Massensterben Der Killer kam aus dem All

Nicht nur den Sauriern könnte eine kosmische Katastrophe den Todesstoß versetzt haben: Bereits vor 380 Millionen Jahren soll ein Komet oder Asteroid 40 Prozent aller Tierarten in den Meeren vernichtet haben.


Die Geschichte der Evolution ist eine Geschichte massenhaften Sterbens. Seit die ersten Lebewesen auf der Erde aufgetaucht sind, haben immer wieder Katastrophen große Teile der Tier- und Pflanzenwelt vernichtet.

Einschlagskrater in der marokkanischen Wüste: Kollaps des Ökosystems?
B. Elwood

Einschlagskrater in der marokkanischen Wüste: Kollaps des Ökosystems?

Das wohl bekannteste Beispiel dürfte der Übergang von der Kreide- in die Tertiärzeit sein: Vor 65 Millionen starben die Dinosaurier schlagartig aus - nachdem sie lange Zeit die Erde regiert hatten. Vermutlich war der Einschlag eines Kometen oder Asteroiden auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan - so der gegenwärtige Stand der Forschung - zumindest einer der Auslöser für das massenhafte Sterben.

Auch schon deutlich früher, vor rund 380 Millionen Jahren, hat eine globale Katastrophe die Artenvielfalt dezimiert. Damals wurden rund 40 Prozent aller im Meer lebenden Tierarten von der Erde gefegt. Doch was hat den Tod der Meeresbewohner ausgelöst?

Ein Forscherteam aus Marokko und den USA hat nun neue Hinweise darauf gefunden, dass auch das Artensterben vor 380 Millionen Jahren durch eine kosmische Katastrophe ausgelöst wurde. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" schreiben, schlug exakt zu jener Zeit ein Komet oder Asteroid in einem Gebiet ein, das heute zur marokkanischen Wüste gehört.

Bei der Untersuchung des Einschlagkraters stießen Brooks Ellwood von der Louisiana State University und Kollegen auf verräterische Spuren, wie sie ähnlich auch auf Yucatan entdeckt worden waren. So legen das Verhältnis verschiedener Kohlenstoffisotope, die Konzentration der gefundenen Mineralien und auch die deformierten Felsen einen Einschlag mit katastrophalen Folgen nahe.

Fossilien, die knapp oberhalb der vom Einschlag dominierten Erdschicht gefunden wurden, deuten darauf hin, dass bereits kurz nach dem Massensterben viele neue Arten entstanden sind. Möglicherweise haben die Folgen des Einschlags, so Ellwood in "Science", das Ökosystem in den Weltmeeren kollabieren lassen. Die wenigen überlebenden Spezies nutzen die Chance, entwickelten schnell neue Arten und besetzen so die entstandenen Nischen.

Die aktuellen Erkenntnisse geben der Idee neue Nahrung, dass kosmische Katastrophen nicht nur das Bild der Erde, sondern auch das der Tierwelt nachhaltig geprägt haben. Mehr als 100 Einschlagskrater haben Geologen auf der Erdoberfläche gefunden, doch nur bei dem Krater auf Yucatan hat sich, so Ellwood, bislang ein ursächlicher Zusammenhang mit einem Artensterben herstellen lassen. Dass Yucatan nun kein Einzelfall mehr sein soll, dürfte auch Forscher, die sich mit dem umstrittenen Ende der Dinosaurier beschäftigen, aufhorchen lassen.

Alexander Stirn



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