Mammut und Mastodon Dung dokumentiert Sterben der Riesensäuger

Die riesigen Säugetiere Nordamerikas sind vor einigen Jahrtausenden auf mysteriöse Weise von der Bildfläche verschwunden. Haben zugewanderte Menschen Mammut und Mastodon den Garaus gemacht? Eine neue Studie hat diese Frage jetzt beantwortet - anhand von Mammut-Dung.

Mastodon: Die Riesensäugetiere hatten einen Einfluss auf die Vegetation
Barry Roal Carlsen, University of Wisconsin Madison

Mastodon: Die Riesensäugetiere hatten einen Einfluss auf die Vegetation


Was hat den plötzlichen Niedergang der Riesensäugetiere verursacht, die Nordamerika bis vor etwa 14.000 Jahren bevölkerten? Bisher hatten viele Experten angenommen, dass die Clovis-Menschen die Großtiere nach der letzten Eiszeit ausgerottet haben oder ein Meteorit die sogenannte Megafauna ausgelöscht haben könnte.

Jetzt aber legen Forscher neue Hinweise vor, die den Menschen entlasten: Das Sterben der Megafauna begann schon mindestens tausend Jahre, bevor prähistorische Jäger den nordamerikanischen Kontinent eroberten, schreiben Jacquelyn Gill von der University of Wisconsin in Madison und ihre Kollegen im Fachblatt "Science".

Um das Aussterben der großen Pflanzenfresser wie den Mastodon, den Mammut oder das Riesenfaultier zu verstehen, nahmen die Wissenschaftler besondere Überreste aus der Zeit unter die Lupe: Sie untersuchten die Pilzsporen aus Jahrtausende altem Mammut-Dung. Die Sporen des Pilzes Sporomiella fanden die Forscher in bestimmten Sedimentschichten.

Das Fazit von Gill und ihren Kollegen: Das Aussterben des Mammuts und anderer Großtiere wie den elefantenähnlichen Mastodons war ein gradueller Prozess. Ein "Blitzkrieg" der Jäger gegen die Großtiere sei nicht mit den Sporendaten vereinbar. Auch einen Meteoriteneinschlag schließen die Wissenschaftler aus, ebenso wie den Verlust des Lebensraums durch den Zuzug des Menschen auf dem Kontinent.

Ohne die Riesensäuger veränderte sich die Landschaft

Vielmehr gehen die Forscher davon aus, dass sich die Landschaft verändert hat, weil die großen Pflanzenfresser langsam verschwanden: Aus einer Art Savanne mit einzelnen Baumgruppen entstand vor etwa 14.000 Jahren ein Lebensraum mit einer reichhaltigeren Pflanzenwelt und eher geschlossenen Wäldern. Das schließen die Forscher ebenfalls aus der Untersuchung von Pollen und Pilzen aus dieser Zeit. Reste von Holzkohle deuten zudem darauf hin, dass Brände das Aussterben der Tiere möglicherweise verursachten und sich dieser Wechsel über einen Zeitraum von 1000 Jahren hinzog. Dagegen war man früher der Auffassung, dass die Veränderung der Landschaft nicht eine Folge, sondern eine Ursache des Verschwindens der Megafauna war.

Der Pilz, den die Wissenschaftler untersucht hatten, muss im Laufe seines Entwicklungszyklus durch den Verdauungstrakt von Säugetieren gehen und wächst bevorzugt in den Hinterlassenschaften von Pflanzenfressern. An der Zahl der Sporen in verschiedenen Sedimentschichten konnten die Forscher ablesen, wie dicht besiedelt mit Pflanzenfressern die untersuchte Gegend zu einem bestimmten Zeitpunkt war. "Vor rund 13.800 Jahren schwindet die Zahl der Sporen schnell", sagt Gill. "Sie sind kaum noch nachweisbar."

Gills Studie hat allerdings einen großen Nachteil: Sie kann zwar einige Szenarien über das Verschwinden der wolligen Giganten ausschließen, doch die Frage nach dem wahren Grund für das Aussterben der Mammuts bleibt unbeantwortet.

cib/ddp



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