Mysteriöses Himmelsleuchten Gestatten: Steve

Fotografen haben im Norden Kanadas ein unbekanntes Leuchtphänomen entdeckt - Forscher rätseln über seine Ursache. Der Name: Steve.

Vanexus Photography

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Zunächst glaubten die Forscher an eine Sonderbarkeit, sie meinten, das Phänomen wäre selten. Doch mittlerweile haben Fotografen und Touristen dermaßen viele Fotos gemacht von den mysteriösen Leuchtstreifen über Nordkanada, dass deutlich wird: Es handelt sich um eine häufige Erscheinung.

Umso erstaunlicher ist deshalb, dass Wissenschaftler keine Erklärung für das Phänomen haben, wie sie auf einer Tagung der Europäischen Raumfahrtagentur Esa im kanadischen Banff einräumten. Immerhin haben sie einen Namen: Sie tauften die Leuchterscheinung "Steve".

Die weißen Lichtbänder, so viel haben Forscher mittlerweile herausgefunden, leuchten von selbst - anders etwa als Kondensstreifen von Flugzeugen, die Sonnenlicht reflektieren und deshalb zu sehen sind.

Warum all die Fotos?

Dass die Lichter bislang nicht aufgefallen waren, habe wohl eine simple Ursache, meint Eric Donovan von der University of Calgary: Erst seit jedermann einen Fotoapparat im Mobiltelefon bei sich trüge, erreichten Forscher stetig Bilder aus dem hohen, unbewohnten Norden. Zuvor sei man froh gewesen, vereinzelt die berühmten Nordlichter fotografiert zu haben.

"Das besondere an dieser Geschichte ist für mich, dass erst die Hobbyfotografen mit ihren vielen Fotos die Wissenschaftler auf das Phänomen aufmerksam gemacht haben", sagt Christoph Schaarschmidt, einer der Fotografen, die Steve erspäht hatten.

Nun sammeln sich Fotos der Leuchtfackeln auf der Facebook-Seite "Alberta Aurora Chasers", und Donovan und seine Kollegen haben sich alle genau angesehen. "Erstaunlich häufig" sei das Phänomen, sagt Donovan, was nun Satellitenmessungen bestätigt hätten.

Die drei "Swarm"-Satelliten der Esa seien 300 Kilometer über der Erde durch einen "Steve" hindurch geflogen, ihre Daten erstaunten die Forscher: Beim Durchflug sei die Temperatur auf mehr als 3000 Grad hoch geschossen, das Dreifache der normalen Temperatur in dieser Höhe, wo die Luft extrem dünn ist.

Steve ist extrem schnell

Die Satelliten hätten ein 25 Kilometer breites Band aus Gas gemessen, das mit 20.000 km/h westwärts schoss, während die Luft der Umgebung sich nur mit 36 km/h bewegte. Aber was passierte da?

Sowohl Nordlichter konnten die Wissenschaftler ausschließen, als auch sogenannte Protonen-Auroras. Beide Leuchterscheinungen entstehen nahe der Pole, wenn Sonnenstürme dort niedergehen - in hohen Breiten steht der magnetische Schutzschild der Erde so tief, dass die Stürme weit vordringen und Luftpartikel leuchten lassen.

Steve jedoch, das zeigen die Satellitenmessungen, wird nicht von Sonnenstürmen ausgelöst.

Der Name sollte eigentlich Ratlosigkeit und Vorläufigkeit unterstreichen, hat sich nun aber etabliert. In der Facebook-Gruppe schrieb ein Teilnehmer: "Wenn jemand ruft, 'hey da ist Steve', schauen wir nun alle nach oben."

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09.09.2019, 13:47 Uhr
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