Mangrovenwälder Vernichtet mit Strunk und Stiel

Mangrovenwälder sind ökologische Kostbarkeiten, die Bäume speichern viel mehr Kohlendioxid als andere Arten. Neue Satellitendaten zeigen, wie viele dieser Naturwunder der Mensch bereits zerstört hat.
Mangroven in Indonesien

Mangroven in Indonesien

Foto: sytilin / Panthermedia / imago images

Mangroven sind komplexe Wunder der Natur. Die Bäume, die überwiegend in tropischen Küstengebieten vorkommen, haben sich auf clevere Weise ihrer Umwelt angepasst und überstehen so den Wechsel der Gezeiten in salzhaltigem Wasser.

Dabei bietet der Schlamm, der ihre Wurzeln umgibt, nicht nur einen einzigartigen Lebensraum für Tierarten. Mangrovenwälder leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz. Und der vielleicht wichtigste Aspekt: Die Bäume speichern außerordentlich viel Kohlendioxid, und das dient dem Klima.

Seit den Achtzigerjahren wurde schätzungsweise ein Drittel der weltweiten Mangrovenwälder vernichtet. Wie es um die Bestände steht und welche Gründe beim Rückgang eine Rolle spielen, hat nun eine Studie der Nasa erstmals in einer globalen Karte erfasst. Dafür wurden Daten der "Landsat"-Erdbeobachtungssatelliten ausgewertet.

Die Karte zeigt den Verlust von Mangroven von 2000 bis 2016 in Kilometern. Die Forscher unterscheiden zwischen natürlichen und menschlichen Faktoren

Die Karte zeigt den Verlust von Mangroven von 2000 bis 2016 in Kilometern. Die Forscher unterscheiden zwischen natürlichen und menschlichen Faktoren

Foto: Joshua Stevens / NASA Earth Observatory

Insgesamt hat sich der Mangrovenrückgang im Zeitraum zwischen 2000 und 2016 verlangsamt, heißt es in der Untersuchung, die im Fachmagazin "Global Change Biology"  veröffentlicht wurde. Das Team um die Wissenschaftlerin Liza Goldberg stellte aber fest, dass während des Untersuchungszeitraums mehr als 2000 Quadratkilometer Mangrovenwälder verloren gingen. Das entspricht etwa zwei Prozent der globalen Mangrovenfläche.

Im Jahr 2010 lagen 53.000 Quadratkilometer Mangrovenwälder an den Küsten der Erde. Vor allem in Südostasien verschwanden Mangrovenbestände, dort befinden sich auch die größten Gebiete. In Ländern wie Indonesien oder Bangladesch werden Flächen für die Garnelenzucht oder den Reisanbau gerodet, aber auch für die Brennholzgewinnung.

Die Forscher unterschieden bei der Studie zwischen zwei Faktoren: Dem Verlust durch natürliche Ursachen wie Erosion und Sturmfluten. Und dem Rückgang durch menschengemachte Ursachen wie beispielsweise Landwirtschaft, Abholzung und Aquakultur. Sie schätzen, dass 62 Prozent der verlorenen Fläche auf den Faktor Mensch zurückgehen.

Regionale Aufteilung der Verluste (Angaben in Zeit und Quadratkilometern)

Regionale Aufteilung der Verluste (Angaben in Zeit und Quadratkilometern)

Foto: Joshua Stevens / NASA Earth Observatory

Immerhin ist der Einfluss des Faktors Mensch laut den Beobachtungen der Forscher zurückgegangen. "Einerseits ist das großartig", sagte Liza Goldberg, die Hauptautorin der Untersuchung. "Es zeigt, dass die Wirksamkeit der Umweltschutzbemühungen auf lokaler Ebene zunimmt und auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Mangroven". Auf der anderen Seite offenbarten die Daten auch, dass in manchen Regionen Südostasiens die Zerstörung offenbar so weit fortgeschritten ist, dass in vielen Gebieten kein Mangrovenverlust mehr möglich ist - weil es keine Bestände mehr gibt.

Lola Fatoyinbo Agueh, Umweltwissenschaftlerin am Goddard Space Flight Center der NASA in Greenbelt, Maryland und Mitautorin der Studie, betont die Rolle von Mangroven beim Klimaschutz. Die Bäume sind sehr effiziente Kohlenstoffsenker und können bis zu fünfmal mehr Treibhausgase speichern als andere Bäume. Sie machen nur drei Prozent der globalen Waldfläche aus, aber wenn sie alle abgeholzt würden, könnten sie bis zu zehn Prozent der in Bäumen gespeicherten Kohlenstoffemissionen freisetzen.

Boden als Kohlenstoffspeicher

Die Blätter von Mangroven fallen auf den Boden und zersetzen sich beispielsweise sehr langsam, wodurch kohlenstoffreicher Torf entsteht, der CO₂ bindet. Durch die Vernichtung der Mangrovenwälder entweicht dieser Kohlenstoff aber in die Atmosphäre, wo er als Treibhausgas zum Klimawandel beiträgt.

Fatoyinbo Agueh erklärt, wie wichtig eine Unterscheidung der Zerstörungsfaktoren im Hinblick auf den Klimawandel sei. "Die Art der Kohlenstoffemissionen von Mangroven hängt davon ab, welche Art der Flächenumwandlung stattfindet", sagte sie. Holze man die Bäume ab und hebe den Boden aus, um beispielsweise einen Garnelenteich anzulegen, setze das sehr viel mehr Treibhausgas frei als bei Schäden, die durch natürliche Ursachen wie Stürme entstehen. Denn der größte Teil des Kohlenstoffs sei im Boden gespeichert.

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