Neue Leguanart Forscher korrigieren Darwins Inventarliste

Aus zwei mach drei: Ein vor Jahren zufällig entdeckter Leguan auf den Galápagos-Inseln hat sich als eigene Art herausgestellt. Neue DNA-Analysen weisen dem britischen Naturforscher Charles Darwin eine Nachlässigkeit nach. Er hatte die Tiere übersehen - und nur zwei Leguanarten gefunden.


Washington - Gut einen Monat war Charles Darwin im September 1835 über die Galápagos-Inseln gestapft, die im Pazifik, rund tausend Kilometer vor der Küste von Ecuador liegen. Dabei hatte er auf den Eilanden vor allem die Tier- und Pflanzenwelt näher unter die Lupe genommen - und wichtige Informationen für sein bahnbrechendes Werk "Die Entstehung der Arten" gesammelt, das vor genau 150 Jahren erschien.

Rosafarbener Leguan: Bislang waren auf Galápagos nur zwei Arten von Landleguanen bekannt. Nun kommt eine dritte dazu
DPA

Rosafarbener Leguan: Bislang waren auf Galápagos nur zwei Arten von Landleguanen bekannt. Nun kommt eine dritte dazu

Wie sich nun herausstellt, hat der renommierte Forscher damals allerdings alteingesessene Bewohner der Inseln übersehen: rosa gefärbte Leguane. Die Tiere kommen nur auf einer einzigen Insel des Galápagos-Archipels vor. Ein Forscherteam um Gabriele Gentile von der Universität Tor Vergata in Rom berichtet in der Fachzeitschrift "Proceedings National Academy of Sciences" (Vol. 106, Nr. 2) über die Art.

Obwohl die Galápagos-Inseln seit langem intensiv erforscht werden, sind die rosafarbenen Tiere erst 1986 zufällig von einem Nationalpark-Ranger entdeckt worden. Sie leben ausschließlich in der Nähe des Vulkans Wolf auf der Galápagos-Insel Isabela. Gentile und sein Team gaben den bislang kaum untersuchten Tieren aufgrund ihrer Färbung den Namen "Rosada", was auf Spanisch "Rosa" bedeutet.

Bislang waren auf Galápagos nur zwei unterschiedliche Arten von Landleguanen bekannt, die beide zur Gattung der Drusenköpfe (Conolophus) gehören. Nach genetischen Untersuchungen sowohl an den Rosadas als auch an den beiden bekannten Arten gehen Gentile und sein Team aber davon aus, dass die Rosadas eine eigene Art darstellen. Zwar seien die Tiere noch in der Lage, sich untereinander fortzupflanzen, erklären die Wissenschaftler. Dennoch seien die genetischen Unterschiede so groß, dass eine Klassifikation als eigenständige Art gerechtfertigt erscheine. Eine formelle Beschreibung verschoben die Wissenschaftler aber auf einen späteren Zeitpunkt.

Die Entwicklungspfade der Rosadas und der übrigen Landleguane teilten sich wohl schon vor rund 5,7 Millionen Jahren, ermittelten die Forscher bei ihren Untersuchungen. Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass sich die Drusenköpfe erst während des Pleistozäns auseinander entwickelt hatten - dieses Erdzeitalter begann rund 1,8 Millionen Jahre vor unserer Zeit und endete vor etwa 11.500 Jahren.

Die neuen Ergebnisse stellen Gentile und seine Kollegen allerdings vor ein Rätsel: Der Vulkan Wolf, an dem die Rosadas bislang ausschließlich entdeckt wurden, war zur Zeit der angenommenen Artenspaltung noch gar nicht entstanden. Um die Tiere weiter erforschen zu können, müsse aber zunächst ihr Schutz gewährleistet werden, fordern die Wissenschaftler. Den derzeit verfügbaren Daten zufolge sind die Rosadas unmittelbar vom Aussterben bedroht.

chs/ddp



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