Gärten in Deutschland Hobbyforscher zählen weniger Amseln

Amseln gehören zu den häufigsten Gartenvögeln, wurden bei einer Zählaktion in diesem Winter aber vergleichsweise selten gesichtet. Dazu könnte auch der heiße trockene Sommer beigetragen haben.

Mike Lane / fotolia / NABU

In Deutschlands Gärten und Parks sind in diesem Jahr weniger Wintervögel zu sehen. Zehntausende Naturliebhaber meldeten im Januar im Schnitt 37 Vögel, die sie bei der Zählaktion "Stunde der Wintervögel" innerhalb von 60 Minuten beobachteten, teilte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) am Mittwoch mit.

"Das ist die zweitniedrigste Zahl nach dem Rekordminus von 34,4 im Jahr 2017", sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. 2011 seien noch fast 46 Vögel pro Garten gemeldet worden. Am häufigsten zu sehen waren 2019 Haussperlinge, gefolgt von Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise und Amsel.

Trockenheit machte Amseln zu schaffen

Sorgen macht den Nabu-Vogelschützern vor allem die Amsel. Nur 2,67 Vögel pro Garten in 2019 bedeuten das bisher schlechteste Zählergebnis für das Tier.

NABU

"Der sehr trockene Juli 2018 war schlecht für das Überleben der Jungvögel, da die Amseln kaum Regenwürmer finden konnten", sagte Nabu-Mitarbeiter Lars Lachmann. Der Hauptgrund für die geringe Amselzahl könnte jedoch die im Sommer 2018 grassierende Usutu-Epidemie sein.

Das Virus aus Afrika, das vermutlich über Zugvögel eingeschleppt wurde, sorgt seit Mitte der Neunzigerjahre für kleinere Ausbrüche unter Vögeln in Europa, die oft mit einem Amselsterben einhergehen.

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Vögel im Wald statt im Garten?

Dass insgesamt weniger Vögel in den Gärten gezählt wurden, könnte auch am relativ milden Winter liegen. "Damit kommen weniger Vögel in die Gärten, weil sie in schneefreien Wäldern noch genug zu fressen finden", ergänzte Miller. So waren vor allem die klassischen Futterhausbesucher wie Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpf- und Tannenmeisen in diesem Winter seltener zu sehen.

Ob die Vogelbestände tatsächlich zurückgehen, müsse daher aufmerksam verfolgt werden, so Miller.

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"Stunde der Wintervögel": Hier piept's

Auch die Zahlen anderer Waldvögel wie Kleiber, Eichelhäher, Buntspechte und Gimpel liegen niedriger als im langjährigen Mittel. Offenbar seien weniger Vögel aus dem Norden und Osten Europas nach Deutschland gekommen, da der Winter in ganz Europa bisher eher mild war, folgert der Nabu.

In diesem Jahr hatten 138.000 Naturliebhaber die Ergebnisse ihrer Zählungen an den Nabu gemeldet. Das war ein neuer Teilnehmerrekord seit dem Start der großen wissenschaftlichen Mitmach-Aktion im Jahr 2011.

jme/dpa



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