"Stunde der Wintervögel" Wer sitzt denn da im Futterhäuschen?

Wie steht es um die Vögel in Deutschlands Parks und Gärten? Der Nabu lädt Interessierte ein, die Arten zu zählen, die sie sehen - und dies zu melden. Die Aktion soll helfen, schleichende Veränderungen zu dokumentieren.
Blaumeise (Cyanistes caeruleus)

Blaumeise (Cyanistes caeruleus)

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Eine Stunde lang sollen Vogelfreunde in der Zeit von Freitag bis Sonntag genau hinsehen, wie viele und welche Vögel sich im heimischen Garten oder im Park nebenan tummeln. An der bundesweiten Zählaktion des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) "Stunde der Wintervögel" beteiligen sich jedes Jahr Tausende, dieses Jahr findet sie das siebte Mal statt. Online, per Meldebogen oder telefonisch können die Teilnehmer ihre Beobachtungen an den Nabu melden . Die wachsende Datenbank soll helfen, schleichende Veränderungen in der Vogelwelt zu dokumentieren. Dabei gehe es zumeist um vertraute Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen, so der Nabu.

Die Mitmachaktion könne "ein sinnvolles Frühwarnsystem sein und Menschen für den dramatischen Artenschwund sensibilisieren", sagte der Landschaftsökologe und Vogelkundler der Universität Münster Johannes Kamp. "Wir beobachten in den letzten zehn Jahren, dass wir bei früher häufigen Arten große Mengen verloren haben." Ein Beispiel sei der Star. In Europa seien die Bestände von 1981 bis 2014 um 55 Prozent zurückgegangen, wie aus dem European Bird Census Council hervorgehe. Diesen Schwund belegen laut Kamp auch die Nabu-Daten für Deutschland.

Augenmerk auf häufige Arten

Die ganze Bandbreite des Artenschwundes könne die Zählung jedoch nicht erfassen, weil sie einen Schwerpunkt auf Gartenvögel setze. "In Siedlungen treten überwiegend häufige und wenig anspruchsvolle Arten auf", sagt Kamp. Amseln, Meisen und Spatzen bleiben wahrscheinlich häufige Gäste an den winterlichen Futterhäuschen - Schwankungen nicht ausgeschlossen. "Was uns besonders Sorgen macht, sind die großen Bestandseinbrüche bei den Vogelarten aus dem ländlichen Raum."

Fotostrecke

Rätselhafter Schwund: Der Zauber der Wintervögel

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Den Hauptgrund sieht Kamp in der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung immer größerer Flächen und dem Einsatz hochwirksamer Pestizide zur Insektenbekämpfung. Ohne Insekten breche für viele Vögel die Nahrungsgrundlage ein. "Es gibt in unserer Landschaft nur noch wenige unaufgeräumte Flächen", kritisiert Kamp. Auch in den Wohnbereichen schwinde der Lebensraum: "Siedlungen werden immer steriler. Da sieht man eher Kies und Thuja-Hecken statt Blumenwiesen oder Gemüseanbau."

Voraussichtlich fällt das Treiben an heimischen Vogelhäuschen in diesem Jahr weniger lebhaft aus als in vergangenen Jahren. Ende 2016 meldeten viele Vogelfreunde, dass sie ungewöhnlich wenige Tiere an Futterhäuschen gesichtet hätten. Denkbar sei, dass der Zuzug von Vögeln dieses Jahr geringer war, sagt Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann. Möglicherweise fänden viele Vögel wegen des bisher milden Winters auch außerhalb der Gärten Nahrung oder hätten nur wenige Jungvögel aufgezogen. Einen Zusammenhang mit der Vogelgrippe sieht er nicht.

wbr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.