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Entdeckung auf Mauritius: Steinalt

Foto: Susan F. Webb/ Witwatersrand Universität

Mauritius Uralt-Kontinent versteckt sich unter Tropeninsel

Am Boden des Indischen Ozeans liegen Reste eines ehemaligen Kontinents verborgen. Das wollen Forscher mit Gesteinsanalysen bestätigt haben, bei denen sie drei Milliarden Jahre alte Halbedelsteine aufspürten.

Die wenigsten Gäste von Mauritius dürften sich besonders für Geologie interessieren. Oder bestenfalls insoweit, dass sie sich freuen, wie hier über die Jahre genug Sand zusammengekommen ist: Mit zusammengerechnet 160 Strandkilometern ist das tropische Eiland im Indischen Ozean ein Traumziel für Taucher, Schnorchler, Kitesurfer, Wellenreiter und Einfach-mal-gar-nichts-Macher.

Jedes Jahr kommen um die 1,2 Millionen Touristen, besonders aus China waren die Zuwachsraten zuletzt gigantisch. Ab und zu kommen allerdings auch Leute nach Mauritius, denen es nicht um Erholung geht.

Da war zum Beispiel ein Trüppchen um den Norweger Trond Torsvik, Geowissenschaftler an der Universität Oslo. Die Wissenschaftler suchten vor einiger Zeit am Strand nach feinen Steinchen, mit denen sie die Geschichte der Insel neu schreiben wollten: In kleinen Lava-Partikeln konnten sie dabei Zirkon-Halbedelsteine nachweisen - und die könnten ein Hinweis darauf sein, dass unter der Insel die Reste eines uralten, bisher unbekannten Kontinents liegen .

Die Mauritius-Reise einer weiteren Akademikergruppe, zu der neben Torsvik auch Michael Wiedenbeck vom Deutschen GeoForschungsZentrum in Potsdam und Lewis Ashwal von der University of the Witwatersrand in Südafrika gehören, stützt diese These nun: Die Insel überdecke Reste eines Kontinents, der drei Milliarden Jahre in die Erdgeschichte zurückreicht, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Communications" .

Sie hatten Gestein analysiert, das diesmal nicht vom Strand stammte. Stattdessen hatten sie ungefähr ein Kilogramm des Vulkangesteins Trachyt an einem Fels im Osten der Insel abgeschlagen. Bei einer Analyse fanden sich wieder die charakteristischen Zirkone, insgesamt 13 Stück.

Und während sich das Gestein, in das sie eingebettet waren, vor etwa sechs Millionen Jahren gebildet hatte, waren die Halbedelsteine laut Uran-Blei-Datierung bis zu drei Milliarden Jahre alt - und damit noch einmal deutlich betagter als die zuvor am Strand gefundenen.

Die Zirkone, so die Argumentation, dürften sich in Granitgestein gebildet haben. Und das wiederum bildet den Sockel von Kontinentalplatten. Also müsse tief unter der Insel ein Kontinent verborgen sein.

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Entdeckung auf Mauritius: Steinalt

Foto: Susan F. Webb/ Witwatersrand Universität

Mauritius liegt wie die Seychellen im Indischen Ozean, zwischen Indien und Madagaskar. Bis vor Kurzem sahen Forscher die Sache so: Die Seychellen sind geologisch alt und ein abgesplitterter Teil von Indien. Mauritius dagegen galt, ähnlich wie die nahe Insel Réunion, als jung und durch Vulkanismus entstanden.

Hier habe sich vergleichsweise dünner Ozeanboden über einen sogenannten Hotspot im Erdmantel geschoben. Dabei sei ein Vulkan entstanden. Man kennt das Prinzip zum Beispiel aus Hawaii. Doch die Zirkon-Funde zeigen, dass das im Fall von Mauritius wohl nicht die ganze Geschichte ist.

Denn der Vulkanismus auf Mauritius dürfte, so vermuten es die Forscher, vor etwa neun Millionen Jahren begonnen haben. Die auf der Insel gefundenen Halbedelsteine sind nun aber deutlich älter. Und der Umstand, dass sie in Lava eingebettet waren, spricht auch dagegen, dass sie nur angeweht oder angeschwemmt wurden.

"Wir müssen sie nur entdecken"

Diese Belege sprechen aus Sicht der Forscher dafür, dass unter der jungen Lava der Insel uralte kontinentale Kruste schlummert. Auch dass die Erdkruste unter Mauritius besonders dick ist, stützt die These. Das lässt sich aus Satellitendaten ablesen. Torsvik und Kollegen hatten für den bislang unbekannten Kontinent den Namen Mauritia vorgeschlagen. Er habe noch vor 90 Millionen Jahren Indien mit Madagaskar verbunden.

Die neuen Forschungsergebnisse legen nun auch nahe, wie Mauritia entstanden sein könnte. Ausgangspunkt war demnach das Auseinanderbrechen des Großkontinents Gondwana. Dabei entstanden neben Südamerika, Afrika, Australien und Antarktika unter anderem auch Indien und Madagaskar. In die - eigentlich recht dünne - Erdkruste am Boden des entstehenden Indischen Ozeans wurden dabei Teile - von deutlich dickerer - kontinentaler Kruste verbaut: die Reste von Mauritia.

"Unsere Studie zeigt, dass die vermeintlich homogene ozeanische Kruste längst nicht so einheitlich ist wie angenommen", sagt Forscher Wiedenbeck. "Vielmehr verbergen sich unter dem Meeresboden immer wieder Bruchstücke von alten Kontinenten. Wir müssen sie nur entdecken."

Dass zumindest Teile scheinbar allein vulkanisch entstandener Inseln auf Resten alter Kontinente liegen, kennen Wissenschaftler auch aus anderen Teilen der Welt: So gibt es geologische Hinweise darauf, dass der Südosten Islands auf Überbleibseln des Mikrokontinents Jan Mayen liegt. Auch unter Jamaika, Hispaniola und Kuba soll ähnliches Uraltgestein verborgen liegen.