Maul- und Klauenseuche Bauernhöfe in fünf Bundesländern gesperrt

Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien verschärft auch Deutschland die Vorsichtsmaßnahmen: Höfe in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern mussten vorläufig ihren Betrieb einstellen.

Berlin - Bundesweit wurden die Vorsichtsmaßnahmen gegen ein mögliches Ausbrechen der Tierseuche gesteigert, die Behörden mahnten zu erhöhter Aufmerksamkeit. Landwirte sind aufgerufen, Auffälligkeiten den Veterinärämtern zu melden.

In Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern wurden am Wochenende Höfe vorsorglich gesperrt oder unter Beobachtung gestellt. Klinische Auffälligkeiten wurden in Deutschland bisher nicht festgestellt, wie die zuständigen Landesministerien mitteilten.

Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Großbritannien setzt auch das Krisenmanagement der Bundesregierung in Gang: Wie ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums erklärte, kommt morgen die aus Bund und Ländern bestehende Task-Force Tierseuchenbekämpfung zusammen. Bei einer Telefonkonferenz soll über den aktuellen MKS-Ausbruch in Großbritannien beraten werden.

Im Laufe des Montags werden außerdem die Untersuchungsergebnisse von insgesamt fünf Importen von Tieren nach Deutschland erwartet. Bei den Importen aus Großbritannien handelt es sich den Angaben zufolge um vier Lieferungen von Schafen und den Import eines Rindes aus den vergangenen 30 Tagen. Alle Anzeichen würden darauf hindeuten, dass die importierten Tiere nicht von MKS befallen sind, hieß es aus dem Ministerium. "Aber selbstverständlich wird alles geprüft."

Die rund 40 untersuchten Tiere stammen aus Ställen, die weitab von dem in Großbritannien betroffenen Hof liegen. Zudem handelt es sich bei den Schafen überwiegend um Tiere aus privater Haltung. Sie seien in die Länder Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein gegangen. Zudem stellten die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern ein aus Großbritannien eingeführtes Pferd unter Quarantäne. Auch in Bayern ordneten die Behörden für zwei Betriebe, die Tiertransporte aus England erhalten hatten, vorsichtshalber die Beobachtung an.

In Hessen sind drei Agrarbetriebe betroffen, in Rheinland-Pfalz einer. Dorthin waren Schafe verkauft worden, die aus einem Betrieb in 150 Kilometer Entfernung von der südenglischen Ausbruchsstelle der Seuche stammten. Die zuständigen Umweltministerien sprachen am Wochenende von "reinen Vorsichtsmaßnahmen".

In Bayern wurden nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums zwei Höfe vorsorglich unter Beobachtung gestellt. Sie hatten insgesamt 18 Schafe aus England erhalten. Eine Lieferung stammte aus einer Region, die weit über 100 Kilometer vom Ausbruchsherde entfernt sei. Die zweite Lieferung sei über Rheinland-Pfalz an einen bayerischen Hof gegangen.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Pferdehof vorsorglich unter Quarantäne gestellt. Eine Stute des Gehöfts sei zum Decken in der Nähe der Region gewesen, in der die Seuche festgestellt wurde, sagte Landesagrarminister Till Backhaus (SPD). MKS werde durch Pferde zwar nicht direkt übertragen, hieß es. Es gebe jedoch bereits Fälle in England, wo der Erreger über das Fell der Tiere weitergegeben wurde.

Backhaus teilte weiter mit, dass an allen Flug- und Seehäfen mit internationaler Anbindung die Kontrollen verschärft worden seien. Er appellierte an Touristen und Geschäftsleute, keine Lebensmittel aus Großbritannien mitzubringen. "Die Gefahr der Seucheneinschleppung ist enorm groß."

Schleswig-Holsteins Bauernverbandspräsident Otto-Dietrich Steensen forderte schärfere Kontrollen an den Grenzen. Es sei zu befürchten, dass die Seuche den ohnehin schon unter Preisdruck stehenden Markt für Rindfleisch weiter belaste.

amz/ddp/dpa/AFP