmodium-Variante ohne HAP2 infiziert waren, die Erreger nicht mehr an Stechmücken weiter, wie weitere Tests zeigten.

Die Methode sei vor allem deswegen vielversprechend, weil sich das HAP2-Gen der Malaria-Erreger von dem der Säugetiere und des Menschen unterscheide, erklärt Snell. Daher sei es prinzipiell möglich, die Plasmodium-Variante zu blockieren, ohne sie beim Menschen zu beeinträchtigen.

Die Malaria-Expertin Ann-Kristin Müller von der Universität Würzburg hält die Arbeit für "eine sehr interessante Studie". Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE wies sie jedoch auch daraufhin, dass derartige sogenannte Transmissions-blockierende Impfstoffe eigentlich in Kombination mit weiteren Anti-Malaria-Mitteln eingesetzt werden sollten.

Mit Gentechnik gegen die Malaria-Mücke?

Auch die US-Forscher räumen ein, dass die von ihnen vorgeschlagene Impfung vor allem als Ergänzung zu anderen Behandlungsmethoden zu sehen ist, da sie ausschließlich die Weitergabe des Erregers und nicht die Krankheit selbst bekämpfen würde. Ob es jedoch tatsächlich einmal eine solche Impfung geben werde, könne in diesem Stadium noch nicht beurteilt werden, schreiben sie.

Es gibt bereits eine Reihe von Ideen, um die gefährliche Tropenkrankheit in den Griff zu bekommen. So haben Forscher vorgeschlagen, die Anopheles-Mücke genetisch so zu verändern, dass sie dem Malaria-Verursacher Plasmodium keinen Lebensraum mehr bietet. Ein durchaus bedenkenswerter Ansatz: Im Laborversuch vermehrten sich derartig genveränderte Mücken besser als ihre normalen Artgenossen. Auch mit radioaktiver Strahlung glauben Wissenschaftler, das Malariaproblem womöglich lösen zu können. Die Bestrahlung sterilisiert die männlichen Insekten und verhindert so die Fortpflanzung.

Kurzfristig gibt es aber wohl nur einen Weg, um die Seuche einzudämmen: die konsequente Anwendung von Moskitonetzen. Das Kinderhilfswerk Unicef vermeldete dabei Ende 2007 einen großen Erfolg: Immer mehr Kinder in Afrika schlafen unter Moskitonetzen, und immer mehr Malaria-Infizierte werden medizinisch behandelt - nach Unicef-Angaben die beste Nachricht über den Kampf gegen die Infektionskrankheit seit Jahren.

hda/ddp



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