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Massensterben Forscher wollen Dinosaurier-Killer überführt haben

Hat der Einschlag eines Meteoriten die Dinosaurier ausgelöscht oder waren es gewaltige Vulkanausbrüche? Forscher haben jetzt die wichtigsten Studien der vergangenen Jahre zusammengetragen - und glauben, das Rätsel endgültig gelöst zu haben.

Der große Knall ist die am weitesten verbreitete Vorstellung vom Ende der Dinosaurier: Ein riesiger Meteorit mit einem Durchmesser von 15 Kilometern rast auf die Erde zu. Mit der 20-fachen Geschwindigkeit einer Pistolenkugel kracht er auf die Halbinsel Yucatán im heutigen Mexiko und setzt beim Aufschlag etwa eine Milliarde Mal mehr Energie frei aus die Hiroshima-Atombombe. Heftige Erdbeben erschüttern den Planeten, riesige Tsunamis rasen um den Globus, die Hitzewelle verbrennt alles Leben im Umkreis von Hunderten Kilometern. Die heißen Trümmer lösten vermutlich in aller Welt Feuersbrünste aus, anschließend verdunkelten der Staub und der Rauch die Sonnen.

Die Folgen waren ein globaler Winter und eines der größten Massensterben der Erdgeschichte: Rund 70 Prozent aller Lebewesen des Planeten verschwanden am Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär. Ob auch die Dinosaurier auf diese Weise ihr Ende fanden, war bisher allerdings umstritten. Manche Forscher etwa machen eine Serie gewaltiger Vulkanausbrüche im heutigen Indien für das Aussterben der Riesenechsen verantwortlich, andere führen es auf giftige Bakterien in den Weltmeeren zurück, sogar akuter Weibchenmangel wurde schon ins Spiel gebracht.

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Apokalypse in ferner Vergangenheit: Das Ende der Dinosaurier

Foto: DPA/ Don Davis

Jetzt hat ein internationales Team aus 41 Wissenschaftlern die wichtigsten Studien der vergangenen 20 Jahre erneut analysiert - und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Nur ein Meteorit könne für das Verschwinden der Dinosaurier verantwortlich sein. "Wenn man die vielen neuen Informationen der letzten Jahre zusammenbringt, bleibt nur ein einziger großer Impakt übrig", sagt Teamleiter Peter Schulte von der Universität Erlangen-Nürnberg. Andere Erklärungen für das Massensterben ließen sich nicht mit den vorhandenen geologischen Daten in Einklang bringen.

Die Forscher führten zusätzlich zur Analyse bisheriger Untersuchungen auch eigene Computersimulationen durch. Demnach war der Einschlag des großen Gesteinsbrockens so heftig, dass mehr als die Hälfte aller damals lebenden Tier- und Pflanzenarten vermutlich schon innerhalb weniger Tage starb, schreiben Schulte und seine Kollegen im Fachmagazin "Science" .

Alles in 1500 Kilometern Umkreis wurde vernichtet

"In der unmittelbaren Umgebung bis in etwa 1500 Kilometer Entfernung ist durch die Hitze, durch Erdbeben und Tsunamis wirklich alles zerstört worden", sagt Schulte. "Das Tödliche aber sind die Konsequenzen: Große Mengen Staub und sehr viel Ruß gelangten in die Atmosphäre. Zudem wurde aus dem Untergrund der Halbinsel sehr plötzlich in großen Mengen Schwefel freigesetzt."

Die Folge: Sonnenstrahlen drangen nicht mehr bis zur Erde durch, es wurde schlagartig für einige Jahre deutlich kälter. "Dadurch brachen ganze Nahrungsketten zusammen", so Schulte. So sei nachweisbar der Bestand des Planktons im Meer massiv zurückgegangen, Bäume verschwanden. Damit fehlte die Nahrung der Pflanzenfresser, auf die ihrerseits Fleischfresser wie die Dinosaurier angewiesen waren. Auf einer Website machen die Forscher die Wirkungen des Einschlags mit Hilfe von Google Earth sichtbar .

Die Meteoriten-Theorie aus den frühen achtziger Jahren. Damals entdeckten Forscher, dass in der KT-Grenze - jene Gesteinsschicht, die etwa 65,5 Millionen Jahre alt ist und die die Kreide- von der Tertiärzeit trennt - das auf der Erde sehr seltene Metall Iridium ungewöhnlich stark vertreten ist. Da Asteroiden und Kometen mehr Iridium enthalten als das Erdgestein, wird eine derartige Anreicherung als Beleg für einen Einschlag betrachtet, bei dem iridiumreicher Staub aufgewirbelt wird und sich auf der Erdoberfläche wieder absetzt. Die sonstige Beschaffenheit der Schicht deutete auf einen Einschlag im Bereich des Golfs von Mexiko hin, wo 1991 dann tatsächlich der rund 200 Kilometer breite Chicxulub-Krater entdeckt wurde.

Forscher halten Vulkan-Theorie für widerlegt

Skeptiker vermuteten dagegen die Ursache des Massensterbens am Ende der Kreidezeit im heutigen Indien, im sogenannten Dekkan-Trapp. Dort habe sich zur fraglichen Zeit ein aktiver Supervulkan befunden, der über 1,5 Millionen Jahre hinweg große Mengen Staub, Schwefel und vulkanische Gase ausstieß. Über diese Frage entwickelte sich im Verlauf der Jahre ein veritabler Forscherstreit.

Schulte und seine Kollegen glauben nun, die Vulkan-Theorie widerlegt zu haben: Die Abnahme der Fossilienmenge und -vielfalt folgte dem Iridium-Anstieg im Gestein so abrupt, dass die stetige vulkanische Aktivität nicht der Auslöser gewesen sein könne. Zudem hätten in den 500.000 Jahren zuvor lediglich geringe Veränderungen stattgefunden.

Die Kritiker der Meteoriten-Theorie berufen sich auch auf Daten, laut denen der Einschlag 300.000 vor dem Massensterben stattgefunden habe. Schulte und sein Team meinen aber, dass dies auf einer Fehlinterpretation geologischer Daten beruhe: Der Aufprall habe die Schichten in dem betroffenen Gebiet derartig durcheinandergebracht, dass sie kaum noch zuverlässige Informationen liefern könnten.

Schulte und seine Kollegen halten ihre Indizienkette für so stark, dass kaum ein Zweifel an der Richtigkeit der Meteoriten-Theorie bestehen könne. "Den exakten Beweis haben wir aber nicht", räumte Schulte ein. "Möglicherweise wird es ihn nie geben."

mbe/dpa/ddp