Neue Landkarte Hier liegen Europas letzte Urwälder

Nadelwälder in Skandinavien, Laubwälder im Südosten Europas: Eine neue Karte zeigt die letzten, weitgehend unberührten Waldgebiete des Kontinents.
Buchen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Buchen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Ein internationales Forscherteam hat eine Landkarte der letzten Urwälder Europas zusammengestellt. Darin sind nach Angaben der Humboldt-Universität Berlin mehr als 1,4 Millionen Hektar solcher Wälder in 34 Ländern erfasst.

Die Forscher haben die Karte im Fachmagazin "Diversity & Distributions"  veröffentlicht. "Dass diese Wälder noch niemals von Menschen betreten wurden, ist in Europa wohl kaum vorstellbar", sagt Francesco Maria Sabatini, Koordinator die Studie. "Es handelt sich vielmehr um Wälder, in denen der menschliche Einfluss sehr gering ist, in denen ökologische Prozesse also noch weitestgehend natürlich ablaufen."

Die letzten Urwlder EuropasForscherteam der HU erarbeitet Landkarte zum Schutz unberhrter Wlder

Die letzten Urwlder EuropasForscherteam der HU erarbeitet Landkarte zum Schutz unberhrter Wlder

Foto: Esri, HERE, Garmin, OpenStreetMap contributors/the GIS user community

Die Karte zeigt, dass Urwälder in Europa nur noch in entlegenen Regionen zu finden sind und zumeist nur sehr kleine Flächen bedecken. Die Nadelwälder liegen vor allem in Skandinavien, vor allem in Finnland. Vergleichsweise unberührte Laubwälder finden sich in vielen Gegenden Europas, allerdings mit einem Schwerpunkt im Südosten des Kontinents.

Auch wenn 89 Prozent der identifizierten Urwälder in Schutzgebieten liegen, sind sie den Forschern zufolge trotzdem bedroht. "Weitestgehend unberührte Wälder sind die letzten Orte, wo viele vom Aussterben bedrohte Arten noch vorkommen", warnt Tobias Kümmerle, einer der Autoren.

"Viele Wälder von hohem Naturschutzwert in den Karpaten Rumäniens oder auch auf dem Balkan werden momentan abgeholzt", so sein Kollege Miroslav Svoboda von der University of Life Science im tschechischen Prag. Der Bedarf an Bioenergie habe stark zugenommen, gleichzeitig gebe es auch viel illegalen Holzeinschlag.

Für die Karte werteten die Forscher eine Vielzahl von Datensätzen aus und arbeiteten mit Hunderten von Forstwirtschaftlern, Experten und Aktivisten von Nichtregierungsorganisationen zusammen.

Die neu entwickelte Karte soll nun zum Schutz der letzten Urwälder beitragen, weil sie zum ersten Mal die Verteilung solcher Wälder über ganz Europa hinweg zeigt. Zudem liefert sie Hinweise darauf, wo bisher noch nicht entdeckte Urwaldreste zu finden sein könnten.

chs/AFP

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