Neue Eiskern-Analyse CO2 auf höchstem Wert seit 800.000 Jahren

Rekordwerte bei Kohlendioxid und Methan: Noch nie in den vergangenen 800.000 Jahren lag die Konzentrationen der Treibhausgase in der Atmosphäre so hoch wie heute. Das haben zwei internationale Forscherteams bei der Analyse von Eiskernen aus der Antarktis herausgefunden.


London - "Dome C" ist einer der ungemütlichsten Plätze dieser Erde. Vor allem ist es auf dem 3233 Meter hohen Berg in der Antarktis unglaublich kalt. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei minus 54,5 Grad, im Südwinter können aber auch schon einmal minus 80 Grad erreicht werden. In dieser unwirtlichen Umgebung haben Forscher allerdings einen besonders guten Zugriff auf eines der besten Klimaarchive des Planeten: das antarktische Eis.

Im Rahmen des europäischen Projektes Epica ("European Project for Ice Coring in Antarctica") haben Wissenschaftler hier tief in das Eis gebohrt - bis sie im Dezember 2004 in 3270 Metern Tiefe anlangten. Anschließend wurden die Gaseinschlüsse in den Bohrkernen untersucht. Nun liegen neue Ergebnisse vor, die erstmals die Geschichte der Erdatmosphäre in den vergangenen 800.000 Jahren lückenlos zurückverfolgen lassen.

Zwei Forscherteams um Dieter Lüthi von der Universität in Bern und Laetitia Loulergue von der Universität in Grenoble stellen ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Nature" vor (Bd. 453, S. 379 und S. 383). Die Forscher hatten in jahrelanger Arbeit den Kohlendioxid- und den Methangehalt winziger, in das Eis eingeschlossener Luftblasen analysiert und konnten so einen Einblick in die Geschichte der Erdatmosphäre gewinnen. Diese Analyse reicht lückenlos so weit zurück wie nie zuvor - bisher kannten die Forscher nur die Werte aus den vergangenen rund 650.000 Jahren. Die neuen Datensätze sind mit einer zeitlichen Auflösung von 380 Jahren auch extrem detailliert.

Rekordwerte bei den Treibhausgasen Kohlendioxid und Methan fanden die Forscher nicht etwa in den warmen Phasen zwischen den vergangenen acht Eiszeiten, sondern in der Gegenwart: So liegen die heutigen Kohlendioxidkonzentrationen um 28 Prozent höher als je zuvor in den vergangenen 800.000 Jahren. Der Methangehalt ist heute sogar um 128 Prozent höher.

Zudem ist die Entwicklung des Kohlendioxidgehalts tatsächlich sehr eng an den Temperaturverlauf gekoppelt, konnten die Wissenschaftler mit ihren Daten bestätigen. Auch kam es immer wieder zu schnellen und markanten Schwankungen des Kohlendioxid- und Methangehalts. Abrupte Klimaschwankungen, wie sie während der jüngsten Eiszeit vor 40.000 Jahren auftraten, konnten die Forscher nun auch bereits für frühere Epochen nachweisen, beispielsweise vor 770.000 Jahren.

Das Auf und Ab der Treibhausgase und damit auch der Temperatur folgt gleich mehreren, sich überlagernden Zyklen, ergab sich weiter aus den Daten: So scheint es neben einem 100.000-Jahre-Zyklus eine 400.000 bis 500.000 Jahre dauernde Periode zu geben, die möglicherweise mit Schwankungen der Bahn der Erde um die Sonne zusammenhängt.

chs/ddp/dpa



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