Meereis-Negativrekord Arktis und Antarktis schmelzen dahin

Der Juni 2019 war der wärmste seit Beginn der Messungen. Das macht sich auch am Nord- und Südpol bemerkbar. In der Antarktis gab es so wenig Meereis wie nie zuvor in dem Monat.

Antarktis: Die Meereisdecke war im Juni rund 8,5 Prozent kleiner als im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010
Alexandre Meneghini/Reuters

Antarktis: Die Meereisdecke war im Juni rund 8,5 Prozent kleiner als im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010


Nie war es in einem Juni heißer als in diesem Jahr - zumindest nicht seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. Die Durchschnittstemperatur über Land- und Ozeanflächen habe in dem Monat um 0,95 Grad Celsius über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts von 15,5 Grad gelegen, teilt die Amerikanische Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA mit. Damit übertraf der Juni 2019 den gleichen Monat des Jahres 2016, der den bisherigen Rekord gehalten hat, um 0,02 Grad Celsius.

Besonders warm war es den Angaben zufolge im Norden Russlands, im Nordosten Kanadas und in südlichen Teilen Südamerikas. Aber auch Zentral- und Osteuropa erlebten im Juni eine Hitzewelle. Mehrere EU-Staaten meldeten damals bereits Temperaturrekorde. Besonders heiß war es in Frankreich: Dort kletterte die Allzeit-Höchstmarke von 44,1 auf 45,9 Grad. Was die Temperaturrekorde mit dem Klimawandel zu tun haben, lesen Sie hier.

Die global hohen Temperaturen im Juni haben sich auch auf das Eis in Arktis und Antarktis ausgewirkt:

  • Durchschnittlich war die Meereisdecke in der Antarktis im Juni rund 8,5 Prozent kleiner als im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010, so die NOAA. Ein neuer Negativrekord für den Monat.
  • In der Arktis war das Eis um 10,5 Prozent geringer ausgebreitet als im langjährigen Durchschnitt. Dabei handelt es sich um den zweitkleinsten je gemessenen Wert für den Juni.

21 Grad in der kanadischen Arktis

Auch im Juli waren die Temperaturen in der Arktis deutlich erhöht. Anfang der Woche gelangte der Ort Alert in Kanada in die Schlagzeilen. Dabei handelt es sich um die am nördlichsten gelegene dauerhaft bewohnte Siedlung der Welt. Im Sommer liegen die Temperaturen dort üblicherweise knapp über dem Gefrierpunkt, im Schnitt bei 6 Grad. Am vergangenen Sonntag wurden 21 Grad gemessen - so warm war es in Alert noch nie.

Bereits die vorangegangen vier Jahre waren nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. 2018 lag die Temperatur für das gesamte Jahr ein Grad über dem Mittel der vorindustriellen Zeit. Es war damit das viertwärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Die Jahre 2015 und 2017 lagen 1,1 Grad über dem vorindustriellen Schnitt. Den Rekord hält das Jahr 2016 mit einem Plus von 1,2 Grad.

jme/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.