Nahrungskampf im Ur-Ozean Auf die Größe kam es an

Eigentlich wären Bakterien leistungsfähiger gewesen - und doch konnten in den prähistorischen Meeren gleichzeitig mehrzellige Organismen entstehen. Jetzt gibt es eine Erklärung für diese scheinbar paradoxe Entwicklung.
Ur-Ozean (hier mit Trilobit, künstlerische Darstellung): Aufstieg der Mehrzeller

Ur-Ozean (hier mit Trilobit, künstlerische Darstellung): Aufstieg der Mehrzeller

Foto: Corbis

Berlin - Beim Nahrungskampf in den Ur-Ozeanen haben die frühesten Mehrzeller kräftig von ihrer Größe profitiert - und so den Grundstock für ihre Entwicklung zu größeren Tieren gelegt. So lautet jedenfalls das Fazit einer Studie, über die Wissenschaftler aus den USA und Kanada im Fachmagazin "Current Biology"  berichten. Die These der Forscher: Durch ihre schiere Größe konnten die mehrzelligen Organismen in den prähistorischen Meeren mit den kleineren, aber eigentlich leistungsfähigeren Bakterien konkurrieren.

So wuchsen Mehrzeller der sogenannten Ediacara-Fauna vor rund 580 Millionen Jahren zu Größen von beinahe einem Meter heran - womöglich, weil sie auf diese Weise nährstoffreiche Meeresströmungen oberhalb des Ozeanbodens erreichen konnten. Marc Laflamme von der University of Toronto in Mississauga und Astrobiologen der US-Weltraumbehörde Nasa äußern in ihrer Untersuchung die Vermutung, dass die Ediacara-Fauna durch ihre Größe mehr Nährstoffe aufnehmen konnte und damit zugleich seinen durch das Wachstum gestiegenen Energieverbrauch ausgleichen konnte.

Erstmals in Australien entdeckt

Für ihre Studie rekonstruierten die Forscher die Meeresströmungen in Ur-Ozeanen. Das dreidimensionale Modell sollte veranschaulichen, wie dichte Bakterienteppiche und die frühen Mehrzeller dort um die Nährstoffe konkurrierten. Ein blattförmiger Ediacara-Organismus gilt als einer der ältesten großen Mehrzeller. Noch ungeklärt ist, ob er die früheste Abstammungslinie tierischen Lebens repräsentiert, oder aber für eine komplett ausgestorbene Gruppe vielzelligen Lebens steht.

Versteinerungen solcher Organismen waren erstmals Mitte des 20. Jahrhunderts in den südaustralischen Ediacara-Hügeln gefunden worden, denen sie ihren Namen verdanken. Sie hatten für Furore gesorgt, weil sie die Theorien zur Entstehung mehrzelligen Lebens revolutionierten. Bis dahin hatte man angenommen, dass erst die sogenannte Kambrische Explosion vor etwa 542 Millionen Jahren den Beginn der Ausbreitung der Mehrzeller markierte. Die Ediacara-Fossillien lagen aber in deutlich älteren Schichten.

"Die Wissenschaft hat sich immer schwer getan, das Wachstum der frühesten Formen vielzelligen Lebens zu erklären", unterstrich Laflamme. "Die Untersuchung hilft dabei, die Entwicklung von einer durch mikroskopisch kleine Bakterien beherrschten Welt zu unserer heutigen Welt zu verstehen, auf der Tiere und Pflanzen dominieren."

chs/AFP
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