Massenaussterben am Ende der Kreidezeit Die Dinosaurier starben im Frühling

Anhand versteinerter Fischknochen konnten Forschende die Jahreszeit bestimmen, in der die Ära der Dinosaurier endete. Dieses Wissen liefert auch Hinweise darauf, warum andere Tiere den Asteroideneinschlag überlebten.
Die Dinosaurier prägten die Erde über Jahrmillionen: Auf dieser Illustration sind zwei Tiere der Gattung des Triceratops zu sehen

Die Dinosaurier prägten die Erde über Jahrmillionen: Auf dieser Illustration sind zwei Tiere der Gattung des Triceratops zu sehen

Foto: Mark Stevenson / Stocktrek Images / Getty Images

Dort, wo heute Mexiko liegt, besiegelte vor 66 Millionen Jahren ein einziges Ereignis das Schicksal einer Gruppe von Tieren, die die Erde bis dato besiedelt hatten: An diesem einen Tag schlug ein Asteroid auf der Halbinsel Yucatán ein, größer als der Mount Everest, mit der Wucht von Milliarden Atomwaffen. Er ließ den Ozean verdampfen und Gestein schmelzen, er erschütterte den gesamten Planeten und vernichtete hunderte Spezies. Darunter die Dinosaurier.

Neue Untersuchungen zeigen: Dieser Tag war ein Frühlingstag.

Versteinerte Knochen von Löffelstören

Forscherinnen und Forscher der Universität Uppsala in Schweden, der Vrije Universiteit in Amsterdam, der Vrije Universiteit in Brüssel und der European Synchrotron Radiation Facility in Frankreich analysierten mit verschiedenen Methoden die versteinerten Knochen von bestimmten Fischen, sogenannten Löffelstören. Die Tiere seien weniger als 60 Minuten nach dem Einschlag des Asteroiden gestorben. Die Fossilien stammten aus der Tanis-Fundstelle in North Dakota in den USA. Seine Ergebnisse stellte das Team in der Zeitschrift »Nature« vor.

Der Einschlag des Asteroiden habe gewaltige stehende Wellen in den Gewässern verursacht. Diese Wellen hätten enorme Sedimentmengen in Bewegung versetzt, die die Fische lebendig begraben hätten. Kügelchen geschmolzenen Gesteins wurden in die Luft geschleudert und prasselten wieder auf die Erde – weniger als eine Stunde nach dem Einschlag. Die fossilen Fische seien makellos erhalten, ihre Knochen würden kaum Anzeichen geochemischer Veränderungen aufweisen. Die Einschlagskügelchen steckten noch in den Kiemen.

Einige der Fischknochen wählten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Rekonstruktion der Jahreszeiten in der jüngsten Kreidezeit aus. Denn: Diese Knochen zeichneten das jahreszeitliche Wachstum auf eine ähnliche Weise auf, wie Baumringe es tun. »Die gefundenen Wachstumsringe haben nicht nur die Lebensgeschichte der Fische erfasst, sondern auch die Jahreszeiten der jüngsten Kreidezeit und damit die Jahreszeit, in der das katastrophale Aussterben stattfand«, sagte Jeroen van der Lubbe von der Universität in Amsterdam.

»Der Tod kam im Frühjahr«

Als zusätzlichen Beweis für die These, dass sich der Einschlag im Frühjahr ereignete, könne man die Verteilung, Form und Größe der Knochenzellen werten. Es sei bekannt, dass diese Werte ebenfalls mit den Jahreszeiten schwanken. »Bei allen untersuchten Fischen lassen sich Knochenzelldichte und -volumen über mehrere Jahre hinweg verfolgen. Sie stiegen an, hatten aber im Todesjahr noch nicht ihren Höhepunkt erreicht«, sagt Dennis Voeten von der Universität Uppsala.

Bei einem der untersuchten Löffelstöre führten die Forschenden eine Analyse der stabilen Kohlenstoffisotope durch, um sein jährliches Ernährungsmuster zu ermitteln. Die Verfügbarkeit von Zooplankton, seiner bevorzugten Beute, schwankte saisonal und erreichte ihren Höhepunkt zwischen Frühjahr und Sommer. »Das Kohlenstoff-Isotopensignal im Wachstumsverlauf dieses unglücklichen Löffelstörs bestätigt, dass die Futtersaison noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte – der Tod kam im Frühjahr«, sagte Melanie During von der Universität Uppsala, die Hauptautorin der Veröffentlichung.

Der Herbst als Vorteil

Die Studienergebnisse könnten zudem einem noch größeren Verständnis dienen: »Diese Erkenntnis wird dazu beitragen, aufzuklären, warum die meisten Dinosaurier ausstarben, während Vögel und frühe Säugetiere dem Aussterben entgehen konnten«, sagte During.

Das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit stelle eines der selektivsten Aussterben in der Geschichte des Lebens dar: Alle Dinosaurier, Flugsaurier, Ammoniten und die meisten Meeresreptilien starben aus, während Säugetiere, Vögel, Krokodile und Schildkröten überlebten. Auch das habe womöglich mit der Jahreszeit zu tun: Denn wenn auf der Nordhalbkugel – etwa im heutigen North Dakota – Frühling ist, ist auf der Südhalbkugel Herbst. Und während der Frühling für viele Organismen eine besonders empfindliche Lebensphase darstellt, weil es um die Fortpflanzung geht, bereiten sich viele Tiere im Herbst bereits auf den Winter vor – mit Verstecken und Höhlen und unterirdischen Bauten, in denen man im Fall eines Asteroideneinschlags womöglich bessere Überlebenschancen habe.

vki
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.