Meeressäuger Pottwal strandet in Nordengland und stirbt

Tragödie an der Küste Nordenglands: Ein mehr als zehn Meter langer Pottwal ist gestrandet und verendet. Helfer hatten verzweifelt versucht, das Tier zu retten. Doch am Ende mussten sie den Kampf verloren geben.

REUTERS

Als der Anruf am Dienstagmorgen um sechs Uhr bei der Polizei im nordenglischen Cleveland einging, schaute der gewaltige Körper nur zum Teil aus dem Wasser: Ein Pottwal war am Strand der Stadt Redcar auf Grund geschwommen. Als die Polizei vor Ort eintraf, habe der Wal noch gelebt, sagte eine Sprecherin der Zeitung "The Guardian".

Helfer hätten daraufhin versucht, das Tier am Leben zu halten, die Feuerwehr besprühte den Säuger mit Wasser. Doch um 9 Uhr wurde der Wal für tot erklärt. Laut Richard Ilderton von der Organisaton British Divers Marine Life Rescue, der sich unter den Helfern befand, hatte der Wal keine Überlebenschance. Jeder Versuch, ihn wieder ins Meer zu bekommen, wäre grausam gewesen, sagte Ilderton der "Daily Mail".

Die Ursachen von Walstrandungen, bei denen manchmal Dutzende Tiere umkommen, sind unklar. Forscher vermuten, dass die Säuger in flachem Gewässer Orientierungsprobleme haben oder dass sich ein krankes Tier auf dem Weg zum Strand zu einer Art Leitwal entwickelt, dem andere folgen. Möglich erscheine auch, dass manche Wale fatalerweise Beute ins seichte Wasser hinterherjagen.

Auch Sonaranlagen können Wale in die Irre führen. Die Technik, die mittels Schallwellen zur Ortung und Vermessung unter Wasser genutzt wird, kann Walen gefährlich werden - das gilt inzwischen als erwiesen. Der Schalldruck schädigt das Gehirn und den Kreislauf der Meeressäuger und kann sie sogar töten.

Eine andere Theorie besagt, dass der Klimawandel die Ozeane lauter werden lässt - und die Wale damit vermehrt an die Strände treibt: Der zunehmende Kohlendioxidgehalt der Luft wirkt sich auf die Meere aus - das Wasser wird saurer. Wasser mit einem niedrigeren pH-Wert transportiert Geräusche besser. Hinzu kommt, dass die Menschen unter Wasser immer mehr Lärm verursachen.

Das Ausmaß der Veränderung durch den niedrigeren pH-Wert ist nach Meinung von Forschern der University of Hawaii beträchtlich: Bis zum Jahr 2100 werde die Schalldämpfung von tiefen Tönen in bestimmten Regionen der Ozeane um bis zu 60 Prozent sinken. Das führe dazu, dass Geräusche von Meeresbewohnern, Schiffen, Regen und Wellen unter Wasser besser transportiert würden, erklärten die Forscher. Wale könnten häufiger die Orientierung verlieren.

mbe



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