Mysteriöses Bienensterben Australisches Virus gilt als Hauptverdächtiger

Das rätselhafte Bienensterben in Nordamerika scheint aufgeklärt: US-Forscher glauben, dass ein aus Australien eingeschlepptes Virus Tausenden Insektenvölkern den Garaus gemacht hat.


Das mysteriöse Sterben begann im Herbst 2006: Bei einem Viertel der Imker in den USA starben bis zu 90 Prozent der Bienenvölker. Die erwachsenen Insekten verschwanden spurlos und ließen den Bienenstock samt der Königin, den jungen Bienen und der Brut zurück. Der Exitus beunruhigte Wissenschaftler, denn sie konnten keine eindeutige Ursache dafür finden. Selbst Handystrahlung wurde als Auslöser verdächtigt.

Honigbiene: Opfer eines australischen Virus?
Science / ARS / USDA / Scott Bauer

Honigbiene: Opfer eines australischen Virus?

Die Agrarwirtschaft schlug Alarm und warnte vor Nahrungsmittelengpässen, sollte dem Sterben nicht bald Einhalt geboten werden. Honigbienen tragen bis zu 80 Prozent zur Bestäubung von insgesamt 90 Nahrungsmitteln bei - darunter sind Äpfel, Avocados, Erdbeeren, Kirschen, Zitrusfrüchte und sogar einige Getreidesorten.

Doch nun ist das rätselhafte Verschwinden Tausender Bienenvölker offenbar aufgeklärt: Als wahrscheinliche Ursache haben US-Wissenschaftler ein aus Australien eingeschlepptes Virus identifiziert. Ian Lipkin von der Columbia University in New York und seine Kollegen hatten die Bienen mit Hilfe von genetischen Untersuchungen auf mögliche Mikroorganismen, Viren und Pilze untersucht und waren dabei auf den 2004 in Israel entdeckten Erreger IAPV gestoßen.

In 25 von 30 vom Massensterben betroffenen Völkern habe man das Virus gefunden, jedoch nur in einem von 21 Völkern mit gesunden Tieren, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science". Das Virus löst bei den Insekten Lähmungserscheinungen aus und lässt sie meist außerhalb des Stocks sterben. Ähnliches beobachten auch die Imker, die vom Massensterben betroffen sind: Die erwachsenen Tiere kehren von ihren Flügen nicht mehr wieder und lassen die Brut, Jungtiere und den Pollen im Stock zurück.

Nicht alle Zweifel ausgeräumt

Das Virus könnte Auslöser für das Massensterben sein, schließen die Forscher aus ihren Ergebnissen. Doch auch andere Stressfaktoren müssen an dem Phänomen beteiligt sein, betont Jeffery Pettis, einer der beteiligten Wissenschaftler. Dies könnte Mangelernährung sein, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder parasitische Milben.

Forscher aus anderen Arbeitsgruppen sind hingegen skeptisch, ob die Wissenschaftler mit ihrer Hypothese auf dem richtigen Weg sind: Die Infektion mit IAPV könnte statt der Ursache nur eines von mehreren Symptomen beim rätselhaften Massensterben sein, glaubt beispielsweise der schwedische Insektenforscher Joachim de Miranda.

Als wahrscheinlich gilt, dass die Viren aus Australien eingeschleppt wurden. So haben amerikanische Imker seit 2005 Bienen im Wert von mehreren Millionen Dollar aus Australien importiert. Ein Großteil der australischen Bienen ist von IAPV befallen, ergaben die Untersuchungen der Forscher. In dem Kontinent jenseits des Pazifiks selbst ist das Massensterben jedoch noch nicht aufgetreten. Dies könnte mit den anderen Lebensbedingungen der Bienen in Australien zusammenhängen, erklären die Forscher. In Versuchsreihen wollen sie nun erproben, welche Kombination von Faktoren zum Tod der Tiere führt.

hda/ddp/AP



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