Nach Fukushima Japan dampft Klimaschutz ein

Eigentlich wollte Japan seinen Treibhausgasausstoß um 25 Prozent senken. Wegen der Folgen des Atomunfalls von Fukushima sei das jetzt nicht machbar, erklärt die Regierung. Ein schlechtes Signal für die laufenden Uno-Klimaverhandlungen in Warschau.
Industriegebiet in Tokio (Archivbild): Japan hält sein Reduktionsziel von 2009 für "völlig gegenstandslos"

Industriegebiet in Tokio (Archivbild): Japan hält sein Reduktionsziel von 2009 für "völlig gegenstandslos"

Foto: STRINGER/JAPAN/ REUTERS

Tokio - Japan rückt deutlich von seinen Zielen zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes ab. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima müsse das Land wieder verstärkt auf fossile Energieträger setzen, sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Freitag. Bislang hatte das Land vorgesehen, die CO2-Emissionen um 25 Prozent zwischen 1990 und 2020 zu senken. Vor dem Hintergrund der veränderten energiepolitischen Lage sei das neue Ziel, 3,8 Prozent unter dem Niveau von 2005 zu bleiben.

Das ursprüngliche unter dem damaligen Regierungschef Yukio Hatoyama im Jahr 2009 ausgegebene Reduktionsziel sei "nicht realisierbar" und "völlig gegenstandslos", sagte Suga vor Journalisten in Tokio. Wie japanische Medien berichteten, bedeuten die neuen Zielvorgaben eine Zunahme des CO2-Ausstoßes um drei Prozent im Vergleich zum Niveau von 1990, dem Vergleichsjahr des Kyoto-Klimaschutzprotokolls. Mit dem Kyoto-Protokoll verpflichteten sich die Teilnehmerstaaten, ihre Emissionen von Treibhausgasen bis 2012 verglichen mit dem Stand von 1990 um durchschnittlich fünf Prozent zu verringern. Es wurde 1997 unterzeichnet und trat 2005 in Kraft.

Widerstand gegen Atomenergie wächst

Ein Außenamtsvertreter sagte, die neuen Zahlen sollten kommende Woche beim UN-Klimagipfel in Polen bekanntgegeben werden. Sie seien Japans "neue internationale Verpflichtung", die Tokio bei den Vereinten Nationen registrieren lasse. Es handele sich um befristete Vorgaben, da es Japans Ziel sei, zur Atomkraft zurückzukehren. Allerdings wächst in Japan seit der Katastrophe von Fukushima der gesellschaftliche Widerstand gegen Atomenergie.

Die Umweltschutzorganisation WWF kritisierte die Ankündigung Japans. Es sei zu befürchten, dass Tokios Kurswechsel verheerende Auswirkungen auf die Diskussionen bei der Uno-Klimakonferenz in Warschau haben werde, erklärte der WWF.

In Polens Hauptstadt hat am Montag die 19. UN-Klimakonferenz begonnen. An dem Treffen nehmen Vertreter aus mehr als 190 Ländern teil. Wesentliche Durchbrüche werden zwar nicht erwartet. Die Delegierten wollen aber weitere Fragen auf dem Weg zu einem verbindlichen globalen Klimaschutzabkommen klären, das bis Ende 2015 ausgehandelt werden und im Jahr 2020 in Kraft treten soll.

Seit Mitte September lebt Japan erneut ohne Atomstrom, wie dies bereits von Mai bis Juli 2012 der Fall war. Alle Reaktoren sind zu Wartungszwecken heruntergefahren. Seit dem Atomunglück von Fukushima vom 11. März 2011 gelten für die Atommeiler in Japan verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Das Atomkraftwerk Fukushima war 2011 von einem Erdbeben und einem Tsunami schwer beschädigt worden.

wbr/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.