Neue Seuche Schweinegrippe in 18 Ländern nachgewiesen

In Deutschland gibt es zwei weitere Fälle der Schweinegrippe: Betroffen ist ein Paar, das mit einem infizierten Mann zusammen in einem Flugzeug aus Mexiko saß. Damit sind insgesamt acht Menschen in der Bundesrepublik an dem Virus erkrankt. In Kanada hat ein Bauer seine Schweineherde angesteckt.

Berlin - Zwei neue Fälle des A/H1N1-Virus in Deutschland: Wie der Präsident des Robert-Koch-Instituts Jörg Hacker am Sonntag sagte, hat sich ein aus Frankfurt Oder in Brandenburg stammendes Ehepaar mit dem Erreger infiziert. Der Mann und die Frau seien im selben Flugzeug gewesen wie ein aus Hamburg stammender Grippepatient. Das Ehepaar liege mit nur leichten Krankheitssymptomen im Klinikum in Frankfurt Oder, isoliert in zwei Zimmern.

Infektionsstation im Krankenhaus Weyertal in Köln: Nun acht nachgewiesene Grippefälle in Deutschland

Infektionsstation im Krankenhaus Weyertal in Köln: Nun acht nachgewiesene Grippefälle in Deutschland

Foto: DPA

Insgesamt gebe es in Deutschland rund 20 Verdachtsfälle, sagte Hacker. Angesichts der neuen Fälle könne keine Entwarnung gegeben werden, mit weiteren Erkrankungen müsse hierzulande gerechnet werden. Am Samstag war in Bayern der zweite Fall aufgetreten, in dem sich ein Mensch innerhalb Deutschlands infiziert hatte. Ärzte müssen seit Sonntag alle Fälle der neuen Grippe an die Gesundheitsämter melden.

Die neuartige Seuche, die sogenannte Schweinegrippe, wurde mittlerweile in 18 Ländern nachgewiesen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es inzwischen mehr als 650 bestätigte Fälle. Am stärksten betroffen ist nach wie vor Mexiko. Dort gibt es nach Angaben von Gesundheitsminister José Ángel Córdova 473 Infektionen. Die Zahl der Toten sei inzwischen auf 19 angestiegen. In der Europäischen Union sind mit den beiden neuen Fällen in Deutschland 51 Menschen infiziert, teilte das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) am Sonntagmorgen in Stockholm mit.

In Kanada ist eine Schweineherde an der aktuellen Grippe erkrankt. Höchstwahrscheinlich habe ein Mann, der mit Grippesymptomen aus Mexiko zurückgekommen war, die Schweineherde infiziert, berichtet die kanadische Lebensmittelbehörde. Die Sicherheit der Lebensmittelversorgung sei dadurch aber nicht gefährdet. Die Herde stehe unter Quarantäne, sowohl die Tiere als auch der Mann erholten sich zusehends oder seien bereits ohne Symptome.

Ursprünglich war vermutet worden, dass Schweinebestände in Mexiko der Ausgangspunkt für die aktuell um die Welt laufende neue Grippe sein könnten. Daher stammt auch der ursprünglich verwendete Name Schweinegrippe. Weil sich dieser Verbreitungsweg aber einstweilen nicht nachweisen ließ, wird von dem Namen mehr und mehr Abstand genommen.

Länder wie China oder Russland haben trotzdem Handelsbeschränkungen für Schweinefleisch und Schweineprodukte aus Mexiko, den USA und Kanada erlassen. Internationale Organisationen haben mehrfach kritisiert, dass es dafür keinen Grund gibt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Welternährungsorganisation (FAO), die Welthandelsorganisation (WTO) und die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) verfassten dazu am Samstag sogar eine gemeinsame Erklärung .

Schweinefleisch sei nicht infektiös, wenn die Regeln der Hygiene beachtet würden, heißt es darin. Gleichwohl sei es wichtig, dass die Tierbestände von den Veterinärbehörden überwacht würden, um mögliche Zusammenhänge von Krankheitszeichen bei Schweinen mit Fällen von Infektionen beim Menschen zu erkennen.

Schweine sind ein wichtiges Reservoir von Grippeviren. Wenn verschiedene Stämme der Erreger in den Tieren zusammenkommen, können die Viren ihre Eigenschaften neu kombinieren und so auch potentiell bedrohliche Varianten entstehen lassen.

Streit gibt es darüber, ob das mutierte A/H1N1 tatsächlich ungefährlicher ist als zunächst befürchtet. Dies hatte die US-Seuchenbehörde CDC am Samstag erklärt. Demnach habe der Virustyp H1N1 anscheinend nicht die gleichen todbringenden Eigenschaften wie das Virus der katastrophalen Spanischen Grippe von 1918/19. An der Spanischen Grippe waren vor 90 Jahren mehr als 25 Millionen Menschen gestorben. Sie hatte zunächst auch vergleichsweise harmlos begonnen und hatte erst bei ihrer zweiten Welle um die Welt ihre volle todbringende Kraft erlangt.

Die WHO widersprach den CDC-Informationen zu einer eingeschränkten Gefährlichkeit des A/H1N1-Erregers: Der WHO-Direktor für das globale Warnsystem Michael Ryan erklärte, die Entwicklung des Virus sei "überhaupt nicht vorhersehbar." Man könne immer noch davon ausgehen, dass eine Pandemie bevorstehe. "So müssen wir davon ausgehen, dass Phase 6 erreicht wird - aber wir hoffen, dass das nicht geschieht." Derzeit sei es aber nicht angebracht, die Alarmstufe 5 auf die höchste Stufe 6 zu heben, die den Ausbruch einer Pandemie anzeigen würde.

chs/dpa/ddp/AP/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.