Mysteriöser Niedergang Unter Amphibien geht der Tod um

Kröten und Salamander, Molche, Unken und Frösche sind weltweit von einem rätselhaften Aussterben betroffen. Ein Drittel aller Amphibien-Arten ist akut gefährdet, warnen mehr als 500 Wissenschaftler in einer internationalen Studie.


Waldsteigerfrosch Leptopelis parkeri: Myteriöses Artensterben unter Amphibien
Wildlife Conservation Society

Waldsteigerfrosch Leptopelis parkeri: Myteriöses Artensterben unter Amphibien

"Wir erleben hier ein bisher nicht gekanntes Ausmaß von Ausrottung", sagte Simon Stuart von World Conservation Union, der die Untersuchung leitete. "Wo Amphibien vorangehen, könnten andere folgen, vielleicht auch wir." Mit ihrer durchlässigen Haut seien Amphibien ein besonders sensibler Indikator für Umweltgefahren.

Die Studie von mehr als 500 Forschern aus über 60 Ländern, die heute in der Online-Ausgabe des US-Fachblattes "Science" erschienen ist, nennt beunruhigende Zahlen. Demnach sind 1856 Amphibienarten akut vom Aussterben bedroht. Sie machen knapp ein Drittel aller bekannten Amphibienarten aus. Bei Säugetieren beträgt der Anteil der bedrohten Arten 23 Prozent, bei Vögeln 12 Prozent.

Frösche, Kröten und Salamander sterben derzeit weltweit rasch aus - oft aus rätselhaften Gründen. Bei fast der Hälfte der 435 am stärksten bedrohten Arten ist die Ursache des Sterbens nicht bekannt, betont die World Conservation Union. 43 Prozent aller bekannten 5743 Amphibienarten befinden sich im Niedergang und verschwinden sogar in Schutzgebieten.

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Mysteriöser Niedergang: Das Sterben der Amphibien

Mindestens neun Arten sind seit 1980 erwiesenermaßen ausgestorben, darunter die erst 1975 in Costa Rica entdeckte Goldkröte (Bufo periglenes). Weitere 113 Arten sind in den letzten Jahren nicht mehr beobachtet worden und deshalb vermutlich ebenfalls ausgestorben.

Als Hauptursache nennen die Forscher die Zerstörung natürlicher Lebensräume von Amphibien. Weitere Gründe sind zum Teil noch nicht hinreichend erforscht. So geht auch der Bestand der Tiere in Naturschutzgebieten wie dem Yosemite-Nationalpark in Kalifornien zurück. Das Amphibiensterben dominiere in Süd- und Mittelamerika sowie in Australien, schreiben die Wissenschaftler. Dort lebten allein 207 der 435 vom Aussterben bedrohten Arten. Derzeit breite sich das mysteriöse Aussterben auf Peru und Chile, die Dominikanische Republik, Tansania und Spanien aus.



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