Zufallsfund Neue Flussdelfinart in Museum entdeckt

Es leben nur noch vier Arten von Flussdelfinen. Eine weitere haben Forscher jetzt im Museum entdeckt - als Versteinerung.

Künstlerische Darstellung des ausgestorbenen Delfins
DPA/ Alexandra Boersma

Künstlerische Darstellung des ausgestorbenen Delfins


Ein seit Jahrzehnten in einer Sammlung schlummerndes Fossil hat sich als Überbleibsel eines zuvor unbekannten Flussdelfins entpuppt. Die Art sei vor rund 25 Millionen Jahren in subarktischen Gewässern heimisch gewesen, berichten US-Forscher im Fachjournal "PeerJ". Sie sei mit dem in Südasien lebenden Flussdelfinen (Platanista) verwandt, den letzten Überlebenden einer einst großen und vielfältigen Gruppe.

Das versteinerte Schädelfragment sei der am weitesten im Norden gefundene Überrest dieser Gruppe, der zu den Zahnwalen gehörenden Platanistoidea, wie Alexandra Boersma und Nicholas Pyenson vom National Museum of Natural History in Washington schreiben.

Es war 1951 von einem Geologen im Südosten Alaskas entdeckt worden und ohne nähere Analyse in der mehr als 40 Millionen Stücke umfassenden paläobiologischen Sammlung des Museums gelandet.

Der Fund im Museum
DPA/ Smithsonian

Der Fund im Museum

"Wir lernen immer wieder neue Dinge über das immense Vermächtnis, das unsere Vorgänger im Museum hinterlassen haben", sagte Museumskurator Pyenson. Die neu entdeckte Art erhielt den wissenschaftlichen Namen Arktocara yakataga.

Schädelfragment des Delfins
DPA/ Smithsonian

Schädelfragment des Delfins

Es leben weltweit höchstens noch vier Arten von Flussdelfinen: Amazonasdelfin (Inia geoffrensis), La-Plata-Delfin (Pontoporia blainvillei), Gangesdelfin (Platanista gangetica) und Chinesischer Flussdelfin (Lipotes vexillifer) - der jedoch vermutlich schon ausgestorben ist.

Die Gangesdelfine sind mit den anderen drei Arten allenfalls weitläufig verwandt. Die Gemeinsamkeiten - alle Flussdelfine haben breite Brustflossen, bewegliche Hälse und lange schmale Schnauzen - entstanden wahrscheinlich parallel durch Anpassungen an den Lebensraum: trübe, gewundene Flusssysteme.

Die Tiere besitzen Echoortungssysteme, ihr Sehvermögen hingegen ist schwach ausgeprägt.

Forscher vermuten, dass die Vorläufer der Flussdelfine einst weltweit verbreitet waren. Wale und Delfine entwickelten sich vor langer Zeit von Landtieren zu Meeressäugern. Flussdelfine schlugen wieder die umgekehrte Richtung ein: Sie kehrten in Süßwasser-Ökosysteme des Binnenlandes zurück.

Sie sind bedroht - durch Wasserverschmutzung und den Bau von Staudämmen, durch Bejagung und unbeabsichtigte Tötung in Fischnetzen.

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Von Annett Stein, dpa/boj



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