Treibhausgas Antibiotika erhöhen Methanmenge im Rinderdung

Rülpsende Rinder setzen Methan frei - das ist bekannt. Doch auch im Dung der Tiere entsteht das Treibhausgas. Eine Studie zeigt nun: Werden die Tiere mit Antibiotika behandelt, steigt wohl auch die Methanmenge.
Kuh in Ostfriesland

Kuh in Ostfriesland

Foto: Joerg Sarbach/ AP

Rinder produzieren täglich Hunderte Liter Methangas je Tier und tragen damit zur Klimaerwärmung bei. Das Gas entsteht beim Zelluloseabbau durch bestimmte Mikroben im Pansen der Wiederkäuer. Im Dung läuft dieser Prozess noch einige Zeit weiter - soviel ist bekannt.

Doch werden die Rinder mit Antibiotika behandelt, erhöht sich wahrscheinlich diese im Dung entstandene Methanmenge. Zu diesem überraschenden Ergebnis sind Forscher der University of Colorado in Boulder (USA) nach einer ersten kleinen Testreihe gelangt. Möglicherweise profitierten die methanbildenden Mikroben im Darm der Tiere davon, dass die Bakterien dort durch die Antibiotika gehemmt werden, schreibt das Team im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences".

Der größte Teil des von Rindern freigesetzten Methans wird allerdings beim Rülpsen abgegeben, betonen die Forscher. Die Wirkung von Antibiotika auf diesen Prozess haben sie nicht untersucht.

Käfer stoppen Methanproduktion im Dung

Tobin Hammer und seine Kollegen hatten die Wirkung von Antibiotika an zehn Rindern analysiert. Fünf von ihnen erhielten Tetracycline, diese Breitband-Antibiotika werden in der Landwirtschaft häufig eingesetzt. In einige der anschließend von den Tieren fallengelassenen Fladen wurden Dungkäfer gesetzt.

Wenn die Käfer Tunnel durch die auf den Wiesen liegenden Fladen graben, gelangt Sauerstoff hinein. In der Folge sinkt die Menge freigesetzten Methans, weil die Methanbildner durch Kontakt mit Sauerstoff absterben.

Dann untersuchten die Forscher die Mikrobenzusammensetzung im Dung sowie im Verdauungstrakt der Käfer und erfassten die Menge freigesetzten Methans, Kohlendioxids und Distickstoffmonoxids (Lachgas).

CO2-Werte unverändert

Sowohl im Dung als auch bei den Käfern war die Mikrobenzusammensetzung nach Antibiotikagabe eine andere. Größe, Vermehrungsrate und Zahl der Käfer blieben aber gleich. Trotz der somit wohl gleichbleibenden Durchlüftung über die Käfergänge wurde in den Fladen behandelter Kühe fast die doppelte Menge Methan freigesetzt.

Tetracycline wirkten auf Methan-bildende Mikroorganismen im Dung, erläutern die Forscher. Die genauen Ursachen des Effekts müssten aber noch untersucht werden. Keine Unterschiede gab es beim Kohlendioxid, der Lachgasausstoß war jeweils in den von Dungkäfern besiedelten Fladen höher und verminderte sich dort bei Antibiotikagabe leicht.

Der Agrarwissenschaftler Michael Kreuzer von der Universität in Zürich beziffert den Anteil des Methans, das über den Dung der Rinder frei wird, auf zehn bis zwanzig Prozent. Antibiotika veränderten die Mikroben im Pansen, dem großen Vormagen, und im Dung, sagte Kreuzer, der nicht an der Studie beteiligt war. Das könne alles Mögliche zur Folge haben. Nach einer Vorstudie mit zehn Tieren müssten aber auf jeden Fall noch intensivere Forschungen folgen, um das Ergebnis der Wissenschaftler zu bestätigen.

hda/dpa

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