Neue Auswertung Forscher kürzen Liste der verschwundenen Arten

Hoffnungsschimmer: Weltweit sind in den vergangenen fünf Jahrhunderten wahrscheinlich weniger Säugetiere ausgestorben als befürchtet. Australische Forscher korrigieren die bisherigen Annahmen. Doch für viele Arten bleibt die Gefahr nach wie vor groß.

Beutelwolf: Das Tier lebte in Australien. Ein letztes Exemplar starb 1936
REUTERS

Beutelwolf: Das Tier lebte in Australien. Ein letztes Exemplar starb 1936


Singapur - Beständig werden auf unserem Planeten neue Arten entdeckt, zum Beispiel in den Weltmeeren beim Großprojekt "Census of Marine Life" (siehe Fotostrecke). Und beständig sterben Spezies aus - allerdings mit stark steigendem Tempo, wie Ökologen warnen. Die Zahlen sind dramatisch: 17.291 von 47.677 Arten sind auf der aktuellen Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als bedroht verzeichnet. Bei den Pflanzen gehen die Angaben etwas auseinander. Während nach Uno-Schätzungen fast ein Viertel aller Pflanzenarten vom Verschwinden bedroht sind, kommt eine aktuelle Studie unter Führung der britischen Kew Gardens zum Schluss, dass etwa jede fünfte Spezies betroffen ist.

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Artensterben: Gefährdete Vielfalt

Auch Säugetieren geht es ähnlich schlecht. Amphibien werden von einer tödlichen Pilzseuche dahingerafft, Korallen sind global bedroht. Nun haben australische Forscher aber zumindest für die Klasse der Säugetiere überraschend positive Nachrichten: Mehr als ein Drittel der seit dem Jahr 1500 ausgestorben geglaubten Arten seien wiederentdeckt worden, berichten die Forscher Forscher University of Queensland in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B". Insgesamt seien 67 der 187 zunächst als ausgestorbenen erklärten oder lange nicht gesichteten Tierarten wieder aufgetaucht.

Eine solche Wiederentdeckung, die für Schlagzeilen gesorgt hatte, war zum Beispiel der längst verloren geglaubte Schlitzrüssler. Biologen haben ihn in der Karibik aufgespürt. SPIEGEL ONLINE konnte Ende vergangenen Jahres sogar exklusive Videoaufnahmen von einem der seltensten Tiere der Erde präsentieren.

Doch nicht alle Tierarten sind so widerstandsfähig wie der kleine Insektenfresser aus dem Wald. Nach Angaben der Autoren der aktuellen Studie, Diana Fisher und Simon Blomberg, sterben Arten aus verschiedenen Gründen aus:

  • der Lebensraum geht verloren, zum Beispiel durch Abholzung oder Überweidung
  • zu viele Tiere werden gejagt
  • im Verbreitungsgebiet siedeln sich neue Arten an
  • Krankheiten werden eingeschleppt

Vor allem für Tiere, deren Verschwinden auf einen Verlust des Lebensraums zurückgeführt wird und die einst in einem größeren Verbreitungsgebiet lebten, gebe es Hoffnung, schreiben die Forscher: Sie werden am ehesten wiederentdeckt. "Unsere Ergebnisse, wonach Säugetiere, deren Verschwinden auf den Verlust von Lebensraum zurückgeführt wird, am ehesten wiederentdeckt werden, legen nahe, dass die Zahl der durch Lebensraumverlust ausgestorben geglaubten Tiere wahrscheinlich überschätzt wird", schreiben Fisher und Blomberg.

Nötig seien Expeditionen, um Tiere zu suchen. Andererseits stellen die die Wissenschaftler klar: "Naturschutzgelder sind herausgeschmissenes Geld, wenn damit nach Arten gesucht wird, bei denen die Chance auf Wiederentdeckung gleich null ist." Zuletzt hatten Biologen in Südamerika und Afrika einen Salamander und zwei Frösche aufgespürt, die als ausgestorben galten. Doch solche Meldungen sind höchst selten - und können den Trend des globalen Sterbens nicht konterkarieren.

Im Mai hatten Forscher um die Biologin Jessica Blois von der Stanford University in Palo Alto (US-Bundesstaat Kalifornien) herausgefunden, dass kleinere Säugetiere durch den Klimawandel stärker vom Aussterben bedroht sind als größere. Das hatten sie aus Kleintierfossilien der letzten 20.000 Jahre gefolgert. Das Verschwinden der Kleintiere könne dramatische Folgen für die Nahrungsketten haben, warnten die Forscher.

chs/dpa

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carlosowas, 29.09.2010
1. beruhigend
Zitat von sysopHoffnungsschimmer: Weltweit sind in den vergangenen fünf Jahrhunderten wahrscheinlich weniger Säugetiere ausgestorben als befürchtet. Australische Forscher korrigieren die bisherigen Annahmen. Doch für viele Arten bleibt die Gefahr nach wie vor groß. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,720161,00.html
Endlich mal wieder eine beruhigende Nachricht aus dem Bereich der Wissenschaften. Und noch nicht einmal nur durch Statistiken belegt. Gibt es bei den Vogelarten Schnapsdrosseln, Schluckspechte etc. in echt auch noch? Dann wäre die Welt doch nicht vor dem Untergang. /Ironie aus/
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