Nahrungssuche Wilde Affen benutzen Werkzeug

Hunger macht auch Kapuzineräffchen erfinderisch: Sie benutzen Steine als Schaufeln, um in harten Zeiten nach Futter zu buddeln. Es ist das erste Mal, dass Forscher ein solches Verhalten bei wilden Tieren beobachtet haben.

Im Trockenwald Nordbrasiliens haben Wissenschaftler beobachtet, wie Kapuzineräffchen fast täglich Hilfsmittel bei der Futtersuche eingesetzt haben. Die Tiere benutzten Steine, um Samenkörner und hohle Äste aufzubrechen, berichten Antonio Moura und Phyllis Lee von der University of Cambridge im Fachmagazin "Science" (Bd. 306, S.1909). Ähnliches Verhalten sei bisher nur von Tieren in Gefangenschaft bekannt gewesen.

Am liebsten setzten die wilden Kapuzineräffchen die Steine zum Graben ein, schreiben die Forscher: Sie hielten den Stein in einer Hand und schlugen damit mehrmals auf den Boden, während sie mit der freien Hand die gelockerte Erde beiseite räumten und Knollen, Wurzeln oder Insekten zu Tage förderten. Die Knollen zerteilten die Affen mithilfe der Steine in mundgerechte Stücke.

Die Forscher haben auch beobachtet, wie die Äffchen mit Zweigen nach Honig, Insekten und Wasser in Baumhöhlen und Felsspalten stocherten. Einige Tiere haben die Zweige sogar vor der Futtersuche bearbeitet, indem sie störende Blätter und Stängel abrissen. Allerdings lohnt sich für die Affen der Griff zum Werkzeug offenbar nur in der langen Trockenzeit, vermuten die Forscher. Dann wird die Nahrung oft so knapp, dass die Tiere mit den Hilfsmitteln schneller an mehr Futter kommen.