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13. Januar 2011, 11:56 Uhr

Nasa-Berechnung

2010 und 2005 teilen sich Hitzerekord

Es ist ein weltweiter Temperaturrekord: Das vergangene Jahr war zusammen mit 2005 das wärmste seit 130 Jahren. Das zeigen Messungen der Nasa. Ein anderes Institut sieht 2010 auf Rang zwei.

Der weltweite Hitzerekord von 2005 hat sich nach Angaben der Nasa im vergangenen Jahr wiederholt. Wie das Goddard Institute der US-Raumfahrtbehörde mitteilte, gelten 2010 und 2005 nun gemeinsam als die wärmsten Jahre seit Beginn exakter Wetteraufzeichnungen Ende des 19. Jahrhunderts. Der gemessene Temperaturunterschied zwischen 2010 und 2005 sei so gering gewesen, dass er nicht verlässlich angegeben werden könne. Er lag bei rund 0,01 Grad.

Zuvor hatte bereits die University of Alabama (UAH) in den USA das Ergebnis ihrer Messungen bekannt gegeben: Demnach war 2010 nach 1998 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der systematischen Temperaturaufzeichnungen. Allerdings war auch hier der Unterschied beider Werte gering. Beide Jahre lägen quasi gleich auf, teilte die UAH mit.

Die Temperaturranglisten unterscheiden sich, weil Forschungsinstitute unterschiedliche Daten und Formeln verwenden, um Regionen mit in die Statistik einzubeziehen, in denen es keine Temperaturmessungen gibt.

Insgesamt sei es 2010 auf der Erdoberfläche um 0,74 Grad Celsius wärmer gewesen als im Durchschnitt, hieß es in der Nasa-Mitteilung weiter - berücksichtigt wurden sowohl Messungen an Land, also auch in den Ozeanen. Als Maßstab werden die Temperaturen in den Jahren 1951 bis 1980. Die Daten stammen von mehr als 1000 Wetterstationen, sowie von Satellitenbeobachtungen.

Nach Nasa-Angaben ist der Rekord von 2010 bemerkenswert, da sich in der zweiten Jahreshälfte das Wetterphänomen La Niña durchsetzte. Das sorgt für kältere Temperaturen auf der Oberfläche des östlichen Pazifiks. In der ersten Jahreshälfte jedoch hatte das umgekehrte Phänomen El Niño für ungewöhnliche Hitze gesorgt.

Schmelzendes Eis und kalte Winter

"Bleibt der Wärmetrend bestehen, was zu erwarten ist, wenn die Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre steigt, hält dieser Rekord nicht lange", meint James Hansen, der Direktor des Goddard Instituts.

Zum Jahresende wirkte es in Deutschland nicht so, als würde 2010 ein besonders heißes Jahr sein: Kälte brach über Europa herein. Der Nasa-Analyse zufolge waren allerdings sieben der letzten zehn Winter in Europa kälter als der Durchschnitt von 1951 bis 1980. Die Klimaforscher der Nasa vermuten, dass die ungewöhnliche Kälte mit dem Schmelzen des arktischen Meereises zusammenhängen könnte.

Das arktische Eis wirke wie eine Isolierschicht zwischen der Atmosphäre und dem etwas wärmeren Wasser. Schmilzt das Eis, steigt die Lufttemperatur an diesen Orten. So lag die Temperatur im Nordosten Kanadas, wo die Hudson Bay viel Eis verloren hat, deutlich über dem Durchschnitt. "Eine Möglichkeit ist, dass die Wärmequelle, die durch offenes Wasser in der Hudson Bay entstand, die Windverhältnisse beeinflusste, so dass kalte artkische Luft Europa geströmt ist", sagt Hansen.

wbr/boj/dpa

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