Milder Winter Toxischer Gobi-Staub bedroht Korea

Der milde Winter in der mongolischen Wüste hat Auswirkungen bis nach Korea: In diesem Jahr tragen Winde besonders viel giftigen Staub aus der Mongolei heran - eine Gefahr für Menschen und die sensiblen Produktionsanlagen der Elektronik-Branche.


Die Manager von Samsung und LG dürften den Sandsturm mit gemischten Gefühlen sehen: Einerseits erhöht der feine Staub, der schon seit Wochen aus der fernen Mongolei herangeweht wird, den Aufwand in der Produktion. Arbeiter müssen sich noch aufwendiger mit Luftduschen reinigen, bevor sie die hochreinen Produktionshallen betreten - sonst steigt die Ausschussquote in der Chipherstellung.

Andererseits verheißt der toxische Staub steigende Umsätze von Luftreinigungsgeräten. Sowohl LG als auch Samsung haben gerade erst neue Generationen der Geräte vorgestellt - mit verbesserter Filtertechnik.

Meteorologen glauben, dass die Sandstürme 2007 in Südkorea die schlimmsten sind, seit man über sie Aufzeichnungen führt. Der Staub stammt aus der Wüste Gobi in der Mongolei. Wegen des milden Winters gab es dort nur wenig Schnee, weshalb große Mengen des feinen Sandes aufgewirbelt und Richtung Korea und Japan transportiert wurden.

Auf dem Weg dorthin überfliegt der Sand Industriezentren im Norden Chinas - und nimmt dabei hochgiftiges Dioxin und Metalle wie Kupfer und Cadmium auf. Für die Bewohner Nord- und Südkoreas wird er somit zur Gesundheitsgefahr. "Ich versuche meine Kinder soweit es geht, in der Wohnung zu lassen", sagte ein Apotheker aus Soul der "Financial Times". Er verkauft fünf verschiedene Maskentypen an all jene, die sich ins Freie wagen wollen oder müssen.

Nach Schätzungen des Korea Environment Institute sterben pro Jahr rund 160 Südkoreaner infolge des Kontakts mit dem Staub, etwa zwei Millionen Menschen leiden unter Atemwegsproblemen oder haben Erkrankungen an den Augen. Im vergangenen Jahr mussten Tausende Schulen für zumindest einen Tag geschlossen werden. Das Samsung Economic Research Institute beziffert den wirtschaftlichen Schaden des Gobi-Sandes auf 5,5 Milliarden US-Dollar.

"Das Problem entsteht durch das Vordringen der Wüste", sagte Chu Jang-min vom Korea Environment Institute der "Financial Times". Um dagegen vorzugehen, müsse man die betroffene Region in der Mongolei in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen - in Grasland. China, Südkorea und Japan unterstützen die Mongolei bereits mit Geld, um die das Vordringen der Wüste rückgängig zu machen. Chu glaubt jedoch, dass eine schnelle Lösung nicht in Sicht ist. Es werde noch mindestens zehn Jahre dauern, bis es weniger Gobi-Staub in Korea gebe. Bis dahin werden die Apotheken weiterhin gute Geschäfte mit Atemschutzmasken machen.

hda



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