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Umweltverschmutzung: Plastik im Meer

Foto: The Ocean Cleanup Project

Pazifik Müllstrudel ist mehr als viermal so groß wie Deutschland

Fischernetze, Kisten, Kleinstteile: Nordöstlich von Hawaii treiben rund 80.000 Tonnen Plastik - weitaus mehr als bisher angenommen.

Der sogenannte Große Pazifische Müllstrudel ist wesentlich umfangreicher und enthält deutlich mehr Plastik als bisher angenommen. Nach mehreren Forschungsfahrten und Flügen kommt ein internationales Wissenschaftlerteam zu dem Schluss, dass knapp 80.000 Tonnen Plastik in einem Gebiet von 1,6 Millionen Quadratkilometern treiben - die Fläche ist etwa 4,5-mal so groß wie Deutschland.

Die Masse übersteigt frühere Schätzungen mindestens um das Vierfache, wie die Forscher im Fachblatt "Scientific Reports" schreiben. Das liegt vermutlich zum Teil daran, dass der Plastikeintrag beständig wächst.

Inzwischen würden jährlich mehr als 320 Millionen Tonnen Kunststoff produziert - mit steigender Tendenz, schreibt das Team um Laurent Lebreton von der Ocean Cleanup Foundation im niederländischen Delft. 60 Prozent davon hätten eine geringere Dichte als Meerwasser. Das hat zur Folge, dass die Teile nicht absinken, sondern mit der Strömung in bestimmte Meereszonen treiben, wo sie sich sammeln. Dabei werden sie in immer kleinere Teilchen zersetzt, die irgendwann in die Nahrungskette gelangen können.

18 Schiffe auf Tour

Einer der großen Müllteppiche ist der sogenannte Great Pacific Garbage Patch - eine Akkumulationszone im Pazifik zwischen Hawaii und Nordamerika. Hochrechnungen zu seinem Ausmaß kamen bislang zu unterschiedlichen Ergebnissen.

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Umweltverschmutzung: Plastik im Meer

Foto: The Ocean Cleanup Project

Das Team um Lebreton, dem auch Mitarbeiter der Technischen Universität München und der Universität Oldenburg angehörten, sichtete das Areal nun besonders gründlich: Von Juli bis September 2015 fischten sie von 18 Schiffen aus mit Netzen Müll aus dem Meer, den sie dann analysierten.

Zusätzlich sichteten sie größere Gebiete auf zwei Flügen mit Luftbildaufnahmen. Die Daten speisten sie in Modelle von Meeresströmungen ein.

Ihre Resultate ergaben, dass die Fläche der Plastiksuppe etwa 1,6 Millionen Quadratkilometer groß ist und nordöstlich von Hawaii liegt - grob zwischen dem 36. und 47. nördlichen Breitengrad und dem 139. und 159. westlichen Längengrad.

Mehr als eine Million Teile gesammelt

"Plastik war mit Abstand der dominanteste Typ von Meeresmüll, es stellte mehr als 99,9 Prozent der 1.136.145 Teile und 668 Kilo treibender Teile, die wir mit unseren Netzen sammelten", schreiben die Autoren. Insgesamt glauben die Wissenschaftler, dass 1,8 Billionen - also 1012 - Plastikteilchen im pazifischen Strudel treiben.

Von den mindestens 79.000 Tonnen Müll entfallen demnach 42.000 Tonnen (46 Prozent) auf Megaplastik wie Fischernetze und 20.000 Tonnen auf Makroplastik wie etwa Flaschen oder Kisten. 10.000 Tonnen sind demnach Mesoplastik wie Verschlusskappen von Flaschen und etwa 6400 Tonnen Plastikteilchen einer Größe unter fünf Millimeter.

Den deutlichen Unterschied zu früheren Schätzungen begründen die Forscher vor allem damit, dass frühere Methoden den großen Plastikmüll nicht angemessen berücksichtigten - im Gegensatz zu den Luftbildaufnahmen vom Flugzeug aus. Zudem nehme die Vermüllung zu.

Folgen des Tsunamis

Eine große Rolle könnte außerdem der Tsunami nach dem Tohoku-Erdbeben vor der Küste Japans gespielt haben, der 2011 schätzungsweise 4,5 Millionen Tonnen Trümmer ins Meer gespült habe. Ein Großteil der gefundenen Plastikteile, den das Team einem Land zuordnen konnte, stammte demnach aus Japan.

"Die Kollegen haben die Arbeit sehr gründlich gemacht, und die Ergebnisse beruhen auf einem reichen Probenfundus", sagt Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Insgesamt gehe man derzeit von weltweit fünf solchen Akkumulationszonen aus, eine sechste werde in der Barentssee - nördlich von Norwegen und Russland - vermutet.

"Wichtig an den neuen Resultaten ist auch, dass fast die Hälfte der Masse aus der Fischerei stammt." Diese Teile wie etwa Netze seien besonders gefährlich, weil sich in ihnen viele Meerestiere verfangen.

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DER SPIEGEL
boj/dpa
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