Mekong-Region Tausend neue Arten entdeckt

Riesenkrabbenspinne, Felsenratte, Drachentausendfüßler: In der Mekong-Region haben Wissenschaftler fette Beute gemacht und über tausend neue Arten entdeckt. Vielleicht zum letzten Mal, denn die Dschungelgebiete sollen Kraftwerken und Plantagen weichen.


4500 Kilometer Länge machen den Mekong zum zehntgrößten Fluss der Welt. In seiner Region haben Forscher in den vergangenen zehn Jahren mehr als tausend Tier- und Pflanzenarten gefunden. Es sei ein "unglaubliches Maß" an Neuentdeckungen, teilte die Umweltorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) am Montag in Frankfurt mit: 519 Pflanzen, 88 Spinnen, 279 Fische, 88 Frösche, 22 Schlangen, vier Vögel und 15 Säugetiere.

Unter anderem fanden Forscher die Laotische Felsenratte - sie galt als seit elf Millionen Jahren ausgestorben. Weitere Funde waren eine bislang unbekannte Hirschart, das Annamitische Streifenkaninchen, die weltgrößte Riesenkrabbenspinne und der Zyanid produzierende Drachentausendfüßler.

Der Drachentausendfüßler zeigte sich pinkfarben auf Kalkfelsen. Die schrille Farbe soll andere Tiere vor seinem Gift warnen. Die rekordverdächtige Riesenkrabbenspinne mit einer Spannweite von rund 30 Zentimetern entdeckte Peter Jäger vom Frankfurter Senckenberg-Institut 2003 in Kalksteinhöhlen in Laos. Die Laotische Felsenratte fanden Wissenschaftler zunächst auf einem Lebensmittelmarkt. Später gelang es ihnen, das Tier auch in der freien Wildbahn aufzuspüren.

Die Mekong-Region erstreckt sich über die Länder Thailand, Birma, Vietnam, Laos, Kambodscha und China. Der WWF kritisiert einen wachsenden Raubbau an der Natur und fordert mehr Schutz für eine 600.000 Quadratkilometer große Region in dem Sechs-Länder-Eck.

"Wir laufen Gefahr, dass zahlreiche Arten verschwinden, bevor sie überhaupt beschrieben werden", sagte der WWF-Referent für die Region, Petr Obrdlik. So sollten am Mekong 150 große Wasserkraftwerke entstehen. Nicht nur Ökologen, sondern auch Ökonomen gelte die Region als eines der letzten faszinierenden Gebiete. Seit 1990 wurden dem WWF zufolge in Südostasien jährlich 2,7 Millionen Hektar Dschungel für Plantagen gerodet, um dort zum Beispiel Kautschuk und Kaffee anzubauen.

lub/ddp



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