Moskitonetze gegen Malaria Forscher fürchten Rückkehr der Tropenkrankheit

Moskitonetze schützen vor Malaria - das ist einleuchtend. Doch eine Studie im Senegal wirft die Frage auf, ob die mit Insektiziden beschichteten Stoffe nur kurzfristig nutzen. Denn die Mücken werden gegen das verwendete Gift schnell resistent.

Kind spielt hinter Moskitonetz: Diskussion um Schutz vor Malaria-übertragenden Mücken
DPA

Kind spielt hinter Moskitonetz: Diskussion um Schutz vor Malaria-übertragenden Mücken


Hamburg - Mit Insektenvernichtungsmitteln behandelte Mückennetze halten Moskitos fern, die die gefährliche Malaria übertragen können. Doch Wissenschaftler äußern die Sorge, dass die Maßnahme die Krankheit nur kurzfristig eindämmt.

Zum einen würden viele Stechmücken offenbar resistent gegen die Chemikalien in den Mückennetzen, fanden Wissenschaftler des Instituts für Entwicklungsforschung im Senegal in einer Langzeitstudie heraus. Zum anderen verlören Einheimische, die eine körpereigene Abwehr gegen den Erreger entwickelt hatten, diese Immunität möglicherweise, wenn es weniger Mücken gebe. Umso anfälliger seien sie dann, wenn sich die widerstandsfähigen Mücken ausbreiteten.

"Diese Erkenntnisse sind sehr besorgniserregend", stellten die Wissenschaftler um Jean-François Trape fest, die ihre Erkenntnisse in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlichten.

Die Forscher hatten mehr als 500 Dorfbewohner aus Dielmo im Landesinneren des Senegal sowie das örtliche Vorkommen von Stechmücken von Januar 2007 bis Dezember 2010 untersucht. Im August 2008 wurden mit Insektengift behandelte Mückennetze an die Menschen ausgegeben. Danach gingen die Malaria-Erkrankungen drastisch zurück, Mitte 2010 stiegen sie jedoch wieder an.

Den Angaben zufolge zählten die Forscher vor dem Verteilen der Netze im Monat rund 5,5 Malaria-Anfälle pro 100 Einwohner. Nach dem August 2008 sank die Zahl auf durchschnittlich 0,4 Anfälle. Zwischen September und Dezember 2010 stieg sie jedoch wieder auf circa 4,6 monatliche Fälle pro 100 Einwohner.

Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass viele der Malaria-übertragenden Mücken gegen das verwendete Insektenschutzmittel Deltamethrin unempfindlich wurden. Der Anteil resistenter Anopheles-gambiae-Moskitos stieg von ursprünglich 8 Prozent auf 48.

"Die Resistenz der Mücken lasse es möglicherweise nicht zu, die Sterblichkeit durch Malaria in den Regionen Afrikas zu senken, in denen Anopheles gambiae der Hauptüberträger der Malaria sei und wo die erworbene Immunität eine Schlüsselrolle bie der Epidemiologie der Krankheit spiele", schreiben die Forscher.

In einem begleitenden Kommentar warnen Joseph Keating und Thomas Eisele von der Tulane University in New Orleans, USA, davor, diese Ergebnisse leichtfertig auf andere Regionen Afrikas zu übertragen. Die Studie sei über einen relativ kurzen Zeitraum und nur in einem einzigen Dorf im ländlichen Senegal gelaufen - und dass möglicherweise auch andere Faktoren zur wieder steigenden Malaria-Rate beigetragen haben, könnten die Forscher auch nicht ausschließen. Keating und Eisele betonen jedoch, dass Mosikotnetze allein wohl nicht ausreichen, um die Malaria-Übertragung generell zu stoppen - daher sei es wichtig, Betroffene zügig medizinisch zu behandeln und weitere Strategien zu entwickeln, um die Tropenkrankheit einzudämmen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2009 weltweit 781.000 Menschen an Malaria. Etwa neun von zehn Malaria-Toten werden in Afrika gezählt, und von diesen Todesopfern sind gut neunzig Prozent Kinder unter fünf Jahren.

wbr/AFP

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