Messergebnisse Aschewolke war ungefährlich für Flugzeuge

Hinterher ist man schlauer: Das Flugverbot über Deutschland am Mittwoch wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn war anscheinend unnötig - das haben Messungen ergeben. Die Daten offenbaren Mängel am Prognosesystem.

Satellitenaufnahme vom 23. Mai: Vom Grímsvötn breitet sich eine Aschewolke aus
DPA / EUMETSAT

Satellitenaufnahme vom 23. Mai: Vom Grímsvötn breitet sich eine Aschewolke aus


Rund 900 Flüge fielen am 25. Mai wegen der Asche aus, die der isländische Vulkan Grímsvötn in die Atmosphäre geblasen hat. Doch nun haben Forscher ermittelt: Die Konzentration der Asche in der Vulkanwolke aus Island lag deutlich unter dem Grenzwert, ab dem der Luftverkehr eingeschränkt werden sollte. Nach grober Schätzung habe sie bei etwa einem Zehntel des Grenzwerts von zwei Milligramm pro Kubikmeter gelegen, teilte der Physiker Cornelius Schiller vom Forschungszentrum Jülich mit.

Nach einem Vulkanausbruch in Island waren am Mittwoch wegen der nach Europa driftenden Aschewolke mehrere Flughäfen geschlossen worden. Die Flugverbote gründeten auf Wetterdaten über den Wind und auf Informationen über die Aschemenge, die der Vulkan Grímsvötn angeblich gespuckt hatte. Messungen über die tatsächliche Aschekonzentration lagen zunächst aber nicht vor. Doch bereits während des Flugverbots hatten erste Messungen ergeben, dass die Aschewolke wohl keine Gefahr für Flugzeuge darstellte. Allerdings dauerte es, bis die Vulkanwolke umfassend vermessen werden konnte; auch aus den Nachbarländern lagen Deutschland keine Werte über die tatsächlich zu erwartenden Aschemengen vor.

Die Angaben der Jülicher Wissenschaftler gründen nun auf Messdaten, die sie mit dem Lasersystem Lidar in Norddeutschland aufgezeichnet hatten. Sie gingen von einer Teilchengröße der Asche wie beim Ausbruch im vergangenen Jahr aus. Die genaue Bestimmung der Aschekonzentration mit Flugzeugen war nicht geglückt. "Wir können mit Sicherheit sagen, dass die Konzentration deutlich unter dem Grenzwert lag", sagte Schiller - auch, wenn die Angaben das Ergebnis einer "groben Abschätzung" gewesen seien.

Steht der nächste Ausbruch bevor?

Vorhersagen seien von einer deutlich höheren Konzentration ausgegangen. "Im Prinzip hat die Luftsicherung richtig gehandelt, aber im Nachhinein wäre das Flugverbot nicht nötig gewesen. So sollte man die ganze Sache bewerten", sagte der Wissenschaftler. Vermutlich habe es bei der Modellrechnung einen Fehler gegeben, und der angenommene Wert für die Aschemenge, die aus dem Vulkan gekommen sei, sei falsch gewesen.

Der Vulkan Grímsvötn hat sich fünf Tage nach Beginn seines Ausbruchs weitgehend beruhigt. Nach Angaben des Meteorologischen Instituts in Reykjavik stiegen am Donnerstag keine Asche und kaum noch Dampf in die Luft.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warb beim Weltverkehrsforum der Industrieländervereinigung OECD in Leipzig für weltweit einheitliche Luftfahrtregelungen. Sie seien auch für den Umgang mit Aschewolken nötig.

Bei mehr als 30 aktiven Vulkansystemen auf der Nordatlantikinsel Island sind Ausbrüche recht häufig. So gilt der Vulkan Hekla wegen des starken Drucks in der unterirdischen Magmakammer als Kandidat für einen Ausbruch. Man könne aber nie vorhersagen, ob der Ausbruch "morgen, in ein paar Monaten oder etlichen Jahren kommt", hieß es aus dem Meteorologischen Institut in Island.

wbr/boj/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 27.05.2011
1. Lieber sicher sein
Zitat von sysopHinterher ist man schlauer: Das Flugverbot über Deutschland am Mittwoch wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn*war*anscheinend unnötig -*das haben Messungen der ergeben. Die Daten offenbaren Mängel am Prognosesystem http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,765206,00.html
Hallo, ich der Meinung das es besser ist die Flieger unten zu lassen als ein Risiko eingehen. Wenn mal ein Flieger abstuerzt wird genau andersherrum Berichtet.
inci 27.05.2011
2. oooo
Zitat von Nonvaio01Hallo, ich der Meinung das es besser ist die Flieger unten zu lassen als ein Risiko eingehen. Wenn mal ein Flieger abstuerzt wird genau andersherrum Berichtet.
soweit muß es ja gar nicht kommen. es würde schon reichen, das testflugzeug erst messen und dann warnungen aussprechen zu lassen.
Joe67, 27.05.2011
3. verkehrte Welt
Zitat von incisoweit muß es ja gar nicht kommen. es würde schon reichen, das testflugzeug erst messen und dann warnungen aussprechen zu lassen.
Warum überhaupt testen? Wir sprechen einfach erst dann Warnungen aus, wenn der erste Flieger abgestürzt ist. Dann sind wir sicher, dass wirklich eine Gefahr bestand und nicht unnötig gewarnt wurde.
Denken!, 27.05.2011
4. Asche-Wolke?
Zitat von sysopHinterher ist man schlauer: Das Flugverbot über Deutschland am Mittwoch wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn*war*anscheinend unnötig -*das haben Messungen der ergeben. Die Daten offenbaren Mängel am Prognosesystem http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,765206,00.html
Es wäre sicher hilfreich, wenn ein Vulkanausbruch etwas genauer beschrieben wird. Vulkane stoßen Magma, Gase und Aschen aus. Es bilden sich Aschenwolken, die je nach Eigentemperatur bis zur Tropopause aufsteigen und zunächst schlecht sortiert sind. Da die Aschenpartikel unterschiedliche Gewichte haben, sinken sie mehr oder oder weniger schnell ab (sortieren sich). Breitengrad- und wetterabhängig verdriften Luftströmungen die Aschenwolken. Entscheidend für den Flugbetrieb sind die Aschenarten und -sortierung sowie die Dichten in den Höhen, in denen die Aschenwolken und Flugzeuge fliegen. Die 'englischen Messwerte' für Asche in g/m² müssen wohl auf die Luftsäule über der Messfläche am Boden umgerechnet werden. Nur, in welchen Höhen bewegen sich die Aschenwolken? Wie errechne ich deren Dichte in mg/m³ in den unterschiedlichen Höhen, wenn nur ein statischer Grundwert von zum Beispiel 2 g/m² Vulkanaschen auf einer Messfläche am Boden (~ 0,4 mg/m³ in 5.000 m Höhe) fielen? Das wär Unsinn. Wie kann es sein, dass plötzlich Messungen vorliegen, die wenige Tage alte 'Prognosen' als unbrauchbar entlarven? Es gab natürlich Menschen, die vorher schlauer waren. Der Satellit EUMETAT zeigte die Aschenwolken des Grímsvötn in leuchtendem Rot, ihren Flug über Nordeuropa und ihr Verschwinden. - Ich denke mal, dass der zuständige Bundesverkehrsminister, Herr Doktor Peter Ramsauer das alles nicht verstehen kann und ihn das auch nicht interessiert. Er und die Medien sind sich einig in dem was zählt: Action!
toledo, 27.05.2011
5. ....
Zitat von Nonvaio01Hallo, ich der Meinung das es besser ist die Flieger unten zu lassen als ein Risiko eingehen. Wenn mal ein Flieger abstuerzt wird genau andersherrum Berichtet.
Das ist genau die Denke, mit der Rechte und Freiheiten beschnitten werden, mit der der Bürger zu Tode geschützt wird! Nicht mal im Nachgang wird eingestanden, dass die Flugverbote in vorauseilendem Gehorsam ohne genaue Kenntnis von Daten und Fakten erlassen wurden. Diese Untertanendenke ist ätzend!
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