Spitzenwert ungültig Meteorologen bestimmen neuen Hitze-Weltrekord

90 Jahre hatte der Spitzenwert Bestand, nun wurde er für ungültig erklärt: Meteorologen haben die höchste Hitzemessung aller Zeiten in Libyen überprüft - und einen neuen Weltrekord benannt.

Hitzemessung: Weltweite Rekordjagd
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Hitzemessung: Weltweite Rekordjagd

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Hamburg/Genf - Seit dem 13. September 1922 hielt Asisija in Libyen einen prominenten Platz: Der Ort war Hitzeweltrekordhalter. 58 Grad sollen damals vor genau 90 Jahren an einer italienischen Militärbasis gemessen worden sein. Doch nun hat die Weltmeteorologische Organisation den Rekord aberkannt. Neuer Spitzenreiter ist das Tal des Todes in den USA - das Death Valley -, wo am 10. Juli 1913 exakt 56,7 Grad gemessen worden seien.

Es bestünden erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Rekordmessung von 1922, schreiben Forscher um Khalid al-Fadii vom Libyan National Meteorological Centre (LNMC) im Fachmagazin "Bulletin of the American Meteorological Society". "Der Wert erschien uns schon immer verdächtig, nie war eine Messung an Asisija herangekommen", sagt Mitautor Christopher Burt vom privaten Wetterdienst "Weather Underground", "und jetzt wissen wir auch, warum: Der angebliche Weltrekord ist einfach unglaubwürdig."

Die Messung falle im Vergleich zu umliegenden Stationen und zu nachfolgenden Daten von derselben Station aus dem Rahmen, berichten Khalid al-Fadii und seine Kollegen. Das Thermometer sei zudem veraltet gewesen und hätte über einer Asphaltfläche gestanden, die sich künstlich aufheize. Zudem bestünden Zweifel an der Kompetenz des Ablesers.

Gaddafis "Krieg um Klimadaten"

Seit Ende 2010 hatten die Wissenschaftler an der Überprüfung gearbeitet; sie hatten ihre Arbeit während des Bürgerkriegs für Monate unterbrechen müssen. "Einmal dachte ich schon, Kollege Fadii wäre im Visier von Machthaber Gaddafi", berichtet Burt. Gaddafi hätte seinerzeit im Fernsehen ominöse Erklärungen abgegeben, wonach die USA versuchten, nun auch einen "Krieg um Klimadaten gegen Libyen zu führen".

Die Wissenschaftler ließen die Arbeit ruhen und brachten sich in Sicherheit. Nun aber stehe mit dem Death Valley der neue Hitzeweltrekordhalter fest. In der Wüste im Südwesten der USA war gerade in diesem Sommer auch ein neuer nächtlicher Temperaturspitzenwert registriert worden.

Allerdings zeigen Satellitendaten, dass es im Inneren großer Wüsten wohl noch heißere Orte gibt - dort stehen aber keine Messgeräte. In der Wüste Lut in Iran etwa war es Satellitendaten zufolge zeitweise wärmer als 70 Grad, dabei könnte es sich aber auch um die Bodentemperatur handeln. Eine Bestätigung in der abgelegen Region steht aber noch aus - einstweilen bleibt also das Tal des Todes Rekordhalter.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Death Valley befinde sich im Südosten der USA. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



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