Starkes Treibhausgas Methanausstoß erreicht neuen Höchststand

Die Förderung fossiler Brennstoffe, Mülldeponien und die Viehzucht - sie alle sind dafür verantwortlich, dass immer mehr Methan in die Atmosphäre gelangt. Das Gas heizt die Erde noch deutlich stärker auf als CO2.
Ölförderung im Permbecken bei Midland (US-Bundesstaat Texas)

Ölförderung im Permbecken bei Midland (US-Bundesstaat Texas)

Foto: LARRY W SMITH/EPA-EFE/Shutterstock

Über die vergangenen 100 Jahren hat das Permbecken einige Menschen sehr reich gemacht. In der geologischen Formation tief im Untergrund der US-Bundesstaaten Texas und New Mexico sind nach Schätzungen  immer noch rund fünf Milliarden förderbare Barrel Öl und 540 Billionen Kubikmeter Gas verborgen. In den vergangenen Jahren haben die Firmen auf einer Fläche mehr als halb so groß wie Deutschland vor allem mit sogenannten unkonventionellen Fördermethoden wie Fracking ihre Produktion gesteigert. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in den Untergrund gepumpt, um das Gestein aufzusprengen.

Öl und Gas setzen nicht nur bei der Verbrennung Kohlendioxid frei, wodurch sich die Atmosphäre immer mehr aufheizt. Auch schon die Förderung ist problematisch für das Klima, weil dabei  Methan entsteht. Unter anderem mit Daten des europäischen Satelliten "Sentinel-5P", der unter anderem auch Stickoxide, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Aerosole messen kann, lässt sich das Phänomen auch aus dem All nachweisen.

Erst kürzlich berichtete  ein internationales Team darüber, dass trotz der Corona-Pandemie und einem weltweiten Erlahmen der Wirtschaft in diesem Jahr die Methanemissionen aus dem Permbecken sogar noch gestiegen sind. "Eine Erklärung für diesen Anstieg könnte sein, dass das Gas, aufgrund der geringeren Nachfrage in Zeiten von Covid-19, verbrannt und entlüftet wird - was zu höheren Methan-Emissionen über diesem Gebiet führt", so Esa-Missionsmanager Claus Zehner.

Eine neue, globale Analyse – sie basiert allerdings auf den Daten des Jahres 2017 - zeigt nun: Der jährliche Ausstoß von Methan hat auch jenseits des Permbeckens einen neuen Höchststand erreicht. Pro Jahr gelangen demnach rund 600 Millionen Tonnen des Gases in die Erdatmosphäre, mehr als die Hälfte davon durch Aktivitäten des Menschen.

Gegenüber dem jährlichen Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2006 habe sich der jährliche Ausstoß um neun Prozent erhöht, berichtet eine Gruppe von Forschenden des Global Carbon Project um Rob Jackson von der Stanford University (US-Bundesstaat Kalifornien) in den Fachzeitschriften "Earth System Science Data"  und "Environmental Research Letters" .

"Methan ist jetzt für 23 Prozent der globalen Erwärmung aufgrund von Treibhausgasen verantwortlich."

Pep Canadell, CSIRO Oceans and Atmosphere

Über einen Zeitraum von 100 Jahren hat Methan eine 28 Mal stärkere Treibhauswirkung als Kohlendioxid (CO2), über 20 Jahre berechnet ist die Wirkung sogar 86 Mal stärker. Das ist auch die Erklärung dafür, warum es selbst bei einer geringen Konzentration – rund 1870 Moleküle  kommen auf eine Milliarde Luftteilchen – so kräftig ist. "Methan ist jetzt für 23 Prozent der globalen Erwärmung aufgrund von Treibhausgasen verantwortlich", so Co-Autor Pep Canadell vom Forschungsinstitut CSIRO Oceans and Atmosphere im australischen Canberra.

Kühe auf einer Farm in Kalifornien (im Mai 2015): "Die Leute scherzen über das Aufstoßen von Kühen, ohne zu wissen, wie groß die Quelle wirklich ist"

Kühe auf einer Farm in Kalifornien (im Mai 2015): "Die Leute scherzen über das Aufstoßen von Kühen, ohne zu wissen, wie groß die Quelle wirklich ist"

Foto: LUCY NICHOLSON/ REUTERS

Das Team berichtet, dass die Methanemissionen aus natürlichen Quellen wie Feuchtgebieten und Vulkanen im untersuchten Zeitraum nahezu gleich geblieben seien. Allerdings hatte eine andere Gruppe zuvor Hinweise darauf gefunden , dass auch die natürlichen Methanemissionen im Zuge des Klimawandels steigen könnten, weil sich die Gemeinschaften von Mikroorganismen ändern, die den Ausstoß des Gases regulieren.

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Vorerst kein Anstieg in der Arktis registriert

Hauptursache für gestiegene Methanemissionen sind menschliche Aktivitäten. Die Studienautoren nennen hier vor allem die Förderung von fossilen Brennstoffen, Deponien und die Landwirtschaft, besonders die Viehzucht, als Quellen. "Die Leute scherzen über das Aufstoßen von Kühen, ohne zu wissen, wie groß die Quelle wirklich ist", so Jackson. Die Emissionen von Rindern und anderen Wiederkäuern seien bei Methan fast so hoch wie die der fossilen Brennstoffindustrie.

Lösungsmöglichkeiten, so die Forscher, gebe es unter anderem in Form von Futterzusätzen aus Algen, durch die Rinder weniger Methan produzieren. Auch beim Reisanbau ließen sich die Emissionen durch bessere Bewässerungstechniken senken.

Drei Weltregionen verzeichneten einen besonders starken Anstieg beim Methanausstoß:

  • Afrika /Naher Osten,

  • China/Südasien sowie

  • Ozeanien (dazu gehört auch Australien).

Mit jährlich 4,5 Millionen Tonnen mehr pro Jahr haben auch die USA ihren Anteil an der Emissionssteigerung, vor allem durch die Förderung und Verteilung von Erdgas. Zur Einordnung: In Deutschland liegen die jährlichen Gesamtemissionen an Methan bei etwa 2,1 Millionen Tonnen . Europa ist die einzige Weltregion, deren Methanausstoß 2017 gegenüber dem Vergleichszeitraum von 2000 bis 2006 leicht gesunken  ist. Verantwortlich dafür seien unter anderem strengere Regeln bei Mülldeponien und im Umgang mit Gülle. Die Europäer würden mittlerweile auch weniger Rindfleisch und mehr Geflügel und Fisch essen, so die Wissenschaftler.

Reisanbau in der chinesischen Provinz Jiangxi (im Juli 2008): In Südasien sind die Methanemissionen zuletzt angestiegen

Reisanbau in der chinesischen Provinz Jiangxi (im Juli 2008): In Südasien sind die Methanemissionen zuletzt angestiegen

Foto: STRINGER SHANGHAI/ REUTERS

Einen Anstieg der Methanemissionen durch das Auftauen von Permafrostböden in kälteren Regionen der Erde konnten die Forscher zumindest bis 2017 nicht beobachten. Dort sind große Mengen des Gases gespeichert, die im Zuge der Erderhitzung freiwerden und eine Art Teufelskreis in Gang setzen könnten.

Weil Methan in der Atmosphäre sehr viel schneller abgebaut wird als CO2, könnte eine Verringerung des menschengemachten Methanausstoßes aber auch vergleichsweise schnell Wirkung zeigen. Umgekehrt gilt aber auch: Ohne Maßnahmen, um den Methanausstoß in den Griff zu bekommen, könnte dieser bis zum Jahr 2050 noch einmal um 30 Prozent steigen .

chs/dpa