Erosion an der Elfenbeinküste Meer frisst Dorf

Das Gefängnis, die Schule und das Krankenhaus sind schon weg: An der Elfenbeinküste müssen Dorfbewohner zusehen, wie ihr Zuhause versinkt. Benachbarten Regionen droht ein ähnliches Schicksal.

Luc Gnago/ REUTERS

Das Dorf Lahou-Kpanda versinkt. Seit 30 Jahren müssen Anwohner zusehen, wie die Siedlung 140 Kilometer südwestlich von Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste, untergeht. Das Gefängnis, das Hospital und die Schule sind bereits verschwunden.

Auch der Friedhof ist bedroht: Einige Bewohner exhumieren die Überreste ihrer Vorfahren, bevor die Gräber von den Wellen verschluckt werden. Aus dem Sandstrand ragen überall Grabsteine. "Was wird passieren, wenn niemand kommt, um uns zu helfen?", fragt Daniel Loha, einer der Ältesten im Dorf als. "Unsere Eltern bedeuten uns sehr viel. Sie verstreut im Meer zu sehen, ist herzzerreißend."

Die Fotostrecke, aufgenommen von einem Reporter der Agentur Reuters, dokumentiert, wie die Siedlung langsam verschwindet:

Bis zum Jahr 2100 könnte der weltweite Meeresspiegel um bis zu 2,38 Meter steigen, warnen Forscher. Die Schätzungen sind umstritten, allerdings zeigen Satellitendaten, dass sich der Meeresspiegel schon jetzt schneller anhebt als erwartet. 2018 ist er laut der Weltwetter-Organisation (WMO) um 3,7 Millimeter im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das ist der höchste Stand seit dem Beginn systematischer Satellitenmessungen. Insgesamt liegt er ungefähr acht Zentimeter über dem Wert von 1993.

Inwieweit der Klimawandel am Untergang von Lahou-Kpanda schuld ist, lässt sich nicht genau sagen. Aber das Dorf zeigt, was anderen Orten der Region noch bevorstehen könnte. Ein Drittel der Bevölkerung in Westafrika lebt an der Küste, an denen sich nicht nur der steigende Meeresspiegel bemerkbar macht, sondern vor allem zunehmende Erosionen. Experten warnen, viele Siedlungen lägen zu nahe an der Küste. Zudem würden viele Gebäude mit Sand von den Stränden gebaut, was die Erosion weiter beschleunige.

Jährlich 1,8 Milliarden Euro für Küstenschutz

Lahou-Kpanda liegt auf einer schmalen Erdzunge, eingequetscht zwischen einer Lagune und dem Meer. Jedes Jahr rückte das Wasser der Hauptstadt der Region, Grand-Lahou, ein Stück näher. In den Siebzigerjahren wurde der Ort etwa 20 Kilometer weiter ins Landesinnere verlegt, doch einige Tausend Menschen blieben bis heute. Lahou-Kpanda ist das letzte Dorf

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Elfenbeinküste: Meer frisst Dorf

, das noch bewohnbar ist.

Einwohner hatten noch auf Hilfsmaßnahmen der Uno gehofft und versucht, die Halbinsel unter den Schutz der Unesco zu stellen. Doch dafür sei es inzwischen zu spät. Viele historische Gebäude seien bereits verloren.

Die Zerstörung der Küste kostete die Elfenbeinküste allein im Jahr 2017 umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Euro, zeigen Zahlen der Weltbank. Das entspricht rund fünf Prozent des gesamten Bruttoinlandprodukts. Damit gilt die Elfenbeinküste als eines der am stärksten betroffenen Länder in Westafrika.

koe/Reuters



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a.maassen 11.09.2019
1. Wenn man die Geographie kennt ...
... es handelt sich um eine Landzunge aus Schwemmsand. Solche Landschaften sind seit jeher dem Auf- und Abbau je nach Strömungsverhältnissen unterlegen. Dazu kommt der in Afrika in großem Maße betriebene Raubbau von Sand an den Küsten. Das muß dann nicht einmal direkt vor Ort zu Schäden führen. Das kann auch zig Kilometer weiter sein. Nicht alles und jedes taugt zur Untermalung der "Klimakatastrophe". Ja, kann sein, muß aber nicht sein. In diesem Fall: Eher nicht. P.S. Ich kenne die Verhältnisse. Ich habe lange dort gelebt ...
Papazaca 11.09.2019
2. Wenn die Toten nochmal sterben: Durch Ertrinken
Das Dorf, in dem ich in Ghana lebe, ist in der Nähe von Abidjan. Und die geographische Lage ist ähnlich: Hinter dem Strand eine Lagune. Das heißt, das Land auf dem vorgelagerten Landstreifen ist immer gefährdet. Aber es gibt einen gravierenden Unterschied zu früher: Die Erosion der Küste und die Verlagerung der Häuser in Strandnähe nach hinten hat deutlich zugenommen. Wellen sind schon zum Teil 8-10 Meter hoch gewesen. Das ist ein neues Phänomen. An besagten Tag verlor ein Engländer 4 Meter von seinem Strandgrundstück, sein Grenzstein verschwand im Meer. Dazu kommen zum Teil noch starke Regenfälle und das Land wird von der Meerseite wie von der Flussseite "angegriffen." Große Teile der Küste in Westafrika wird der Erosion zum Opfer fallen. Das gab es schon immer, siehe alte Zeichnungen. Nur das momentane Ausmaß ist beängstigend. Wenn das nicht klimabedingt ist ..... Ach ja, auch in meinem Dorf fällt der Friedhof dem Meer zum Opfer. Auch Tote können nochmal sterben: Durch Ertrinken. Es ist schon makaber.
Vanagas 11.09.2019
3. Man könnte auch Deiche bauen
Genau das machen Niederländer und Deutsche seit 1.000 Jahren. Betreibt man keinen Küstenschutz darf man sich auch nicht beschweren!!!
felisconcolor 12.09.2019
4. Wenn man
bei Sylt nicht ständig Sand aufspülen würde gäbe es die Insel schon lange nicht mehr. Durch umfangreiche bauliche Maßnahmen wie Strandbefestigung durch Tetrapoden und ähnlichem konnte man den Landverlust eindämmen. Solche Landverluste und Gewinne (soll vorkommen) geschehen schon seit es Meere und Küsten gibt. Aber schön das wieder mal die Klimakatastrophe mit einfliessen durfte. Das Doggerland ist auch versunken, weil... ja tatsächlich eine Klimaerwärmung die letzten eiszeitlichen Gletscher schmelzen lies. Der Ärmelkanal existiert, weil... Klimaerwärmung. Was machen wir eigentlich wenn wir mal wieder eine Eiszeit bekämen? Kühlschränke und Tiefkühltruhen verbieten? So sehr man die industrielle Klimaerwärmung (neben sicherlich auch anderen Faktoren) fürchtet und mit Mitteln bekämpfen will die mit die Tränen in die Augen treiben (vor Lachen) sollte man vielleicht doch eher was gegen die Folgen tun. Die wir uns alle doch eingestehen müssen unausweichlich sind. Aber nur zuschauen und CO2 Steuer hier Plastiktrinkhalme dort und mimimi klagen wird uns keinen müden Milimeter voran bringen.
Papazaca 12.09.2019
5. Gut gemeinter Ratschlag eines Optimisten
Zitat von VanagasGenau das machen Niederländer und Deutsche seit 1.000 Jahren. Betreibt man keinen Küstenschutz darf man sich auch nicht beschweren!!!
Nach unseren Vorstellungen haben Sie recht. Aber Westafrika ist nicht Deutschland oder die Niederlande. Die Menschen verdienen, wenn überhaupt, 2 € am Tag. Und der Staat hat zu geringe Einnahmen. In Ländern mit Subsistenzwirtschaft gibt es vielleicht 100.000 Dörfer, die Geld kosten (Lehrer, Hebammen, Straßen, Verwaltung, Polizei etc.),aber keines kann Steuern zahlen, weil jeder der Einwohner dieser Dörfer nur ein kleines Stück Land bewirtschaftet. Steuereinnahmen werden nur in den größeren Städten generiert. Also: Guter Vorschlag, aber für Afrika im Moment unrealistisch.
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