Manipulierte Studien Bush-Berater wechselt zu Ölkonzern

Der Berater von US-Präsident Bush, der mehrere Klimastudien der US-Regierung zugunsten der Industrie manipuliert haben soll, kehrt zu alten Aufgaben zurück. Nach seinem Rücktritt als Stabschef des US-Umweltrats wird er für den Ölkonzern Exxon Mobil arbeiten.


Washington - Der Fall sorgte vergangene Woche für internationale Schlagzeilen: Philip Cooney, Stabschef im Umweltrat des Weißen Hauses, hatte Zeitungsberichten zufolge wiederholt Regierungsgutachten zum Klimawandel manipuliert. Er veränderte die wissenschaftlichen Berichte demnach so, dass der Zusammenhang zwischen Treibhausgas-Emissionen und der globalen Erwärmung zweifelhafter erschien als von den Autoren beabsichtigt. Cooney selbst verfügt als Jurist über keine naturwissenschaftliche Ausbildung.

Die "New York Times" hatte anhand mehrerer Dokumente gezeigt, dass der Umweltrat-Stabschef die Untersuchungen nachträglich veränderte, obwohl sie bereits von Wissenschaftlern der Regierung bestätigt worden waren. Die US-Regierung betonte zwar, die Eingriffe seien Teil eines "normalen Revisionsprozesses" gewesen. Dennoch reichte Cooney am vergangenen Freitag seinen Rücktritt ein.

Jetzt wurde bekannt, wohin es Cooney zieht: Der Ölkonzern Exxon Mobil kündigte an, den Ex-Präsidentenberater künftig zu beschäftigen. Vor seiner Berufung in den Umweltrat hatte Cooney bereits für das American Petroleum Institute, die größte Lobby-Organisation der US-Ölindustrie, gearbeitet. Seine Amtsführung im Umweltrat taugte nun offenbar als Empfehlung für eine Rückkehr in den alten Wirkungsbereich.

Wie die "New York Times" berichtet, wird Cooney seinen Posten bei Exxon Mobil im Herbst antreten. Worin seine Aufgaben dort bestehen werden, habe der Konzern nicht verraten. Das Unternehmen hat der Zeitung zufolge aber über lange Zeit Kampagnen und Lobbyisten bezahlt, die den vom Menschen verursachten Klimawandel ebenso in Zweifel ziehen sollten wie die Notwendigkeit, den Ausstoß von Kohlendioxid zu reduzieren.

Das Weiße Haus betonte, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Enthüllung der vergangenen Woche und Cooneys Rücktritt gebe. "Phil Cooney hat großartige Arbeit abgeliefert", sagte Dana Perino, eine Sprecherin der US-Regierung. "Wir schätzen seine Dienste für die Gesellschaft."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.