Verursacher Landwirtschaft und Feuchtgebiete Methanemissionen wachsen im Rekordtempo

Alle schauen auf CO₂ – aber auch das besonders klimaschädliche Gas Methan baut sich in der Atmosphäre auf. Laut US-Daten stieg die Konzentration 2021 auf den höchsten je gemessenen Wert.
Methanleck: Gas wird bei der Ölförderung im US-Ölfeld Bakken abgefackelt

Methanleck: Gas wird bei der Ölförderung im US-Ölfeld Bakken abgefackelt

Foto: Orjan F. Ellingvag / Corbis / Getty Images

Zum zweiten Mal in Folge hat die globale Konzentration des sehr wirksamen Treibhausgases Methan ein Rekordniveau erreicht. Laut Daten, die von der US-Behörde NOAA am Donnerstag veröffentlicht wurden, erreichte das Gas im Jahr 2021 einen neuen Höchstwert, seit die Messungen vor beinahe 40 Jahren begannen.

Die Forschenden der National Oceanic and Atmospheric Administration beobachteten im Jahresverlauf ein Rekordwachstum der Konzentration von Methan in der Atmosphäre um 17 parts per billion (ppb) auf 1895,7 ppb. Methan ist das zweithäufigste Treibhausgas nach Kohlendioxid (CO₂). Die Produktion und der Verbrauch fossiler Treibstoffe wie Öl und Gas wird für fast ein Drittel der Methanemissionen verantwortlich gemacht. Der weniger leicht zu kontrollierende, größere Teil stammt aus der Landwirtschaft wie etwa der Verdauung von Vieh oder aus Fäulnis in den Feuchtgebieten der Erde.

Klimakrise

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Gefährliche Fehleinschätzung

Die vorläufigen Daten unterstreichen, wie stark die Regierungen Methan als Treiber der Klimakrise unterschätzt haben. Erst auf dem Glasgower Klimagipfel im vergangenen November hatten sich mehr als 100 Staaten geeinigt, den Ausstoß des Gases bis zum Ende des Jahrzehnts um 30 Prozent zu senken.

»Methanemissionen zu senken ist ein wichtiger Hebel, den wir jetzt sofort einsetzen können, um die kurzfristigen Folgen des Klimawandels zu mindern und den Grad der globalen Erwärmung zu reduzieren«, teilte NOAA-Leiter Rick Spinrad mit.

Der Bericht zeigte, dass auch die Konzentration an CO₂ rasch zunahm. Die durchschnittliche Konzentration auf der Erdoberfläche für 2021 wurde mit 414,7 parts per million (ppm) angegeben, 2,66 ppm mehr als im Vorjahr.

Sowohl Methan als auch CO₂ erwärmen die Atmosphäre, allerdings in unterschiedlichem Maße. Ein einzelnes CO₂-Molekül trägt deutlich weniger zur Erderwärmung bei als ein Methanmolekül – hält sich aber Hunderte von Jahren in der Atmosphäre, während Methan innerhalb von zwei Jahrzehnten verschwindet. Wissenschaftlern zufolge lassen sich die industriellen Quellen von Methan recht einfach ausfindig machen und mit bestehender Technik eindämmen.

ak/Reuters