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Expedition im Golf von Mexiko: Sterben in der Tiefsee

Foto: Lophelia II 2010 Expedition / NOAA-OER

Nach der Öl-Katastrophe Forscher finden tote Korallen im Golf von Mexiko

Folgen der Ölkatastrophe am Golf von Mexiko? Meeresforscher haben einige Kilometer vom Leck entfernt tote und sterbende Tiefseekorallen entdeckt. Teile davon sind mit einer braunen Substanz bedeckt. Ob es sich dabei um tatsächlich um Öl handelt, ist aber noch unklar.

"Deepwater Horizon"-Katastrophe

Pensacola - Am Golf von Mexiko wechseln die Nachrichten zwischen Euphorie und Ernüchterung. Groß war zunächst die Freude, als man kurze Zeit nach der eine bis dato unbekannte Bakterienart entdeckt hatte, die scheinbar großen Appetit auf den Ölteppich hatte. Das Öl sei quasi nicht mehr nachweisbar, jubelten Forscher. Kurz darauf kam der Rückschlag: Meeresforscher von der University of Georgia hatten auf dem Meeresgrund dicke Ölplacken entdeckt.

Während Wissenschaftler weiterhin untersuchen, wie viel des ausgeströmten Öls sich jetzt tatsächlich noch im Golf und auf dem Meeresboden befindet, fahnden Meeresbiologen nach Spuren der Zerstörung des Ökosystems, die das Öldesaster möglicherweise ausgelöst hat. Und auch hier liegen Licht und Schatten offenbar nahe beieinander.

Am Donnerstag gaben Experten der US-Ozeanografiebehörde (NOAA) und der Penn State University bekannt, ein Wissenschaftlerteam habe in der Nähe des Öllecks am Meeresgrund tote und sterbende Tiefseekorallen entdeckt. Der Fundort sei mehrere Kilometer weit von der nun abgedichteten Ölquelle entfernt, aus der seit April Millionen Liter Öl geströmt waren. Die Wissenschaftler untersuchten die Riffe in etwa 1400 Metern Tiefe und 11 Kilometern Entfernung von der Quelle mit ferngesteuerten Unterwasserrobotern.

Zudem schienen Teile der Korallenformationen mit einer braunen Substanz bedeckt. Weitere Untersuchungen seien aber notwendig, um zu klären, ob es sich bei der Substanz um Öl handelt und ob es aus der defekten Quelle vor der Küste des US-Staates Louisianas stammt. Die Chefin der Bundesbehörde NOAA, Jane Lubchenco, sagte, die Regierung sei weiterhin der Erforschung der durch die Ölpest entstandenen Umweltschäden verpflichtet.

Kurze Zeit zuvor hatten Wissenschaftler um Steve Ross vom Center for Marine Science an der University of North Carolina noch andere Beobachtungen vermeldet: 20 Meilen nördlich des Bohrlochs hätten sie keine Anzeichen für ein zerstörtes Marineleben entdeckt. Das Gebiet sei offenbar davongekommen, berichteten die Forscher seinerzeit. Für eine Entwarnung seien aber noch weitere Untersuchungen notwendig.

Während die Forscher von der University of North Carolina in einer Tiefe von nur rund 400 Metern nach möglichen Auswirkungen der Ölpest suchten, schickte das NOAA-Team seine Tauchroboter viel weiter nach unten: Rund 1400 Meter unter der Wasseroberfläche und etwa 11 Kilometer südwestlich vom Bohrloch entfernt, entnahmen die Roboter, die Forscher vom Expeditionsschiff "Ronald H. Brown" aus steuerten, zudem eine Vielzahl von Proben.

Charles Fisher von der Penn State University und Leiter der Expedition sagte, ein Großteil der Tiefseekorallenformationen sei von der bräunlichen Substanz bedeckt gewesen. Die Wissenschaftler untersuchten ein Gebiet mit einer Fläche von etwa 15 mal 40 Metern. 90 Prozent davon sei entweder tot oder farblos gewesen, ein Anzeichen dafür, dass die Korallen sterben. Eine dramatische Veränderung: Bereits in den Jahren zuvor hatten mehrere Expeditionen in dieses und weitere Gebiete stattgefunden - das Absterben der Korallen jedoch scheint erst kürzlich begonnen zu haben.

Bis die Ergebnisse der Laboranalysen der gesammelten Proben vorliegen, können die Forscher allerdings noch nicht sagen, was die Ursache für das Korallensterben ist. Vor kurzem hatten Untersuchungen ergeben, dass der Rote Thun durch die Ölpest im Golf von Mexiko weiter geschädigt wurde.

cib
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