Mögliche Krankheitsüberträger Asiatische Buschmücke in Niedersachsen gefunden

Tierische Einwanderung: An 25 Orten in Niedersachsen und Ostwestfalen haben Forscher die Asiatische Buschmücke nachgewiesen. Die Art ist eingewandert und kann auch Krankheitserreger wie das West-Nil-Virus übertragen.
Asiatische Buschmücke: "Wir hatten die Theorie, dass es eine Verbindung gibt"

Asiatische Buschmücke: "Wir hatten die Theorie, dass es eine Verbindung gibt"

Foto: ZALF

Die Plagegeister gelten nicht nur als besonders aggressiv, sie können zumindest im Labor auch verschiedene Krankheitserreger wie das West-Nil-Virus übertragen. Und ab sofort sind sie wohl auch in Niedersachsen zu Hause. Forscher haben an zahlreichen Stellen im Land die Asiatische Buschmücke nachgewiesen. Das hat freilich nichts mit dem Hochwasser der vergangenen Wochen zu tun, das in vielen Regionen für eine wahre Mückenplage sorgt. Die Tiere sind mindestens seit dem vergangenen Jahr dauerhaft eingewandert.

Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Müncheberg, und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems wurden in Wasserbrunnen von Friedhöfen zahlreicher Ortschaften Niedersachsens und Ostwestfalens fündig, und zwar in der Region zwischen Hannover, Hildesheim, Minden und Detmold.

Die Asiatische Buschmücke - wissenschaftlich: Aedes japonicus - kommt, wie der Name vermuten lässt, ursprünglich aus Japan, Korea und Südchina. Doch in den vergangenen Jahren war sie auch in Frankreich, Belgien und der Schweiz aufgetaucht, ins Land gebracht wurde sie wohl mit Handelsgütern. Im vergangenen Jahr hatten die Wissenschaftler dann zeigen können, dass sich die Art auch in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angesiedelt hat, in einem 2000 Quadratkilometer großen Gebiet im Raum Köln-Bonn-Koblenz. In Baden-Württemberg war sie schon zuvor nachgewiesen worden.

Die Experten wissen noch nicht, ob die neu entdeckten Mücken in Niedersachsen ein Ableger dieser Population sind - oder eigenständig eingewandert. "Wir hatten die Theorie, dass es eine Verbindung gibt, sind aber zunächst nicht fündig geworden", sagt Forscherin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum. Nun laufen genetische Verwandtschaftsanalysen.

Bloß nicht zerquetschen!

Die Forscher waren der Buschmücke durch eine Einsendung für den Mückenatlas auf die Spur gekommen. Dabei sammeln Freiwillige aus dem gesamten Bundesgebiet Insekten im Dienst der Forschung. Es geht darum herauszufinden, wo welche Art lebt. Die Mücken sollen dazu nach dem Wunsch der Forscher in einem Einmachglas gefangen und anschließend tiefgefroren werden, bevor sie mit der Post auf Reisen gehen - damit sie für die Artbestimmung noch intakt sind. (Mehr zum Mückenatlas finden Sie hier)

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Insekten auf der Spur: Ein Atlas voller Mücken

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Bei einer Einsendung aus der Umgebung von Hannover fand sich am Ende der Mückensaison 2012 ein Weibchen der invasiven Buschmücke. Daraufhin hatten die Forscher das Gebiet vor Ort untersucht, nun liegen die Befunde vor. Auf 25 von 129 untersuchten Friedhöfen in Niedersachen und Nordrhein-Westfalen fanden sich die Einwanderer. Die Forscher gehen wegen der hohen Zahl davon aus, dass die Mücken mindestens seit vergangenem Jahr in ihrer neuen Heimat leben, womöglich auch schon länger.

Weltweit gibt es rund 3.500 Stechmückenarten, davon wurden bisher 50 in Deutschland nachgewiesen. Neben dem Mückenatlas gibt es dafür rund 120 Fallen im ganzen Land. Die aktuelle Suche hatte sich auf Friedhöfe konzentriert, weil der Mückennachwuchs in den dortigen Wasserbehältern besonders ungestört gedeihen kann. Und möglicherweise verdrängt die Asiatische Buschmücke auch die einheimischen Mückenarten. Darauf lassen zumindest Beobachtungen aus Nordrhein-Westfalen schließen, auch Studien aus der Schweiz und den USA - doch ein abschließender wissenschaftlicher Beweis fehlt noch.

"Man muss die Situation beobachten"

Doch wie gefährlich sind die Mücken nun? "Man muss die Situation beobachten", sagt FLI-Forscher Helge Kampen. "In Asien gilt die Buschmücke nicht als wichtiger Überträger." Zwar seien sie womöglich an der Verbreitung der Japanischen Enzephalitis beteiligt, doch in der Region sind andere Arten die Hauptüberträger.

Im Labor zeigte sich allerdings, dass die Buschmücke auch mehrere andere Erreger verbreiten kann, darunter das West-Nil-Virus. Infizierte Mücken wurden in den USA auch im Freiland gefangen. Das könnte bedeuten, dass die Buschmücke den Erreger weiterverbreitet.

Eine Infektion mit diesem West-Nil-Virus kann ähnlich wie eine Grippe verlaufen - und in seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie etwa einer Meningitis führen. In Deutschland ist das Virus bisher noch nicht aufgetaucht. Womöglich ist das aber auch nur eine Frage der Zeit: In Frankreich, Italien, Griechenland oder Rumänien hat es schon Ausbrüche gegeben.

Eines ist Forscher Kampen allerdings doch wichtig. Bei aller Diskussion über mögliche Gesundheitsgefahren durch eingewanderte Mücken dürfe man eines nicht vergessen: "Wir wissen über die einheimischen Arten viel weniger als über die, die jetzt ins Land kommen."

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