Mecklenburg-Vorpommern Problemwolf tapst in Fotofalle

70 Damhirsche, Rentiere und Schafe wurden im Landkreis Müritz zerfleischt - jetzt scheint das rätselhafte Massaker aufgeklärt: Der mutmaßliche Täter ging in eine Fotofalle. Es handelt sich um einen wohlgenährten Wolf. Auch in anderen Bundesländern wächst die Sorge wegen der Raubtiere.

Geblitzt: Hirsche, Schafe, Rentiere stehen auf dem Speiseplan
WWF /MV

Geblitzt: Hirsche, Schafe, Rentiere stehen auf dem Speiseplan


Ende Januar lagen drei Rentiere im Landkreis Müritz zerfleischt in ihrem Gehege. Anfang Februar erwischte es 15 Schafe. Die Wunden deuteten auf einen Wolf als Täter hin. Nun tappte in der Gegend ein Raubtier in eine Fotofalle der Umweltschutzorganisation WWF. Es ist kräftig und wohlgenährt. Kein Wunder: In sieben Monaten hat der Wolf nach Angaben des WWF in der Grenzregion Mecklenburg/Brandenburg knapp 70 Damhirsche, Rentiere und Schafe in fünf Gehegen getötet. Möglicherweise seien auch mehrere Tiere dafür verantwortlich. Politiker fordern nun in Lokalmedien, die Ansiedlung von Wölfen zu stoppen.

Der WWF hingen will lediglich, dass Schaf- und Damwildherden besser geschützt werden, etwa mit Elektrozäunen. "Da Nutztierhalter seit längerer Zeit um die Gefahr wüssten, ist nun auch Eigenverantwortung gefragt", teilt der Verband mit. "Nutztierherden in unzureichend geschützten Gattern sind nun einmal für Wölfe eine Einladung zum 'All You Can Eat'-Buffet", sagt Janosch Arnold vom WWF. Allerdings bringe ein Elektrozaun nur dann ein wirksamer Schutz, wenn er richtig aufgestellt werde.

Zum Abschuss freigegeben

Auch in Bayern streift ein Wolf umher. "Den wenig schmeichelhaften Titel Problemwolf teilen sich derzeit gleich zwei deutsche Exemplare in der Grenzregion Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern und in Bayern", bilanziert der WWF. Für die Umweltaktivisten kommt die Bezeichnung "Problemtier" zu früh: "Nur wenn ein Wolf dreistes Verhalten gegenüber Menschen zeigt, wird es problematisch", sagt Arnold.

Deutschlandweit gibt es nach Schätzung des WWF 50 bis 60 Wölfe. Ein Großteil davon lebt in der sächsischen Lausitz, wo mittlerweile ebenfalls die Angst vor den Raubtieren wächst. Auch aus Hessen und Bayern werden immer wieder Sichtungen gemeldet.

In Schweden, wo etwa 200 Wölfe leben, wurde die Jagd vergangenes Jahr freigegeben. Wissenschaftler warnen vor einem möglichen Aussterben der Wölfe in Nordeuropa. Noch leben etwa 1000 Wölfe zwischen Norwegen und Westrussland - doch das seien 2000 zu wenig, um das Überleben dieses nordeuropäischen Stammes zu sichern, warnen die Experten. Die EU-Kommission hat bereits eine Klage gegen Schwedens Regierung angekündigt.

boj

insgesamt 68 Beiträge
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aranyani 04.03.2011
1. Wolf oder Hund?
Zitat von sysop70 Damhirsche, Rentiere und Schafe wurden im Landkreis Müritz zerfleischt - jetzt scheint das*rätselhafte Massaker aufgeklärt: Der mutmaßliche Täter*ging in eine Fotofalle. Es handelt sich um einen wohlgenährten Wolf. Auch in anderen Bundesländern wächst die Sorge*wegen der*Raubtiere. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,748823,00.html
Ja, meinetwegen ist ein Wolf in die Fotofalle getappt. Aber wie kann man sich so sicher sein, dass auch (ausschließlich) er für die Nutztierrisse verantwortlich ist? Anhand der Gebissspuren, heißt es. Ich bin kein Biologe, dennoch möchte ich behaupten, Wolf- und Hundegebiss (zumindest einiger Arten, z.B. Schäferhund) sind sich sehr ähnlich. Und das gab es ja schon einige Male, dass bei solchen Fällen letztendlich ein streunender Hund als "Täter" überführt wurde. Überhaupt finde ich diese Panikmache äußerst verlogen, die teilweise von den ansässigen Bauern und Schäfern, teils aber auch von Bürgern betrieben wird, die angeblich Angst um ihre Kinder haben. Denn mit diesem Argument müsste man in allererster Linie die Hundehaltung verbieten. In den letzten, sagen wir mal, 50 Jahren, sind in Deutschland wieviele Angriffe von Wölfen auf Menschen erfolgt? Und wieviele Menschen sind von Hunden angegriffen oder sogar getötet worden? Derartige Fälle kann man alle paar Monate in der Zeitung lesen - "Familienhund beißt Kleinkind zu Tode" oder ähnlich Geschmackvolles. Aber das war ja nur ein lieber Haushund, der tut sonst eigentlich gar nix. Leute, merkt Ihr überhaupt noch was? Typischer Fall von Wahrnehmungsstörung.
huw00 04.03.2011
2. Ausrotten
Große Beutegreifer haben in unserer weitgehend wildnisfreien Kulturlandschaft nichts verloren. Ich möchte beim Waldspaziergang oder beim Pilze suchen keinem Bären oder Wolf begegnen. Diese Tiere wurden bei uns zu Recht ausgerottet und ihre Wiederansiedlung muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Falls sich das Problem mit bejagen nicht in den Griff kriegen lässt (was ich nicht glaube, wurde ja vor 150 Jahren schon mal geschafft), müssen eben Giftköder ausgelegt werden.
walli_sp 04.03.2011
3. .
Zitat von aranyaniJa, meinetwegen ist ein Wolf in die Fotofalle getappt. Aber wie kann man sich so sicher sein, dass auch (ausschließlich) er für die Nutztierrisse verantwortlich ist? Anhand der Gebissspuren, heißt es. Ich bin kein Biologe, dennoch möchte ich behaupten, Wolf- und Hundegebiss (zumindest einiger Arten, z.B. Schäferhund) sind sich sehr ähnlich. Und das gab es ja schon einige Male, dass bei solchen Fällen letztendlich ein streunender Hund als "Täter" überführt wurde. Überhaupt finde ich diese Panikmache äußerst verlogen, die teilweise von den ansässigen Bauern und Schäfern, teils aber auch von Bürgern betrieben wird, die angeblich Angst um ihre Kinder haben. Denn mit diesem Argument müsste man in allererster Linie die Hundehaltung verbieten. In den letzten, sagen wir mal, 50 Jahren, sind in Deutschland wieviele Angriffe von Wölfen auf Menschen erfolgt? Und wieviele Menschen sind von Hunden angegriffen oder sogar getötet worden? Derartige Fälle kann man alle paar Monate in der Zeitung lesen - "Familienhund beißt Kleinkind zu Tode" oder ähnlich Geschmackvolles. Aber das war ja nur ein lieber Haushund, der tut sonst eigentlich gar nix. Leute, merkt Ihr überhaupt noch was? Typischer Fall von Wahrnehmungsstörung.
Ich verstehe es unter dem Gesichtspunkt, wenn einer zuschauen muss, wie Teile seines Einkommens gerissen oder zu Tode gehetzt werden und er weiß, dass er allenfalls einen Teil des Schadens ersetzt bekommt. [/QUOTE]Denn mit diesem Argument müsste man in allererster Linie die Hundehaltung verbieten. In den letzten, sagen wir mal, 50 Jahren, sind in Deutschland wieviele Angriffe von Wölfen auf Menschen erfolgt? Und wieviele Menschen sind von Hunden angegriffen oder sogar getötet worden? Derartige Fälle kann man alle paar Monate in der Zeitung lesen - "Familienhund beißt Kleinkind zu Tode" oder ähnlich Geschmackvolles. Aber das war ja nur ein lieber Haushund, der tut sonst eigentlich gar nix. Leute, merkt Ihr überhaupt noch was? Typischer Fall von Wahrnehmungsstörung.[/QUOTE] In den letzten 50 Jahren gab es den Wolf faktisch nicht, deshalb sind weder auf Menschen noch auf Tiere Angriffe erfolgt. Allerdings gehöre ich auch eher zu denen, die den Wolf für Menschen eher als ungefährlich ansehen. Kleinkinder würde ich dabei allerdings ausnehmen, ebenso Zeiten argen Mangels (strenger Winter) Allerdings glaube ich nicht, dass sieser Artikel sich anbietet, über ein totales Hundeverbot zu diskutieren. Beim Bären stimme ich zu, der Wolf dürfte den geneigten Pilzsucher eher meiden
Eisbär 04.03.2011
4. Erst informieren ...
Zitat von huw00Große Beutegreifer haben in unserer weitgehend wildnisfreien Kulturlandschaft nichts verloren. Ich möchte beim Waldspaziergang oder beim Pilze suchen keinem Bären oder Wolf begegnen. Diese Tiere wurden bei uns zu Recht ausgerottet und ihre Wiederansiedlung muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Falls sich das Problem mit bejagen nicht in den Griff kriegen lässt (was ich nicht glaube, wurde ja vor 150 Jahren schon mal geschafft), müssen eben Giftköder ausgelegt werden.
... dann killen! Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass Sie ein Wolf, auch bei vorhandensein einer größeren Population, beim Pilze sammeln als Vorspeise verdrückt. Da würde ich mir eher die Pilze genau ansehen ... :-)
P.H., 04.03.2011
5. gefährliche Wildnis
Zitat von huw00Große Beutegreifer haben in unserer weitgehend wildnisfreien Kulturlandschaft nichts verloren. Ich möchte beim Waldspaziergang oder beim Pilze suchen keinem Bären oder Wolf begegnen. Diese Tiere wurden bei uns zu Recht ausgerottet und ihre Wiederansiedlung muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Falls sich das Problem mit bejagen nicht in den Griff kriegen lässt (was ich nicht glaube, wurde ja vor 150 Jahren schon mal geschafft), müssen eben Giftköder ausgelegt werden.
Es ist kein Vorfall dokumentiert worden, in dem ein reinrassiger Wolf (wohl aber Hybride mit Hunden) einen Menschen angefallen hat. Bären sind ohnehin weit weg. Das gefährlichste Tier, das die meisten Toten in Deutschland verursacht ist der gemeine Holzbock, die Zecke. Und die sorgt für viele Tote. Nur zerfleischt die Zecke nicht, das ist nicht so spektakulär. Schwarzwild ist für den Menschen WESENTLICH gefährlicher als der Wolf - bei einer Konfrontation, aber daran denken Sie nicht, wenn Sie in den Wald gehen. Auch nicht an die Zecke. Aber an den Wolf. Wenn der Wald Ihnen zu gefährlich erscheint, gibt es genug Alternativen.
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