Mikroplastik Kleidung und Reifen verschmutzen die Meere

Jährlich landen Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen. Ein Teil davon sind winzige Plastikpartikel. Forscher haben nun herausgefunden: Sie stammen zu einem großen Teil von Autoreifen und Bekleidung.
Kinder spielen an einem Strand in Indien in angespültem Plastikmüll

Kinder spielen an einem Strand in Indien in angespültem Plastikmüll

Foto: Divyakant Solanki/ dpa

Plastikmüll aller Art ist in den Meeren schon lange ein Problem. Auch, dass dieses Problem größer wird, ist bekannt. Zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Kunststoffmüll landet pro Jahr in den Meeren, rechneten Forscher 2015 in einer Studie vor . Der Grund für die Verschmutzung sei die unsachgemäße Entsorgung des Abfalls.

Eine neue Untersuchung der Weltnaturschutzunion (IUCN)  hat sich nun die Quellen dieses Mülls vorgenommen. Demnach verschmutzen zu einem großen Teil Plastikpartikel aus synthetischer Kleidung und Autoreifen die Ozeane - und zwar in einem bislang nicht bekanntem Ausmaß.

Diese winzigen Teilchen, auch Mikroplastik genannt, sind unter fünf Millimeter groß und reiben sich beim Waschen oder Autofahren permanent ab. Irgendwann landen sie über Abwasser, Wind oder Regenwasser im Meer, wie die IUCN berichtet. Von der Menge an Plastikmüll, die jährlich ins Meer wandert, bestehen demnach zwischen 15 und 31 Prozent aus winzigen Plastikpartikeln.

"Tägliche Aktivitäten wie Kleidung waschen und Autofahren tragen erheblich zu der Verschmutzung bei, die unsere Ozeane erstickt", sagte IUCN-Generaldirektorin Inger Andersen. "Das könnte katastrophale Folgen für die große Artenvielfalt der Meere haben und für die Gesundheit der Menschen."

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Projekt gegen Plastikmüll: Schwimmender Müllsammler

Foto: TheOceanCleanup.com/ SPIEGEL ONLINE

Die winzigen Plastikpartikel stammten auch aus Fahrbahnmarkierungen, Kosmetika und Kunststoffverpackungen. Zwei Drittel der Partikel dürften aber aus Kleidung (35 Prozent) und Reifenabrieb (28 Prozent) kommen.

Plastikmüll in der Tiefsee

Die Auswirkung der winzigen Plastikteile auf sensible Ökosysteme wie die Arktis seien noch unerforscht, so die Weltnaturschutzunion. Doch auch dort ist der Müll schon angekommen und könnte Einfluss auf Eisbildung und -schmelzen haben.

Forscher der Universität Gent in Belgien wiesen solche Mikro-Plastikstückchen in Meerestiefen von bis zu 5000 Metern  nach. Sie fanden Plastikpartikel aber auch in Muscheln in der Nordsee. "Wer eine Mahlzeit mit 300 Gramm Muscheln einnimmt, schluckt auch 300 Plastikpartikel", berichtete Professor Colin Janssen.

Die IUCN appelliert an Firmen, Kleidung und Reifen so zu konstruieren, dass sie weniger Plastikpartikel verlieren. Verbraucher können natürliche statt synthetische Stoffe kaufen. Verschiedene Länder wollen Mikroplastik in Kosmetikartikeln verbieten. In Deutschland sollen die Hersteller bis 2020 freiwillig auf den Einsatz der Partikel verzichten. Plastikteile aus Kosmetika machen nach Angaben der IUCN aber nur zwei Prozent des Problems aus.

Eine Möglichkeit, den im Meer treibenden Müll aufzuhalten, könnten Schwimmbarrieren sein. Solche Anlagen wurden bereits vor den Azoren, vor den Niederlanden und vor Japan getestet.

joe/dpa
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