Naturzerstörung Forscher warnen vor Schäden in Billionenhöhe

Auf dem Weltnaturschutzgipfel im japanischen Nagoya ringen die Staaten darum, wie Lebensräume rund um den Planeten besser zu schützen sind. Eine neue Studie zeigt, was wirtschaftlich für die Menschheit auf dem Spiel steht. Es geht um Billionen.
Delegierter bei Konferenz in Nagoya: "Dann wird es keine Einigung geben."

Delegierter bei Konferenz in Nagoya: "Dann wird es keine Einigung geben."

Foto: Everett Kennedy Brown/ dpa

Nagoya - Wenn die Naturzerstörung nicht gebremst wird, kommen auf die Welt wirtschaftliche Verluste in Billionenhöhe zu. Das ist das Fazit des sogenannten TEEB-Reports ("The Economics of Ecosystems and Biodiversity"). Die Studie wurde auf der Uno-Naturschutzkonferenz im japanischen Nagoya veröffentlicht. Erste Ergebnisse des Mammut-Forschungsvorhabens waren bereits veröffentlich worden, nun haben die rund 500 Autoren den Endbericht  vorgelegt.

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Die Studie gibt Ökosystemen einen konkreten Wert und fordert Staaten auf, diesen bei volkswirtschaftlichen Rechnungen einzubeziehen. Den Berechnungen eines internationalen Forscherteams zufolge, bieten allein die jedes Jahr - rein theoretisch - 153 Milliarden Dollar an Bestäubungsleistung. Die liefern den Berechnungen zufolge pro Jahr 172 Milliarden Dollar an Einkommen, Nahrung und weiteren Gewinnen.

Der Naturverlust würde insbesondere die Entwicklungsländer treffen, heißt es im TEEB-Report. Durch Nichtstun entstehe nicht nur ein Wertverlust von Billionen von Dollar für die heutige und künftige Gesellschaft. Außerdem wäre eine weitere Verarmung der Armen unvermeidlich, sagte Pavan Sukhdev. Der ehemalige Top-Banker leitete die vom Uno-Umweltprogramm (Unep) unterstützte Studie. Sein Fazit: "Die Zeit, die Artenvielfalt zu ignorieren und bei Wohlstandsvermehrung und Entwicklung auf konventionellem Denken zu beharren, ist vorbei."

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Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig war maßgeblich an der Studie beteiligt - und lobt, dass es bereits einige positive Beispiele gibt: So habe Mexiko habe ein System, bei dem Leistungen eines Ökosystems bereits angerechnet werden. Zugleich habe sich die Abholzungsrate dort innerhalb von sieben Jahren halbiert. Auch Deutschland will beim Gipfel in Nagoya verschiedene Beispiele für die Leistung von Naturschutz präsentieren. "So ist etwa der Nutzen naturverträglicher Hochwasserschutzmaßnahmen an der Elbe, wie die Rückverlegung von Deichen und die Schaffung natürlicher Retentionsflächen, dreimal höher als deren Kosten", wirbt das Bundesumweltministerium.

Zu den Forderungen der TEEB-Autoren zählt auch, Umweltschäden finanziell zu berechnen und sie zu veröffentlichen. Außerdem sollten Verursacher dafür haften. Aber auch die Nutznießer sollten für die Leistungen der Natur bezahlen.

Bundesumweltminister Röttgen sieht unterdessen gute Chancen, dass sich der Gipfel von Nagoya auf ein Protokoll gegen Biopiraterie einigt. Dabei geht es um die gerechte Aufteilung der Gewinne aus biologischen Wirkstoffen, etwa für medizinische oder kosmetische Produkte. Dennoch sei weiter unklar, wann das Protokoll in Kraft treten soll. Die von den Entwicklungsländern geforderte rückwirkende Auslegung lehnte Röttgen wie andere Vertreter aus Industriestaaten ab: "Dann wird es keine Einigung geben."

Die Lage im internationalen Naturschutz sieht der Umweltminister als dramatisch an. Die Weltgemeinschaft hätte ihr Ziel, bis zum Jahr 2010 den Rückgang der Artenvielfalt zu stoppen, nicht erreicht. Wie bei den Klimaverhandlungen von Kyoto 1997, müssten jetzt auch bei den Artenschutzverhandlungen dringend konkrete Maßnahmen folgen.

Artenschutz

Deutschland wolle auch zukünftig Geld für den internationalen zur Verfügung stellen und stehe zu seinen Ankündigungen. "Wir brauchen eine glaubwürdige und nachvollziehbare Finanzierung", sagte Röttgen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte 2008 auf der Artenschutzkonferenz in Bonn bis zum Jahr 2012 zusätzlich insgesamt 500 Millionen Euro und ab 2013 jährlich 500 Millionen Euro für den internationalen Schutz der Artenvielfalt versprochen.

chs/dpa
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