Infektionskrankheit Milzbrand-Rind aus der Elbe geborgen

Eine an Milzbrand verendete, in der Elbe treibende Kuh ist nahe dem niedersächsischen Schnackenburg gefunden worden. Die anderen Tiere der Herde sollen nicht getötet werden. Gefahr für den Menschen besteht laut Behörden nicht.

Bergung bei Schnackenburg: In Todespanik rannte die erkrankte Kuh in die Elbe
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Bergung bei Schnackenburg: In Todespanik rannte die erkrankte Kuh in die Elbe


Stendal / Magdeburg - In Todesangst setzte ein Fluchtreflex ein, die Kuh rannte los. Und in ihrer Panik landete das Tier in der Elbe: Eine an Milzbrand verendete, im Fluss treibende Kuh ist am Freitag nahe dem niedersächsischen Schnackenburg gefunden worden. Gerüchte, wonach zwei Rinder vermisst werden, wurden vom Landkreis Stendal dementiert.

Die Zahl verendeter Tiere sei mittlerweile um zwei auf neun gestiegen, berichtete das Agrarministerium in Magdeburg. Die Erkrankung war in einer Rinderherde im Landkreis Stendal ausgebrochen. Die Herkunft des Erregers war zunächst unklar.

Milzbrandinfektionen spielen in Deutschland - mit Ausnahme der aktuellen Fälle - nach RKI-Angaben praktisch keine Rolle mehr. "Menschen infizieren sich selten, höchstens, wenn sie direkt in Kontakt mit an Milzbrand erkrankten oder verendeten Tiere kommen oder deren Fleisch essen", sagt Roland Grunow, Milzbrand-Experte des Robert Koch-Instituts. Letzteres ist diesem Fall nicht passiert.

Erreger können Jahre überdauern

Die Sporen des Anthrax-Bakteriums finden sich klassischerweise auf sogenannten Wasenplätzen, auf denen in früheren Generationen an Milzbrand verendete Tiere begraben wurden", erklärt Veterinärmediziner Heinrich Neubauer vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Jena. Wenn Rinder oder Schafe dort weiden, können sie sich infizieren. "Es macht den Erregern auch nichts aus, wenn dort über die Jahre hinweg immer wieder Erde aufgeschüttet wird. Sie schlafen dann eben ziemlich tief im Erdreich."

Durch Grabungen oder Straßenbauarbeiten auf alten Wasenplätzen können die Erreger wieder an die Oberfläche gelangen. Nicht selten sorgen Erdabspülungen, etwa bei Hochwasser, für die Verbreitung der Sporen, sagt Nebauer, Leiter des Instituts für bakterielle Infektionen und Zoonosen.

Die aktuell betroffene Herde, die etwa 50 Tiere umfasst und im Landkreis Stendal steht, sei inzwischen auf eine andere Weide gebracht worden, um eine Ansteckung weiterer Tiere zu verhindern. Es werde nicht erwogen, die Rinder vorsorglich zu töten, sagt Detlef Thiel, Sprecher des Agrarministeriums in Magdeburg.

Aktuell wird geprüft, ob die betroffene Weidefläche der Rinderherde in der Vergangenheit ein Platz war, auf dem verendete Tiere begraben wurden. Eine Massenansteckung werde aber nicht befürchtet, sagt der Sprecher. Wenn die Tiere vom Herkunftsherd entfernt würden, seien neue Infektionen eher unwahrscheinlich.

Berufsrisiko für Landwirte

Milzbrand ist eine Infektionskrankheit, die durch ein Bakterium (Bacillus anthracis) verursacht wird und meist Paarhufer befällt. In der Herde von Mutterkühen hatte sich die Infektionskrankheit im aktuellen Fall aus bislang unbekannter Ursache verbreitet. Daraufhin waren der Tierbestand gesperrt und ein Handelsverbot für die Rinder ausgesprochen worden.

"Grundsätzlich können auch Menschen an Milzbrand erkranken - allerdings nur, wenn sie direkt mit den Sporen in Berührung kommen", sagt Zoonosen-Experte Neubauer. Ein gewisses Berufsrisiko haben etwa Landwirte oder Tierärzte, die viel Kontakt mit Rindern oder Schafen haben. Bei Gerbern, die Tierhäute verarbeiten zum Beispiel, war Milzbrand früher eine Berufskrankheit."

nik/dapdp/dpa/APD



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