Messungen von Forschern Im Atlantik schwimmen mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll

Mikroplastik belastet die Weltmeere immer stärker. Wie dramatisch es um den Atlantik steht, wollen nun erstmals britische Wissenschaftler herausgefunden haben.
Vor allem die Tiere leiden unter dem Mikroplastik im Atlantik

Vor allem die Tiere leiden unter dem Mikroplastik im Atlantik

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Aryfahmed / iStockphoto / Getty Images

Im Atlantik befinden sich einer neuen Studie zufolge Millionen Tonnen Mikroplastik. Allein in den oberen Wasserschichten der ersten 200 Meter seien es näherungsweise 12 bis 21 Millionen Tonnen des Materials. Zu dem Schluss kommen Messungen von Forschern des "National Oceanography Centre" (NOC) in Großbritannien, die in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht wurde .

Bisher habe es wegen fehlender Mikroplastikmessungen keine Möglichkeit für Wissenschaftler gegeben, die vermutete Menge von in den Ozean gelangtem Kunststoff mit der im Wasser abzugleichen, sagte Studienleiterin Katsiaryna Pabortsava. "Unsere Forschung ist die erste, die dies über den gesamten Atlantik von Großbritannien bis zu den Falklandinseln durchgeführt hat."

Die NOC-Foscher berechneten dabei die Häufigkeit von drei verschiedenen Plastiksorten, die zusammen mehr als die Hälfte des weltweiten Kunststoffabfalls ausmachten. Dafür nahmen sie an insgesamt zwölf Orten Proben aus drei unterschiedlichen Tiefen innerhalb der ersten 200 Meter unterhalb der Wasseroberfläche. Sie fanden bis zu 7000 Mikroplastikpartikel pro Kubikmeter Meerwasser mit einer Größe von mindestens 0,0032 Zentimeter.

Auch Meerestiere enthalten Mengen an Plastikmüll

Die Wissenschaftler wollen mit ihren Erkenntnissen die Grundlage für eine bessere Bewertung der ökologischen Schäden durch Mikroplastik legen. Bislang fehlten solide Schätzungen vor allem in abgelegenen Regionen wie zum Beispiel mitten auf dem Ozean. Der gesundheitliche Einfluss des allgegenwärtigen Mikroplastiks auf Lebewesen beschäftigt die Forschung. Solche winzigen Partikel wurden unter anderem bereits in Schnee, Lebensmitteln und Trinkwasser nachgewiesen.

Allein in den USA verursache jeder der rund 330 Millionen Einwohner jeden Tag rund 340 Gramm Plastikmüll, wie aus einer vor wenigen Monaten veröffentlichten Studie hervorgeht. Dieser landet teilweise in der Natur und zerfällt dort langsam in immer kleinere Bestandteile. Die Mikroplastikpartikel gelangen in Flüsse und Seen, das Meer, die Böden und auch die Atmosphäre. Ein Teil der Partikel sei über die Atmosphäre etwa bei Regen eingetragen worden - sie seien so klein, dass sie selbst über Kontinente hinweg transportiert würden.

12 bis 21 Millionen Tonnen des Abfalls in den oberen Wasserschichten der ersten 200 Meter

12 bis 21 Millionen Tonnen des Abfalls in den oberen Wasserschichten der ersten 200 Meter

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Auch in Tieren finden sich kleinere und größere Mengen Plastikmüll. Australische Forscher der University of Exeter und der University of Queensland haben unter anderem Austern, Garnelen, Tintenfische, Krabben und Sardinen auf ihren Plastikgehalt geprüft. Demnach enthielten die Sardinen die höchste Gesamtkonzentration an Kunststoff mit 2,9 Milligramm, der Tintenfisch die niedrigste mit 0,04 Milligramm. Alle Proben waren positiv, keine einzige plastikfrei. Dabei konnten die Wissenschaftler gleich fünf verschiedene Kunststofftypen gleichzeitig erkennen und messen.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Anreicherung von Kunststoff zwischen den Arten stark variiert", heißt es im Fazit der Studie, die im Fachmagazin "Environmental Science & Technology" erschienen ist.

bam/dpa

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