Tödliche Krankheit bei Meisen Die Piepmatz-Pandemie

Frühling, Sonne, frische Luft: Das Meisenleben könnte in diesen Tagen nicht schöner sein, würde man meinen. Doch die kleinen Vögel werden von einer Seuche heimgesucht - Tausende sind bereits gestorben.
Besonders bedrohte Blaumeisen: "Social Distancing hilft auch bei Vogelseuchen, Ansteckungen zu reduzieren"

Besonders bedrohte Blaumeisen: "Social Distancing hilft auch bei Vogelseuchen, Ansteckungen zu reduzieren"

Foto: R. Mueller/ McPHOTO/ blickwinkel/ imago images

Der Frühling zeigt sich derzeit von seiner schönsten Seite: Die Sonne scheint und es piept, trällert und zirpt in Gärten und Wäldern. Während sich die Menschen im Homeoffice verstecken und das Auto stehen lassen, könnte die Naturidylle perfekt sein.

Doch der Schein trügt. Denn wie die Menschen ist auch eine Gruppe kleiner Tiere von einer tödlichen Infektionskrankheit gewaltigen Ausmaßes bedroht: Allein innerhalb der vergangenen zwölf Tage musste der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) rund 26.000 tote Meisen zählen, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Auch aus Luxemburg und Belgien wurden zahlreiche Fälle gemeldet. Besonders betroffen sind laut Nabu  Blaumeisen.

Blaumeisen mit Körperkontakt: Gefährlicher Erreger seit 2018 in Deutschland bekannt

Blaumeisen mit Körperkontakt: Gefährlicher Erreger seit 2018 in Deutschland bekannt

Foto: R. Wilken/ blickwinkel/ imago images

Lange rätselten Naturschützer und Behörden, woran das Massensterben liegen könnte. Jetzt steht fest: Während die Menschheit gegen das Virus Sars-CoV-2 kämpft, heißt der Übeltäter für die Meisen Suttonella ornithocola. Dabei handelt es sich um ein Bakterium, das erstmals im Frühjahr 1996 in England und Wales für ein massenhaftes Vogelsterben verantwortlich gemacht wurde. 2018 fand man den Erreger auch in Deutschland.

Meisen sterben an Lungenentzündung

Viele der in den vergangenen Wochen gestorbenen Meisen wurden dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) zugeschickt. "Einige Einsender berichteten, dass vor dem Versterben betroffene Tiere taumelten, orientierungslos waren, sich aufplusterten und/oder handzahm wurden", so die Behörde. Bei anschließenden Obduktionen im Veterinärinstitut in Hannover wurde schnell klar, dass Suttonella ornithocola in die inneren Organe der Meisen vorgedrungen war. Letztlich starben die Vögel an Lungenentzündungen.

Futterstelle für Meisen: Gefährlicher Treffpunkt für die Tiere

Futterstelle für Meisen: Gefährlicher Treffpunkt für die Tiere

Foto: Felix Kästle/ picture alliance / dpa

Nach Angaben des Laves konnte das Bakterium bei Tieren aus den niedersächsischen Landkreisen Ammerland und Diepholz mit Sicherheit nachgewiesen werden. Der Nabu berichtet zudem, die Behörden hätten den Erreger auch bei Meisen aus dem Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen gefunden.

Keine Gefahr für Menschen

Wie es zu den Infektionen kommt, ist bislang unklar. "Da der Erreger eine Lungenentzündung verursacht, ist eine Übertragung via Aerosol oder durch Kontakt mit infizierten Sekreten denkbar", erklärt das Laves in einer Stellungnahme . Allerdings wisse man noch nichts darüber, wie lange das Bakterium in der Umwelt überleben könne. Mit großer Sicherheit gehe man davon aus, dass keine Gefahr für Menschen oder andere Tiere außer Meisen bestehe.

Der Nabu rät dringend dazu, in den betroffenen Gebieten Futter- und Badestellen für Vögel zu beseitigen, damit sich die Meisen nicht gegenseitig anstecken können. "Social Distancing hilft auch bei Vogelseuchen, Ansteckungen zu reduzieren", sagte der Geschäftsführer der Naturschutzorganisation, Leif Miller.

Wer tote oder kranke Meisen findet, kann diese auf der Homepage des Nabu  melden. Die Kadaver sollten nur mit Einmalhandschuhen berührt werden. Luftdicht verpackt können sie nach vorheriger Rücksprache an das zuständige Kreisveterinäramt geschickt werden.

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