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1200 Arten entdeckt: Faszinierende Amazonas-Bewohner

Foto: WWF / Lars K.

Naturparadies 1200 neue Arten im Amazonas-Regenwald entdeckt

Am Amazonas blüht das Leben. Laut WWF wurden in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche bisher unbekannte Tier- und Pflanzenarten in dem Gebiet aufgespürt, darunter Schlangen, Frösche und Flussdelfine. Doch Abholzung gefährdet das Paradies.

Regenwald

Nagoya - Jeden Tag schrumpft der Amazonas- . Die Bäume fallen zum Beispiel, um Soja-Anbau und Tierzucht möglich zu machen - von beidem profitieren nicht zuletzt die Bewohner der reichen Industriestaaten. Gleichzeitig geht mit dem Verschwinden des Waldes eine natürliche Ressource verloren, deren Wert Forscher nur langsam zu ermessen beginnen - von der Funktion des Waldes als Kohlenstoffspeicher ganz zu schweigen.

Wie wertvoll der Amazonas für den ganzen Planeten ist, diese Botschaft will auch die Umweltorganisation WWF beim Uno-Naturschutzgipfel im japanischen Nagoya verbreiten. Die Organisation hat dazu einen Bericht vorgestellt, der die Einzigartigkeit der Regenwaldregion unterstreichen soll.

Die Umweltschützer hatten Forschungsberichte aus dem Zeitraum zwischen 1999 und 2009 zusammengefasst. Aus ihnen geht hervor, dass im Amazonas binnen zehn Jahren mehr als 1200 neue Arten entdeckt wurden. Im Einzelnen geht es um 637 neue Pflanzen, 257 Fische, 216 Amphibien, 55 Reptilien, 39 Säugetiere und 16 Vögel.

Schlangen, Vögel, Flussdelfine

Bolivien

Zu den neuen Spezies gehören ein Frosch mit flammenfarbenem Kopf (Ranitomeya amazonica), eine neue Flussdelfinart (Inia boliviensis) und ein glatzköpfiger, kunterbunter Papagei (Pyrilia aurantiocephala). Erstmals seit 1936 wurde auch eine neue Anakonda-Art (Eunectes beniensis) beschrieben. Sie ist braun mit olivgrünen Tönen und wird bis zu vier Meter lang. Die Forscher hatten sie zunächst für einen Hybrid aus der grünen und gelben Anaconda gehalten. Die Riesen-Schlange wurde in entdeckt.

"Das ist einerseits faszinierend, weil es zeigt, wie viel unerforschtes Leben im Amazonas vorhanden ist; andererseits aber auch alarmierend, weil viele weitere unentdeckte Arten auszusterben drohen, bevor sie entdeckt werden", sagte WWF-Amazonas-Experte Roberto Maldonado. In den vergangen 50 Jahren seien 17 Prozent der Amazonasfläche durch den Menschen zerstört worden.

Der Amazonas ist das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Welt. Er ist die Lebensgrundlage für etwa 30 Millionen Menschen und gilt als Hot Spot der Artenvielfalt. Die Anzahl der neu entdeckten Arten im Amazonas übersteigt die Gesamtzahl aller neu entdeckten Spezies aus ähnlichen Brennpunkten der biologischen Vielfalt wie Borneo, dem Kongobecken und dem östlichen Himalaja in einem vergleichbaren Zeitraum.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärte am Montag, dass Deutschland zu seinen finanziellen Zusagen zum Artenschutz stehe. Im Mai 2008 habe die Bundesrepublik demnach zugesichert, bis 2012 insgesamt 500 Millionen Euro für die biologische Vielfalt bereitzustellen, ab 2013 sollen es eine halbe Milliarde Euro pro Jahr sein.

Röttgen nimmt an der Konferenz in Japan teil. Dort sollen Maßnahmen gegen die anhaltende Zerstörung der Natur und ihrer Ressourcen beschlossen werden. Röttgen zeigte sich zuversichtlich, dass es trotz gegensätzlicher Interessenlagen gelingen werde, in Nagoya Beschlüsse zu fassen, damit dieser Verlust endlich gestoppt und der Trend umgedreht werden könne.

chs/dpa