Im Marianengraben Amerikaner taucht 10.928 Meter tief - und findet eine Plastiktüte

Der Marianengraben ist der tiefste Punkt der Erde. Ein Forschungsteam hat es offenbar dennoch bis auf den Grund geschafft - und ungeahnte Entdeckungen gemacht.

Reuters

Ein amerikanischer Abenteurer soll im Marianengraben einen neuen Weltrekord im Tiefseetauchen aufgestellt haben. Victor Vescovo setzte laut einer Presseerklärung am 28. April mit dem Spezial-U-Boot "DSV Limiting Factor" 10.928 Meter unter der Wasseroberfläche auf dem Meeresgrund auf. Erst am Montag gab die "Five Deep"-Expedition den Erfolg bekannt.

Der alte Rekord lag bei 10.912 Metern und war bereits 1960 von den Ozeanografen Don Walsh und Jacques Piccard in dem Tiefsee-U-Boot "Trieste" aufgestellt worden.

Die Expedition um Vescovo, die für eine Dokumentation des Discovery Channel mit Kameras begleitet wurde, fand im Süden des Marianengrabens auf Höhe des Challengertiefs statt. Vier Stunden suchte Vescovo den Meeresboden ab und fand neben drei unbekannten Tierarten Medienberichten zufolge auch eine Plastiktüte. Das Team teilte mit, dass Wissenschaftler Tests an den gefundenen Kreaturen durchführen würden, um den Prozentsatz der in ihnen gefundenen Kunststoffe zu bestimmen.

Insgesamt fünf Tauchgänge

Insgesamt fünf Tauchgänge machte Vescovo im "DSV Limiting Factor" in den Marianengraben, bereits beim ersten am 28. April war die Bestmarke nach Angaben der Expedition übertroffen worden. Die Mission der Expedition besteht darin, detaillierte Sonarmessungen an den fünf tiefsten Stellen der Ozeane durchzuführen. Nach dem Marianengraben werden nun auch der Puerto-Rico-Graben und der Süd-Sandwich-Graben im Atlantik sowie der Sundagraben im Indischen Ozean vermessen.

Fotostrecke

6  Bilder
Tauch-Expedition im Marianengraben: Plastiktüte in 11.000 Metern Tiefe

Der ehemalige Weltrekordhalter Walsh war selbst an Bord des U-Boot-Mutterschiffs und empfing Vescovo nach dessen Auftauchen. Es sei eine beeindruckende Leistung des Teams gewesen, das Challengertief viermal in nur acht Tagen zu tauchen, sagte Walsh. "Es war eine Demonstration der Zuverlässigkeit der Systeme und eine Effizienz, die nie zuvor bei der Erforschung der Ozeane gesehen wurde."

Live-Blog aus der Tiefe

In einem Live-Blog auf der Website der Expedition dokumentierten Vescovo und sein Team die Tauchgänge. "Ich konnte den 'Limiting Factor' allein auf den Grund des Challenger Deep manövrieren und den erst dritten Tauchgang in der Geschichte dorthin machen", schrieb Vescovo bereits am 28. April. "Mit einigen Backup-Daten und zertifiziert von einem DNV/GL-Vertreter, glauben wir, dass wir eine neue Rekordtiefe von 10.928 Metern erreicht haben."

Das U-Boot "DSV Limiting Factor" neben seinem Mutterschiff
Atlantic Productions for Discovery Channel / Tamara Stubbs/ REUTERS

Das U-Boot "DSV Limiting Factor" neben seinem Mutterschiff

An Bord hatte Vescovo einen Eispickel, mit dem er nach eigenen Angaben 2010 den Mount Everst bestiegen hatte. Der Eispickel sei demnach der erste, der sowohl auf dem höchsten als auch auf dem tiefsten Punkt der Welt gewesen ist.

Zuletzt war "Titanic"-Regisseur James Cameron zum Grund des Challengertiefs getaucht. Damit hatte er den Rekord für den tiefsten Solo-Tauchgang der Geschichte aufgestellt. Ein Rekord, der bis zum Tauchgang von Vescovo hielt.

Video zu Öko-Innovation: "Strandsauger" gegen Plastikmüll

Kamera One

hba

Mehr zum Thema


insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Cannonier 14.05.2019
1. Bitte etwas präziser...
Sofern der Kollege kein Freitaucher ist so bediente er eine Maschine die ihn in diese Tiefe brachte. Technologie, nicht Mensch. Der Mensch taugt nämlich zu nichts ausser hauptsächlich seine Umwelt zu zerstören.
norobato 14.05.2019
2. Bild 3
Was ist denn auf Bild Nr 3 genau zu sehen? Das wäre wirklich interessant zu wissen, die Perspektive ist mir aber leider völlig unklar.
jozu2 14.05.2019
3. Mittelalterprobleme hindern uns an Lösung
Am meisten nervt mich, dass wir keine Zeit haben, uns um diese Umweltprobleme ERNSTHAFT zu kümmern. Stattdessen muss die Welt sich mit mittelalterlichen Wahnsinnigen auseinandersetzen, die einem Mohammed und seinem alten Buch "Koran" nacheifern.
Flying Rain 14.05.2019
4. Das ist
Das ist doch eher so eine Nein! Doch! Ohhh! - Story ... gibt es irgendeinen Grund warum in nem Tiefseegraben kein Plastikmüll zu finden ist wenn er doch sonst wo in den Meeren auch zu finden ist? Man sollte restriktiv Länder deren Flusssysteme für den Großteil des Plastikmülls in den Meeren verantwortlich sind unter massiven Druck setzen. Es ist einfach sinnfrei zu meinen mit dem Verbot von Plastikstrohhalmen in der EU wäre irgendwas gerettet. 90% des Plastikmülls in den Meeren wäre nicht dort wenn die betreffenden Länder in Asien und Afrika nur schon einen Bruchteil der Standards und des Mindsets im Bezug auf Müll hätten wie wir in Europa.
helmut.alt 14.05.2019
5. Die Sache mit der Plastiktüte ist unglaubwürdig,
weil Plastiktüten leichter sind als Wasser (Dichte etwa 0,9) und schwimmen, wie man sattsam in den Berichten über vermüllte Meere sieht. Um welches Plastikmaterial handelte es sich denn in Wirklichkeit?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.